Klimakiller Narkosegas

Klimaschutz im OP: Wie die Uniklinik Ulm Treibhausgase reduziert

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Hannah Schulze
Hannah Schulze (Foto: SWR)

Rund acht Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland entstehen im Gesundheitswesen. Dass man schon bei der Narkose klimaschonender arbeiten kann, zeigt das Uniklinikum Ulm.

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Es fängt bei der Auswahl des Narkosegases vor der Operation an: Es gibt klimafreundlichere Gase, die den Treibhausgasausstoß um ein Vielfaches verringern, sagt Bettina Jungwirth, Ärztliche Direktorin der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Uniklinikum Ulm.

"Man sollte sich das freundlichste aussuchen und die restlichen Gase verbannen. Und das tun wir auch."

Nicht nur die Auswahl des Gases ist ein wichtiger Schritt: Mit einem Aktiv-Kohle-Filter direkt am OP-Tisch können bis zu 97 Prozent des Gases gefiltert werden, bevor es in die Atmosphäre geht. Seit diesem Jahr stattet das Uniklinikum nun nach und nach seine 60 Operations-Plätze mit den Filtern aus.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besucht die Uniklinik Ulm. Die Klinik will Narkosegase reduzieren. (Foto: SWR, Hannah Schulze)
Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hat am Dienstag das Uniklinikum Ulm besucht. Hannah Schulze

Patientensicherheit gewährleistet

Durch die klimafreundlicheren Maßnahmen werde die Narkose jedoch nicht schlechter. Das oberste Ziel sei weiterhin, dass die Narkose sicher ist, sagt Bettina Jungwirth. Da werde man nicht sparen. Man "behandle" nur zusätzlich noch den Klimaschutz.

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Am Montag hat sich davon Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) vor Ort ein Bild gemacht. Im Juni hatte sie alle vier Unikliniken im Land aufgefordert, Narkosegase zu ersetzen und zu filtern.

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"Ich hoffe, dass wir somit rund 35 Prozent der CO2-Emissionen der Unikliniken reduzieren können. Und zwar in kurzer Zeit."

In einem zweiten Schritt wünscht sich die Ministerin auf Bundesebene eine gesetzliche Vorgabe, dass ungefilterte Narkosegase nicht mehr eingesetzt werden dürfen - und zwar an allen 200 Kliniken im Land.

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