Schwammstadt (Foto: SWR)

Intelligente Lösungen zur Regulierung der Hitze

"Schwammstadt" Neu-Ulm: Wie die Stadt mit Wassermanagement gegen den Klimawandel vorgeht

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AUTOR/IN
Jürgen Klotz

Der Klimawandel wird langsam spürbar. Dabei spielt auch der Umgang mit Regenwasser eine Rolle. Schwammstadt ist das Schlagwort für die Zukunft.

Noch sieht das neue Wohngebiet "Wohnen am Illerpark" im Süden der Stadt Neu-Ulm nicht wie ein Wohngebiet aus. Auf dem 10 Hektar großen Gelände stehen Bagger. Die Fläche wird erschlossen, die Bebauung mit Wohnhäusern hat noch nicht begonnen. Angelegt werden derzeit bereits kleine Kanäle und Mulden, über die in Zukunft das Regenwasser versickern soll. Jochen Meissner, Leiter des Tiefbauamtes leitet das Projekt. Er ist von der Idee einer Schwammstadt überzeugt: "Wir wollen Regenwasser ganzheitlich in dem Gebiet belassen. Auch ein einzelnes Baumquartier kann als Schwamm fungieren."

Schwammstadt (Foto: SWR)
In solchen Mulden soll Regenwasser versickern.

Hitzeinseln durch Verdunstung vermeiden

Regenwasser vor Ort versickern zu lassen, bringt mehrere Vorteile: Hochwasserspitzen können abgeschwächt werden, wenn bei Starkregen das Wasser nicht in die Kanalisation gelangt. Verdunstung von versickertem Wasser sorgt dafür, dass sich Stadtquartiere nicht so stark aufheizen und ein angenehmeres Mikroklima entstehen kann. Letztlich wird verhindert, dass Regenwasser in die Kanalisation abfließt und sich dort mit Abwasser vermischt. Dieses muss aufwendig gereinigt werden, ehe es in die Donau geleitet werden kann.

"Wir wollen Regenwasser ganzheitlich in dem Gebiet belassen. Auch ein einzelnes Baumquartier kann als Schwamm fungieren."

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Neubaugebiete für Schwammstadt-Idee geeignet

Die Idee der Schwammstadt, die Regenwasser aufnimmt, ist vor allem für Neubaugebiete geeignet. Im Neu-Ulmer Stadtteil Gerlenhofen ist ein solches Projekt entstanden. Regenwasser, das dort fällt, gelangt über eine mitten auf der Straße verlaufende Rinne in einen kleinen Kanal. Über diesen fließt das Wasser auf eine Wiese, in der es versickert. Für die Wiese wurde Bauland geopfert. Regenwasserbewirtschaftung kostet Geld, sagt Jochen Meissner. Doch teuer wäre es auch, das Kanalnetz auszubauen, Wasser über große Rohrdurchmesser abzuleiten, teilweise über aufwendige Pumpensysteme.

Neben der überirdischen Regenwasserbewirtschaftung gibt es im Gerlenhofener Neubaugebiet noch den herkömmlichen Kanal, über den das Abwasser aus den Häusern fließt.

Schwammstadt (Foto: SWR)
Zwei getrennte Systeme in Neu-Ulm-Gerlenhofen: Abwasserkanal unter dem Gullydeckel, Regenwasserabfluss über die oberirdische Rinne.

Preisgekröntes Projekt

Das Wohngebiet "Wohnen am Illerpark" ist mit einem Abwasser-Innovationspreis ausgezeichnet worden. Die Stadt Neu-Ulm hatte sich 2020 für den Wettbewerb beworben. Rund 1,5 Millionen Euro kostet das Regenbewirtschaftungsprojekt, rund die Hälfte will jetzt der Freistaat Bayern übernehmen. Eine schnelle Maßnahme gegen den Klimawandel ist das Projekt allerdings nicht. Die bauliche Umsetzung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

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