Das Theater Ulm beleuchtet (Foto: Pressestelle, Theater Ulm)

Dreispartenhaus hofft auf Comeback nach der Corona-Krise

"Der zerbrochne Krug" eröffnet neue Spielzeit am Theater Ulm

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Anita Schlesak
Anita Schlesak (Foto: SWR)

Das Theater startet mit einer Komödie zur MeToo-Debatte: "Der zerbrochne Krug". Es folgt die berühmte Operette "Die Fledermaus". Volles Programm, ob es auch ein volles Haus wird?

Sodele, jetzetle – mit dieser Ankündigung auf Plakaten lockt das Theater Ulm. "Die Highlights der Spielzeit sind gleich am Anfang sehr gebündelt," sagt Intendant Kay Metzger und hofft für sein Dreispartenhaus auf ein "kleines oder großes Comeback nach der Corona-Krise." Denn das Ulmer Publikum war auch nach Aufhebung der Beschränkungen noch zögerlich. Die erste Premiere am Freitag ist ein Klassiker: "Der zerbrochne Krug" von Heinrich von Kleist. "Die deutsche Komödie schlechthin", so Metzger, "die aber aktuelle Bezüge durch die MeToo-Debatte mit sich bringt."

Probenszene am Theater Ulm - das Ensemble im monumentalen Bühnenbild (Foto: Jochen Klenk, Theater Ulm)
"Der zerbrochne Krug" - ein klassisches Lustspiel am Theater Ulm mit aktuellen Bezügen: zum Lachen und zum Weinen Jochen Klenk, Theater Ulm

Eine klassische Komödie und MeToo: "schrecklich aktuell"

Kleists Lustspiel von 1808 über die Doppelmoral eines Dorfrichters, der über sein eigenes Vergehen urteilen soll, sei das "Stück der Stunde". Für den Ulmer Theaterintendanten ist es "eigentlich schrecklich, dass es noch aktuell ist. Die Art und Weise, wie dieser Dorfrichter Adam seine Macht missbraucht, wie er sexuell übergriffig wird, wie er erpresserisch tätig wird, das begleitet uns ja durch unsere heutige Gegenwart. Und der Kleist hat das messerscharf beobachtet."

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Das literarisch zugespitzte Thema passe punktgenau zum Spielzeitmotto: "Wenn ich ich bin, weil ich ich bin und wenn du du bist, weil du du bist, bin ich ich und du bist du." Ein Zitat aus dem Theaterstück "Kunst" der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza, das im Januar auf die Ulmer Bühne kommt. Ein ewiges Thema sei eben das Verhältnis von Ich und Du, das sich "im Kleinen und im Großen spiegelt", so Metzger.

Probenszene am Theater Ulm - Dorfrichter Adam in verzweifelter Pose (Foto: Jochen Klenk, Theater Ulm)
Der Ulmer Schauspieler Frank Röder in der Hauptrolle des Dorfrichters Adam - "Der zerbrochne Krug" macht den Auftakt Jochen Klenk, Theater Ulm

Oper an ungewöhnlichem Ort: Theater Ulm inszeniert im Autohaus

Ein besonderer Hingucker ist dann Ende Oktober in einem Autohaus von Opel direkt neben dem Theater Ulm: "Violet" eine zeitgenössische Oper, eine deutsche Erstaufführung im Showroom zwischen den neuesten Automodellen. "Wir sind sehr stolz, dass wir den Zuschlag bekommen haben", schwärmt Kay Metgzer, "auch ein Stück, das sehr viel mit diesem Motto zu tun hat." In der außergewöhnlichen Spielstätte sieht man eben beim Stück tatsächlich auch "das Außenleben, die Realität des Verkehrs, der Straßenbahn, der Passanten", schwärmt der Intendant. "Diese gläserne Fassade mit dem Ausblick - da liegt ein ganz, ganz hoher Reiz drin."


Theater Ulm: Interesse des Publikums wächst

Der Vorverkauf für die rund 250 Vorstellungen pro Spielzeit ist im Theater Ulm offenbar gut angelaufen. Es gebe viele Anfragen für die neuen Abonnements, bestätigt der Theaterintendant: "Zum Teil sind es so viele, dass die Theaterkasse sich wirklich wund arbeitet, das ist erst mal ein gutes Signal." Das Konzert-Abo wurde schon 900 Mal gekauft, 1.400 will das Theater erreichen. Ein positiver Trend, so Kay Metzger. "Gleichwohl bleibt natürlich ein Fragezeichen, weil wir nicht wissen, was der Herbst bringen wird." Gerade mit Blick auf die Pandemie.

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