Jakob Manz mit der Band Joo Jazz (Foto: SWR, Rainer Schlenz)

Trompeter Joo Kraus bietet jungen Talenten eine Bühne

Neue Konzertreihe in Ulm: "Joo Jazz - Next Generation"

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Rainer Schlenz
Rainer Schlenz (Foto: Spiesz-Design/Sabine Weinert-Spieß)

Der Ulmer Trompeter Joo Kraus hat eine neue Konzertreihe gegründet: "Joo Jazz - Next Generation" heißt sie. Damit sollen junge Musikerinnen und Musiker eine Bühne bekommen.

Das ist praktische Nachwuchsförderung: Die Band "Joo Jazz" des Trompeters Joo Kraus arbeitet mit jungen Talenten zusammen. Am Donnerstagabend fand das erste Konzert einer neue Reihe statt - im Café Kokoschinski des Ulmer Buchhändlers Rasmus Schöll.

Ein kleiner Veranstaltungsraum im hinteren Teil des Cafés: An der Decke hängen Lampen im Stile der 60er, auf dem Boden liegt ein Teppich. Der Raum mit der Wohnzimmeratmosphäre ist proppevoll, manche sitzen, manche stehen, manche tanzen. Vier erfahrene Musiker um Trompeter Joo Kraus stellen die Band "Joo Jazz", jeder ist hörbar eine musikalische Persönlichkeit. Und mittendrin ein 21-jähriger: der baden-württembergische Saxofonist Jakob Manz.

                                                                

Mit seinen 21 Jahren spielt Jakob Manz wie ein ganz erfahrener. Joo Kraus sagt über ihn, er sei eine "ganz alte Seele", wenn er spiele. (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Mit seinen 21 Jahren spielt Jakob Manz wie ein ganz erfahrener. Joo Kraus sagt über ihn, er sei eine "ganz alte Seele", wenn er spiele. Rainer Schlenz

Jakob Manz ist - trotz seiner jungen Jahre - lange schon durchgestartet: Der Saxofonist ist bei dem renommierten deutschen Jazzlabel ACT unter Vertrag, er hat mit der SWR Big Band gespielt, vor kurzem hat er den Jazzpreis Baden-Württemberg gewonnen. Aber all diese Hausnummern waren für Joo Kraus gar nicht entscheidend, um mit Jakob Manz die neue Jazzreihe zu starten. Viel wichtiger sei die Offenheit: "Für mich sind tatsächlich im Moment die größten Inspirationen Künstler, die eigentlich weitaus jünger sind als ich", sagt Kraus.

Jakob Manz ist nicht nur ein Spitzen-Saxofonist, er spielt auch Blockflöte - eine Seltenheit im Jazz. Und Schlagzeug spielt er auch noch. (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Jakob Manz ist nicht nur ein Spitzen-Saxofonist, er spielt auch Blockflöte - eine Seltenheit im Jazz. Und Schlagzeug spielt er auch noch. Rainer Schlenz

Tatsächlich spielt der 21-Jährige so unfassbar inspiriert und kreativ, als hätte er schon fünf Jahrzehnte Erfahrung sammeln können.

Einer der Köpfe hinter der neuen Konzertreihe neben Joo Kraus ist der Ulmer Buchhändler Rasmus Schöll. Er ist genau genommen viel mehr als ein Buchhändler. Er ist eine Art Kulturkatalysator für die Stadt Ulm - betreibt das Café Kokoschinski, präsentiert Möbelstücke, veranstaltet Lesungen, Konzerte, Literaturwochen und unterhält einen Verlag.

"Kultur führt dazu, dass wir unser Leben reflektieren können, dass wir Freude empfinden!"

Gibt sich nicht geschlagen: Der Ulmer Buchhändler Rasmus Schöll strengt in seinem Kampf gegen das Abholverbot nun ein Hauptsacheverfahren an. (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Ein Ort mit Seele: Die Buchhandlung Aegis von Rasmus Schöll. Rainer Schlenz

Schöll geht es dabei um viel mehr als ein Rahmenprogramm für seinen Laden. Es geht um den Wert der Kultur an sich, weil "Kultur einfach dazu führt, dass wir unser Leben reflektieren können, dass wir Freude empfinden. Und dass wir Freude empfinden, die uns auch vielleicht manchmal fremd ist oder die wir verlernt haben oder die uns fordert. Aber es ist Freude! Und das ist für mich ein Grund, so zu arbeiten."

Diese Philosophie wird greifbar: Betritt man die Buchhandlung von Rasmus Schöll oder sein neues Café, wird sofort klar: Diese Räume haben Seele. Und sie lassen Nähe zu. Das wiederum ist ganz im Sinne der Musiker. "Es ist einfach so, man merkt jeden Ton", erzählt Jakob Manz. Die Leute sind total nah dran im Kokoschinski, "jeder Ton hat Relevanz".

                                                  

Fünf weitere Konzerte sind im Rahmen der Reihe "Joo Jazz – Next Generation" geplant. Wichtig für Joo Kraus ist die Vielfalt: Der Jazz soll erweitert werden durch Vokalmusik, Elektronik, Pop und Singersongwriter. Man will die Szene wieder nach vorne bringen, nach zwei Jahren gebremster Möglichkeiten. Unterstützt wird das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

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