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In der konventionellen Landwirtschaft werden Kälber von den Kühen am Tag der Geburt getrennt. Ein Heidenheimer Bauernhof geht anders vor. Der Talhof setzt auf die muttergebundene Kälberzucht.

Das Kälbchen auf dem Talhof am Rande von Heidenheim hat noch keinen Namen. In seiner Freilaufbucht auf dem Demeterhof bekommt es regelmäßig Besuch, und zwar von Mama Dolly. Ein paar Wochen ist das Kalb alt. Anfangs wurde es nur von der Mutter gestillt, dann immer öfter von einer Amme. Das ist eine Kuh, deren Milch nur für die Kälber da ist.

Mutterkuh und Kalb auf einem Hof in Heidenheim (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Das Kälbchen trinkt Milch von Mutterkuh Dolly Isabella Hafner

Auf dem Talhof mit seinen 27 Milchkühen verbringen Mutter und Kind nach der Geburt eine Woche gemeinsam in der mit Heu ausgestreuten Abkalbe-Box. Der Bulle ist in der Nähe, erklärt Bäuerin Martina Spiegel. Die Geburt seines Nachwuchses dürfte er jedes Mal mitbekommen, aber dabei sein könne er nicht.

Landwirt: Kälber sind widerstandsfähiger und vitaler

Der Talhof ist mit seiner sogenannten mutter- und ammengebundenen Aufzucht eine Ausnahme in der Region. Besonders viele Höfe verfolgen das Konzept in der Bodensee-Gegend. Bauer Rüdiger Spiegel sieht die Vorteile: Die Kälber seien widerstandsfähiger und lebendiger als bei konventioneller Aufzucht.

"Die Kälber sind viel vitaler, weil die immer bei der Mutter direkt die Milch aus dem Euter trinken können. Die bekommen dann auch die Abwehrstoffe. Wir haben selten Probleme mit Durchfall. Und die Kälber kommen aus eigener Kraft darüber hinweg."

Rüdiger Spiegel, Landwirt Talhof

Doch auch auf dem Talhof geht es nicht ohne Trennungsschmerz. Nach drei Monaten wird abgestillt und die Kälber müssen ohne Mama oder Amme klar kommen, bekommen Heu und Schrot. Das sei ein Nachteil, weil man den Trennungsschmerz dann wirklich mitbekomme.

Verzicht auf 1.000 Liter Milch

Trotz dieses Trennungsschmerzes und der Tatsache, dass die Landwirte auf etwa 1.000 Liter Muttermilch verzichtet haben, die sie zum Beispiel zu Käse machen hätten können, finden die Spiegels ihre Methode tierlieber.

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