STAND

Die Coronakrise macht es Arbeitnehmern nicht leicht. Viele rutschen in die Kurzarbeit, Solo-Selbstständige kämpfen ums Überleben. Leidtragende sind vor allem auch Mini-Jobber aus Gastronomie und Veranstaltungsbranche.

Leonie Neubauer verdient sich neben ihrer Ausbildung eigentlich als Hostess oder Promoterin bei Veranstaltungen was dazu. Seit März ist ihr Nebeneinkommen aber komplett eingebrochen. Dabei ist die 25-Jährige aus Langenau (Alb-Donau-Kreis) auf das Geld angewiesen. Zurzeit wird sie von ihrer Familie unterstützt. Eine Job-Alternative hat sie nicht. Mini-Jobs während der Coronakrise sind rar. "Warten bis es irgendwann ein Ende hat", ist ihr Resümee.

Mini-Jobber als Verlierer der Coronakrise - vor allem aus der Gastronomie (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa)
Mini-Jobber als Verlierer der Coronakrise - vor allem aus der Gastronomie Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Neubauer ist nur eine von vielen. Mini-Jobber sind oft Verlierer der Coronakrise. Restaurants, Cafés, Kneipen sind zu, Veranstaltungen fallen aus oder wandern ins Internet. Kellner und Hostess-Jobs sind nahezu nicht mehr existent.

Ulmer Service-Personal-Dienstleister bricht Umsatz massiv ein

Darunter leidet auch der Ulmer Veranstaltungs-Dienstleister Cross Promotion Network (CPN). 2020 brach der Umsatz nach eigenen Angaben um 70 Prozent ein. Auch die Zahl der Mini-Jobber im Service-Personal halbierte sich: von 105 auf 54 .

Video herunterladen (963 kB | MP4)

Im Frühjahr sei CPN kalt erwischt worden. Über Nacht seien ihnen fast alle Veranstaltungen weggebrochen: zum Leid der gesamten Angestellten und vor allem der Mini-Jobber. Keine Veranstaltungen bedeutet auch gleichzeitig keine Aufträge für die 450-Euro-Kräfte - eine Weiterbeschäftigung ist oft nicht möglich. "So gern ich es würde, ich kann es nicht tun", sagt Geschäftsführerin Nadine Vogelmann.

Neue Aufträge für Sicherheitsfirma

Ein paar Mini-Jobber aus dem Veranstaltungsbereich könnten zumindest bei der Schwesterfirma Sicherheit & Service GmbH (SHS) unterkommen. Zwar macht auch bei SHS 40 Prozent der Umsätze die Veranstaltungen aus, sagt Geschäftsführer Mario Messner. Aber aufgrund der Krise kommen auch neue Auftraggeber hinzu.

Aktuell übernimmt SHS etwa Besucherkontrollen in Kliniken und Supermärkten. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt Messner.

Kontrolleur statt Hostess

Lisa Behrendt ist eine der Mitarbeiterinnen, die statt bei CPN zurzeit bei der Schwesterfirma SHS arbeitet. Aktuell kontrolliert die Studentin an den Wochenenden Besucher in der Ulmer Uniklinik. Als "Mittel zum Zweck" bezeichnet sie den Job. Die 23-Jährige brennt für die Veranstaltungsbranche. Flexibler, spannender und sozialer sei es bei Events. Doch darauf wird sie wohl noch weiter verzichten müssen.

Chefin Vogelmann ist nämlich nicht so optimistisch. Sie rechnet noch mit einer längeren Eventpause und geht davon aus, dass Veranstaltungen auch im kommenden Jahr in reduzierter Weise stattfinden. "Wir werden bei weitem nicht bei dem Alltag sein, der vor einem Jahr war."

Mehr zum Thema

Das Coronavirus und die Folgen für die Region Ulm und Ostwürttemberg Live-Blog zum Coronavirus: Zwei Corona-Fälle beim FC Heidenheim

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Alltag rund um Ulm, Neu-Ulm, Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd? In unserem Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen zusammen.    mehr...

Viele Lehrstellen noch unbesetzt Folge von Corona-Pandemie: Handwerkskammer Ulm meldet weniger Auszubildende

Im Bereich der Handwerkskammer Ulm sind zum ersten Mal seit Jahren weniger Lehrverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr. Grund sei die Corona-Pandemie, teilte die Kammer nun mit.  mehr...

STAND
AUTOR/IN