Das neue NATO-Kommando nimmt am Mittwoch seinen Dienst auf (Foto: SWR, Anita Schlesak)

Nach drei Jahren Aufbauarbeit

Das sind die Aufgaben des neuen NATO-Kommandos JSEC in Ulm

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Anita Schlesak
Anita Schlesak (Foto: SWR)
Kristina Priebe
Kristina Priebe (Foto: SWR)
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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

Ein neues NATO-Kommando hat an diesem Mittwoch in Ulm seinen Dienst aufgenommen. Künftig sollen dort in einem Bündnisfall alle NATO-Truppen in Europa koordiniert werden.

Drei Jahre lang wurde das Kommando JSEC in Ulm aufgebaut. JSEC ist die Abkürzung für Joint Support and Enabling Command. Grob übersetzt heißt das: gemeinsames Unterstützungs- und Befähigungskommando. Die Verteidigungsminister der NATO hatten 2018 beschlossen, die Kommandostruktur zu ändern. Ziel war es, im Bündnisfall schnell und unbürokratisch Truppen bewegen zu können. Für die Koordination der Einsatzkräfte sollten gleich zwei neue Kommandos eingerichtet werden. Neben dem in Ulm gibt es ein weiteres in den USA.

Wenn der Bündnisfall eintritt, werden von Ulm aus alle NATO-Truppen in Europa koordiniert. JSEC kümmert sich dann auch um den Materialtransport. Die Logistik ist aber nur ein Teilaspekt. Das Kommando ist auch dafür zuständig, die Kräfte im Bündnisfall zusammenzuführen, auszubilden und zu trainieren. Aktiviert wird das Kommando nur im Krisenfall, aber schon in Friedenszeiten muss JSEC jederzeit einsatzbereit sein.

Bewusste Entscheidung für Standort Ulm

Daran sind schon jetzt rund 200 Soldaten und Soldatinnen aus 20 Ländern in Ulm im Einsatz, bis zu 400 sollen es in Friedenszeiten werden. Im Krisenfall würde die Zahl aufgestockt werden. Neben dem bereits existierenden Multinationalen Kommando operative Führung sind mit JSEC jetzt zwei internationale Kommandos in der Wilhelmsburgkaserne angesiedelt.

Für den Standort Ulm hat sich die NATO bewusst entschieden. Das bestehende Kommando hat bereits ähnliche Aufgaben und Funktionen wie das JSEC. Damit waren in Ulm Know-How und teilweise auch Personal bereits vorhanden, um das NATO-Kommando schnell aufzubauen.

Protestierende Menschen mit Fahnen und Plakaten vor dem CCU in Ulm (Foto: SWR, Anita Schlesak)
Menschen protestieren vor dem Ulmer Congress Centrum gegen das neue NATO-Kommando in Ulm. Anita Schlesak

Proteste gegen NATO-Kommando

Zum Auftakt gab es aber auch Proteste. Rund ein Dutzend Demonstranten der Ulmer Ärzteinitiative und der "Initiative gegen das Ulmer Nato-Hauptquartier JSEC" machten mit Lärm und Plakaten Stimmung gegen die Aufrüstung.

"Hier wird die Einsatzzentrale für Einsätze weltweit und das dient sicher nicht dem Frieden", kritisiert Margret Hepp von der Umweltgewerkschaft. Jede Waffe sei eine Waffe zu viel. Das beweise auch der Afghanistaneinsatz. "Das zeigt ganz deutlich, dass man mit Waffen, mit Militär, mit Gewalt überhaupt nichts erreichen kann."

Aufrüstung sei der falsche Weg. "Der richtige Weg wäre Dialog, Völkerverständigung, Abrüstung, Friedensverhandlungen", so der Theologe Rainer Schmid, Hauptorganisator der Initiative gegen das Ulmer Hauptquartier. Die Friedensbewegung kritisierte, dass die Stadt Ulm durch das NATO-Hauptquartier in "Geiselhaft" genommen werde. Im Kriegsfall werde Ulm zu einem vorrangigen Angriffsziel, argumentiert Gisela Glück-Groß, eine der Organisatorinnen der Ulmer Friedenswochen, die bis Ende September stattfinden.