Spätfolgen "extrem seltene Rarität"

Stiko-Chef Mertens weist Corona-Impfbedenken von Fußball-Profi Kimmich zurück

STAND
AUTOR/IN

Stiko-Chef Thomas Mertens hat die Bedenken von Fußball-Nationalspieler Kimmich zurückgewiesen. Spätfolgen nach einer Corona-Impfung kommen demnach nicht vor oder sind extrem selten.

Bayern-Profi und Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich, der aus Rottweil (Kreis Rottweil) stammt, hatte am Samstag bei einem Interview gesagt, dass er bisher noch nicht geimpft sei. Er erklärte, er sei kein Corona-Leugner oder Impfgegner, habe sich aber wegen fehlender Langzeitstudien bei den Corona-Impfstoffen gegen eine Impfung entschieden.

"Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe."

Die Bedenken des Nationalspielers wären eigentlich unerheblich, "wenn es nicht Herr Kimmich wäre, der sich geäußert hat", sagte Thomas Mertens, Professor für Virologie aus Ulm und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), dem SWR. Denn der Profi-Fußballer stehe im Rampenlicht, sei sogar Vorbild für viele. Aus wissenschaftlicher Sicht kann Mertens die Bedenken, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, jedoch nicht nachvollziehen.

Stiko-Chef Professor Thomas Mertens (links) und Nationalspieler Joshua Kimmich (Collage SWR) (Foto: dpa Bildfunk, SWR, Michael Kappeler/Sven Hoppe)
Mit seinen Bedenken gegen die Corona-Impfung steht Kimmich (rechts) nicht alleine, sagt der Ulmer Virologe Mertens (links). Michael Kappeler/Sven Hoppe

Natürlich könne es noch keine Berichte über eine Langzeitanwendung bei diesen neuen Impfstoffen geben. Aber die bisherige Impfkampagne spreche eine eindeutige Sprache. "Mittlerweile sind mit diesen Impfstoffen ungefähr sieben Milliarden Menschen geimpft worden", sagte Mertens. Anzeichen für Spätfolgen gebe es nicht. Es sei nichts derartiges beobachtet worden, auch von Seiten der Wissenschaft gebe es hierfür keine Annahme.

Wie die Bedenken vor der Corona-Impfung entstehen

Bei der Vielzahl von Impfungen sind nur in sehr seltenen Fällen Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen und Thrombosen entdeckt worden. Die Bedenken Kimmichs und auch anderer Menschen seien irrational und aus dem Bauch heraus entstanden. "Das ist ein völlig hypothetisches Risiko", sagte Mertens. Es sei weiterhin wichtig, Impfskeptiker oder - gegner von einer Impfung zu überzeugen.

Video herunterladen (3,1 MB | MP4)

Mertens: Impf-Spätfolgen sind "extrem seltene Rarität"

Es sei klar, dass es bei einem Impfstoff, der seit knapp über einem Jahr angewendet wird, keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien gebe. Das gelte aber nicht nur für jeden anderen neuen Impfstoff, sondern auch für jedes neue Medikament.

"Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurz nach der Impfung aufgetreten sind", sagte der Stiko-Chef. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien.

Rheinland-Pfalz

Impfmüdigkeit und Herdenimmunität Was ist dran an den Bedenken gegen eine Corona-Impfung?

Corona-Impfung ja oder nein? Rund 14 Prozent der Bevölkerung lehnt eine Impfung ab, steht ihr zögerlich oder unsicher gegenüber. Was sind die Bedenken und sind sie berechtigt?  mehr...

Mehr zum Thema:

Baden-Württemberg

Diskussion über Vorbildfunktion des Fußball-Profis Kretschmann: Kimmich sollte schnell über Corona-Impfung nachdenken

BW-Ministerpräsident Kretschmann rät dem impfskeptischen Fußballprofi Kimmich, der Wissenschaft zu vertrauen. Der Nationalspieler habe eine Vorbildfunktion - ob er wolle oder nicht.  mehr...

"Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden" Das sagen Christian Streich und Bo Svensson zur Kimmich-Debatte

Nationalspieler Joshua Kimmich vom FC Bayern München räumte nach dem 4:0 gegen die TSG Hoffenheim ein, bislang keine Impfung gegen Corona zu haben. Das sorgt für heftige Debatten - auch Freiburgs Trainer Christian Streich und Mainz-Coach Bo Svensson äußerten sich.  mehr...

Corona-Pandemie So meldet man Nebenwirkungen nach einer Covid-19 Impfung

Wer Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Impfung bemerkt, sollte diese auf jeden Fall melden. Ob Online oder per Telefon - es gibt mittlerweile verschiedene Wege, wie das gehen kann. Erstmals in Deutschland wird auch eine App, SafeVac, eingesetzt, um den Zustand der Patienten zu erfragen.  mehr...

Ulm, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim, Aalen, Neu-Ulm

Das Coronavirus und die Folgen für die Region Ulm und Ostwürttemberg Live-Blog zum Coronavirus: Das sind die aktuellen 7-Tage-Inzidenzwerte in der Region

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Alltag rund um Ulm, Neu-Ulm, Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd? In unserem Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen zusammen.    mehr...