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Ärzte aus Kempten und dem Oberallgäu erklären sich in einem offenen Brief mit dem Neu-Ulmer Hausarzt Christian Kröner nach einer Panne bei der Lagerung von Impfstoffen solidarisch.

Die Mediziner schreiben in ihrem Brief an verschiedene Medien, dass der Neu-Ulmer Hausarzt zwar einen Fehler gemacht habe. Allerdings dürfe das nicht seinen bisherigen Einsatz für die Impfkampagne überschatten. Christian Kröner habe sich vorbildlich für Impfungen gegen das Coronavirus eingesetzt, damit möglicherweise Menschen vor schweren Erkrankungen oder sogar dem Tod bewahrt.

Christian Kröner hat sich bei "Markus Lanz" für Corona-Impfungen auch für Kinder ausgesprochen. (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)
Christian Kröner hatte die Panne bei der Kühlung auch von Corona-Impfstoffen selbst öffentlich gemacht (Archivbild) picture alliance/dpa | Stefan Puchner


"Warum wird er jetzt attackiert, obwohl er für das Allgemeinwohl so viel leistet?"

Die von dem Hausarzt durchgeführten und auch bezahlten Antikörpertests deuteten darauf hin, dass die Panne bei der Kühlung der Impfstoffe keine ernsthaften Folgen hat, heißt es in dem Brief weiter. Der Fehler sei von Impfgegnern hochgespielt worden. Kritik äußern die Verfasser an nicht differenzierten Medienberichten und auch daran, dass die Politik sich nicht hinter den Arzt stelle. Unterzeichnet haben den Brief etwa 20 Medizinerinnen und Mediziner aus den verschiedensten Fachrichtungen.

Immer mehr Ergebnisse von Antikörpertest

Unterdessen veröffentlicht der Neu-Ulmer Hausarzt anonymisiert immer mehr Antikörpertestergebnisse. Zugleich ordnert Christian Kröner die Daten ein: So sieht er bei einer vollständigen Impfung mit Biontech kein grundsätzliches Problem, viele der Tests sind positiv, die Impfung hat also angeschlagen.

"Bislang ist kein Hinweis auf ein grundsätzliches Wirksamkeitsproblem mit systematischen Ausfällen bei Biontech (Comirnaty) und AstraZeneca zu erkennen (Stand 27.07.21). Johnson ist noch nicht eindeutig zu beurteilen, zeigt aber vermehrt Ausfälle."

Beim Impfstoff Astrazeneca ergebe ein Antikörpertest erst drei bis fünf Wochen nach der zweiten Impfung Sinn, auch hier zeichne sich kein grundsätzliches Problem ab. Nur der Impfstoff Johnson&Johnson liefere sehr unterschiedliche Ergebnisse von Impfungen, die zum Teil am selben Tag stattfanden. Die Tests und Auswertungen laufen noch weiter.

Entwarnung für Impfungen, die mittwochs stattfanden

Entwarnung gab es von Anfang an überwiegend für Chargen, die mittwochs verimpft wurden. Der Grund ist laut der Bayerischen Landesapothekerkammer, dass mittwochs der Impfstoff geliefert und direkt verspritzt wurde. Betroffen von der falschen Lagerung waren somit die Schutzimpfungen an den Folgetagen. Das Problem ist, dass es noch keine Erfahrungen mit dem Impfstoff gibt, so Franziska Utzinger von der Bayerischen Landesapothekerkammer in einer Einschätzung vor einer Woche.

"Ein Arzneimittel und auch ein Impfstoff zersetzt sich nicht von jetzt auf gleich in seine Bestandteile, so dass er gar nicht mehr wirksam ist."

Falsche Lagerung der Impfstoffe – bislang ein Einzelfall

Nach Angaben des Gesundheitsamtes Neu-Ulm ist der Fall der Hausarztpraxis bislang die erste solche Panne bei der Kühlung von Corona-Impfstoff im Landkreis. Auch das Landratsamt im Alb-Donau-Kreis erklärte, dass ein solcher Fall dort nicht bekannt ist. Im Impfzentrum Ulm beispielsweise ist für die Lagerung und Aufbereitung der Impfstoffe die Apotheke der Universitätsklinik Ulm verantwortlich. Auch hier seien keine vergleichbaren Fälle bekannt, so der Leiter des Ulmer Impfzentrums, Professor Bernd Kühlmuß.

"Ich kann nur für das Impfzentrum Ulm und meine Praxis sprechen: Da kommt so etwas nicht vor. Es kann auch nicht vorkommen, denn es ist Vorschrift, täglich die Temperatur zu notieren."

Kontrollen in Arztpraxen durch die Gesundheitsämter gebe es grundsätzlich nicht. Durch die vorgeschriebene Dokumentation brauche es die im Normalfall auch nicht, so Bernd Kühlmuß: Es mache ihn betroffen, dass eine solche Panne wohl über eine längere Zeit vorkommen kann. Das helfe der Impfkampagne nicht.

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Der Neu-Ulmer Arzt Christian Kröner wurde als "Impfluencer" bekannt, weil er sich für die Impfkampagne einsetzt. Nach seinen Angaben führen die kostenlosen Antikörpertests zu einem finanziellen Schaden zwischen einer viertel und halben Million Euro.

Gültigkeit der Impfpässe nach Panne bei der Impfstofflagerung wird noch geklärt

Für die betroffenen Patienten selbst gebe es jedoch keinen Grund zur Panik, meint Franziska Utzinger, Landesapothekerkammer Bayern. "Machen Sie sich jetzt keine Angst. Der Impfstoff ist jetzt nicht schädlich. Entweder direkt messen lassen oder abwarten, was bei seinen internen Tests rauskommt."

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