Das Geld, mit dem das Museum Ulm energetisch saniert werden sollte, galt als sicher. (Archiv) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

Nachrichtenportal bricht Sperrfrist

Museum Ulm muss wegen Panne auf Millionen verzichten

Stand
AUTOR/IN
Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Das Museum Ulm bekommt überraschend doch keine 2,2 Millionen Euro vom Bund. Das Geld galt als sicher, das Gebäude sollte energetisch saniert werden. Dann passierte eine Panne.

Eigentlich wollte der Haushaltsausschuss des Bundestags am Mittwoch beschließen, dass das Museum Ulm stolze 2,2 Millionen Euro bekommt - aus dem Programm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur". Mit dem Geld sollte das Gebäude im kommenden Jahr energetisch saniert werden. Der Zuschuss galt als sicher. Jetzt geht das Museum leer aus.

Video herunterladen (6,1 MB | MP4)

Nachricht über Förderung schon vor offiziellem Beschluss verschickt

Der Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Ulm, Marcel Emmerich, hatte dazu um 12:10 Uhr an mehrere Medien eine Pressemitteilung vorab verschickt - auch an das SWR Studio Ulm. Die Mitteilung war mit einer Sperrfrist (15 Uhr) versehen. Das bedeutet, dass die Medien eine Nachricht nicht vor Ablauf dieser Frist veröffentlichen sollen. Rechtlich bindend ist so eine Sperrfrist allerdings nicht. Das Verschicken von Informationen mit Sperrfrist hilft Medien dabei, ihre Nachrichten vorzubereiten.

Das Ulmer Nachrichtenportal "ulm-news" hatte die Mitteilung allerdings bereits vor 15 Uhr ins Internet gestellt. Versehentlich, wie Redaktionsleiter Ralf Grimminger dem SWR sagte: "Die Sperrfrist hat Herr Emmerich korrekt vermerkt. Ich habe das einfach zu schnell runtergescrollt, zu schnell gelesen und zu schnell verarbeitet."

"Wie fühlt man sich, wenn man der Mann ist, der in Ulm zwei Millionen versenkt hat? Nicht gut."

"Ein Debakel", so Marcel Emmerich. Denn wegen der Veröffentlichung vor dem offiziellen Beschluss strich der Ausschuss kurzerhand die Förderung des Museums Ulm von seiner Liste. Dieses Vorgehen ist offenbar in solchen Fällen üblich.

Ralf Grimminger hatte den Artikel auf Drängen Emmerichs zwar kurz nach der Veröffentlichung wieder aus dem Netz genommen, doch da war es offenbar schon zu spät. Auch über die Suche bei Google war er am Mittwochabend noch auffindbar, der Link läuft allerdings ins Leere. Seine Stimmung ist einen Tag später denkbar schlecht, sagt Grimminger: "Wie fühlt man sich, wenn man der Mann ist, der in Ulm zwei Millionen versenkt hat? Nicht gut, ich habe heute nicht gut geschlafen." Auch Marcel Emmerich habe nicht gut geschlafen, sagte er dem SWR. "Für mich ist die Konsequenz, dass ich das Ulmer Museum umso mehr unterstützen werde."

Zweite Förderrunde als Chance

Wie das städtische Museum die eingeplanten 2,2 Millionen Euro aufbringen will, blieb zunächst unklar. Stefanie Dathe, Direktorin des Ulmer Museums, ist frustriert. "Es ist deswegen auch ärgerlich, weil wir unverschuldet die Leidtragenden sind", sagte sie. Laut Emmerich gibt es aber in Kürze eine zweite Förderrunde. Er wolle sich dafür einsetzen, dass das Museum aus diesem Topf Fördergelder schließlich bekommt.

Mehr zum Museum Ulm und anderen Museen

Ulm

Protest an der falschen Stelle Museen von Ulm bis Aalen haben kein Verständnis für die Aktionen der Klimaaktivisten

Kartoffelbrei auf einem Gemälde von Claude Monet in Potsdam. Solche Attacken von Klimaschützern stoßen den Museen in der Region sauer auf.

SWR4 BW am Nachmittag SWR4 Baden-Württemberg

Ulm

Neun Silbermünzen und eine Berblinger-Plastik Beutekunst: Museum Ulm bekommt Berblinger-Statue aus den USA

Die US-Initiative "Monuments Men and Women Foundation" recherchiert seit zehn Jahren, um ursprüngliche Besitzer von Kunstwerken zu finden. Auch das Museum Ulm profitiert davon.