Demokratie in der Pandemie

Menschenkette in Ulm und Neu-Ulm: "Ja zu Solidarität - nein zu Hetze!"

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Für einen respektvollen Umgang miteinander während der Corona-Pandemie haben am Samstag laut Polizei und städtischem Ordnungsamt über 3.500 Menschen in Ulm demonstriert. Sie zogen in einer Menschenkette vom Münsterplatz nach Neu-Ulm.

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Nach der Kundgebung schließt sich die Menschenkette. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fassen sich nicht an den Händen, das würde gegen die Abstandsregeln verstoßen. Die Organisatoren hatten im Vorfeld darum gebeten, Schals mitzubringen. So ziehen sie nun sie nun hintereinander Richtung Donau und halten sich an den Schals fest.

Der schweigenden Mehrheit eine Stimme geben

Um der schweigenden Mehrheit eine Stimme zu geben, sei er hier, sagt ein Teilnehmer. "Die Straße nicht denen zu überlassen, die meinen, sie können uns alle durch "Spaziergänge" auf den Arm nehmen. Aus Solidarität mit der Allgemeinheit, die sich impfen lässt, um die Pandemie zu bekämpfen, ergänzt ein anderer. "Um Flagge zu zeigen, dass wir doch die Mehrheit sind." Eine Teilnehmerin stellt klar: "Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich gegen eine Krankheit impfen lassen kann, dass ich mich dann auch impfen lasse." Und fügt hinzu, sie sei noch die Generation, die noch erlebt habe, wie die Ungeimpften Kinderlähmung bekommen haben. Und die schrecklichen Auswirkungen, die das hatte.

Sorge um Unfrieden und Misstrauen in der Stadt

Blick vom Stadthaus auf den Münsterplatz in Ulm: Zur Kundgebung gegen Hetze auf dem Ulmer Münsterplatz versammelten sich laut Polizei am Samstag mehr als 3.000 Menschen (Foto: SWR, Kristina Priebe)
Zur Kundgebung gegen Hetze auf dem Ulmer Münsterplatz versammelten sich laut Polizei am Samstag mehr als 3.000 Menschen Kristina Priebe

Die Veranstaltung hatte bereits um 16 Uhr mit einer Kundgebung begonnen. Auf dem Podium: Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen, Ulmer Stadtpolitik und der Gewerkschaft ver.di. Der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Kandidat für die Wahl des württembergischen Landesbischofs, treibt die Sorge um, dass die Demokratie in der Pandemie schlechtgeredet wird. Gohl appelliert an die Solidarität der Ulmerinnen und Ulmer, die seit dem Bau des Münsters gute Tradition habe. Ulms Ehrenbürger und ehemaliger Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) befürchtet, Unfrieden und Misstrauen in der Ulmer Stadtgesellschaft könnten zunehmen.

Hetzern und unverbesserlichen Corona-Leugnern, die konsequent das Maske-Tragen verweigern, schreibt er ins Stammbuch: "Wer respekt-, takt- und verantwortungslos ist und letztendlich pure egoistische Verhaltensweisen zeigt, der wird eben nicht von der Mehrheit der Bevölkerung geschützt, sondern als das bezeichnet, was er in Wahrheit ist: ein rücksichtsloser Mensch!"

Die von einem Ulmer Bündnis organisierte Menschenkette reichte am Samstag über die Herdbrücke bis nach Neu-Ulm. (Foto: SWR, Kristina Priebe)
Die von einem Ulmer Bündnis organisierte Menschenkette reichte am Samstag über die Herdbrücke bis nach Neu-Ulm. Kristina Priebe

Wir sind viele. Ja zu Solidarität - nein zu Hetze

Ein breitgefächertes Bündnis der Ulmer Stadtgesellschaft hatte unter dem Motto "Wir sind viele. Ja zu Solidarität - nein zu Hetze" zu der Kundgebung und der Menschenkette aufgerufen: Neben Kirchen und Gewerkschaften unter anderem auch Landtagsabgeordnete, Volkshochschule, und auch der Präsident der Universität gehört zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs.

Sie wollen ein Zeichen setzen – nicht gegen die sogenannten "Spaziergänger" im Allgemeinen, sondern gegen diejenigen, die die Pandemie nutzen, um Deutschland mit einer Diktatur zu vergleichen. Wer einen solchen Vergleich zieht, so mehrere Redner auf dem Münsterplatz, hat noch keine echte Diktatur kennen gelernt.

Mit Schals und Tüchern verbunden bildete sich am Samstag in Ulm eine Menschenkette für Solidarität un gegen Hetze (Foto: SWR, Frank Polifke)
Die Menschenkette begann auf dem Ulmer Münsterplatz und zog sich über die Herdbrücke bis zum Neu-Ulmer Rathaus Frank Polifke

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