Neue Bildmedien, wie Bildschirme und Touchscreens, als moderne Museumsausstattung (Foto: 2av)

Ulmer Designagentur entwickelt "digitale Exponate" für milliardenschweres Projekt

Moderne Technik aus Ulm für Ägyptisches Museum Gizeh

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Die Firma 2av aus Ulm hat sich auf Digitaltechnik für Museen spezialisiert. Sie entwickelt computerbasierte Mitmachangebote für internationale Häuser und hat nun einen großen Auftrag aus Ägypten bekommen.

Ägypt. Museum (Foto: SWR, SWR - Foto: Cornelia Wegerhoff)
Das gigantische Grand Egyptian Museum entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft der Pyramiden von Gizeh. SWR - Foto: Cornelia Wegerhoff

Die Ulmer Designagentur gestaltet das neue Ägyptische Museum mit, das bald bei den Pyramiden in Gizeh eröffnet wird. Das "Grand Egyptian Museum" soll mehr als eine halbe Milliarde Dollar kosten und wird das größte Museum seiner Art der Welt sein.

Junger Mann mit Bart im SWR Studio Ulm: Der Projektleiter für die digitale Ausstattung des Ägyptischen Museums Kairo, Martin Schmitt von der Ulmer Firma 2av (Foto: 2av)
Der Projektleiter für die digitale Ausstattung des Ägyptischen Museums Kairo, Martin Schmitt, von der Ulmer Designagentur 2av. 2av

Verantwortlich für das Projekt der Ulmer Agentur 2av ist Martin Schmitt. Er erzählt, was die neue Technik im Museum alles kann.

SWR: Was machen Sie denn konkret für das künftig größte archäologische Museum der Welt?

Martin Schmitt: Wir sind in diesem Museum tatsächlich an mehreren Stellen tätig. Wir haben zum Einen eine große Installation im Eingangsbereich, die von uns ausgeführt wird - das ist eine große Infotafel. Wir haben zum Anderen in dieser Galerie, die für den Pharao Tutanchamun, also den Gesamtschatz sozusagen gebaut wurde, vertiefende Exponate: Da gibt es die Möglichkeit, quasi in Exponate hineinzuschauen oder Dinge auf Exponaten zu erkennen, die man teilweise mit dem bloßen Auge nicht sieht. Und man kann Inhalte entdecken, die aufgrund der Sprache, aufgrund der Hyroglyphen, nicht erfassbar sind von einem Menschen, der in der heutigen Zeit lebt.

Entwurf für den Eingangsbereich des Grand Egyptian Museum (Foto: Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart)
So soll der Eingangsbereich des Grand Egyptian Museum einst aussehen. (Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart) Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart

Handelt es sich dabei um Videos? Kann ich dann als Besucher vor einem Bildschirm stehen und Knöpfe drücken? Also was kann ich da konkret machen?

Genau, es gibt beides, also "autoaktive" Stationen, wo einfach auf einem Bildschirm Inhalte in einer Dauerschleife gezeigt werden. Da muss der Benutzer nichts anderes tun, als diesen Inhalt anzuschauen. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele "interaktive" Exponate, um dann auch wirklich das Thema weiter zu erkunden. Also man kann zum Beispiel in mehreren Schichten in das Grab des Pharao vordringen oder die einzelnen Särge tatsächlich öffnen und schauen, was darin war.

Neue Bildmedien, wie Bildschirme und Touchscreens, als moderne Museumsausstattung (Foto: 2av)
Eintauchen in virtuelle Welten: Den Ulmer Museumsmachern geht es darum, (Museums-)Geschichten zu erzählen - mit Bewegtbild, Spielen und vielen interaktiven Möglichkeiten für die Museumsgängerinnen und -gänger. (Archivbild aus dem Landesmuseum Zürich) 2av

Man muss das ja erstmal hinkriegen, eine Installation zu entwickeln, die es mir ermöglicht, in verschiedene Schichten dieses Grabes digital hineinzugucken. Wenn Sie das umsetzen, was ist das Schwierigste für Sie?

Das Schwierigste ist, die ganzen Inhalte, die reinkommen, in eine Struktur zu bringen. Da muss sehr viel Software entwickelt und programmiert werden. Dann muss sehr viel koordiniert werden - also in diesem Fall mit der Firma, die die Ausstellung insgesamt gestaltet und natürlich mit dem Kunden vor Ort. Das zusammenzuhalten und den Überblick zu behalten, ist sehr komplex. Auf die Software an sich sind wir hochspezialisiert, das ist unser tägliches Handwerkszeug.

Neue Bildmedien, wie Bildschirme und Touchscreens, als moderne Museumsausstattung (Foto: 2av)
Der Nachfolger der guten, alten Museumsvitrine: Große Touchscreens laden die Besucher und Besucherinnen ein, sich interaktiv mit den Inhalten zu beschäftigen (Archivbild aus dem Weltmuseum Wien) 2av

Wie groß ist die Angst, das irgendwann mal in absehbarer Zeit dieses große Museum eröffnet und Ihre "Maschinen" funktionieren nicht?

Also die Angst, das was nicht funktioniert, die ist an dieser Stelle sehr gering. Weil wir auf Technologien bauen, die seit Jahren funktionieren.

Entwurf für den Eingangsbereich des Grand Egyptian Museum (Foto: Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart)
Beeindruckende Skulpturen im Eingangsbereich des Grand Egyptian Museum (Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart) Ausstellungsgestaltung & Visualisierung: ATELIER BRÜCKNER, Stuttgart

Wie kommt eine kleine Ulmer Spezialfirma an einen solchen Auftrag?

Es ist prinzipiell so, dass wir in Deutschland allgemein eine sehr, sehr starke, international vernetzte Ausstellungsbranche haben, wie zum Beispiel das Stuttgarter "Atelier Brückner", das die Ausstattung für das Museum in Gizeh macht. Die hat den Auftrag bekommen und die haben dann den Spezialbereich "digitale Exponate" an uns weitergegeben. Dadurch, dass hier europäische Player im Spiel sind und wir auf dem europäischen Markt tätig sind, kriegen wir da einen Zugriff. Also ich glaube, niemand aus Ägypten hätte uns direkt beauftragt. Da sind wir noch zu klein dafür. Das mag in Zukunft mal passieren.

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