Schätzungsweise jeder zehnte Ulmer armutsgefährdet

Auch wegen Corona: Mehr Menschen in Ulm droht Armut

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Steigende Energiepreise bei gleichem niedrigem Einkommen oder Hartz IV. Die Corona-Krise trifft Menschen mit erhöhtem Armutsrisiko hart. Das zeigt sich auch am Arbeitsmarkt.

Die Corona-Pandemie hat die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht. Die Organisation Oxfam fordert ein Gegensteuern der Regierungen weltweit. Auch rund um Ulm sind die Tendenzen klar: Mehr Menschen haben weniger Geld zum Leben als vor der Corona-Krise. Hilfsorganisationen und Sozialverbände sind alarmiert.

Petra Frey, die Geschäftsführerin vom Diakonieverband Ulm/Alb-Donau, ist besorgt. Die Anfragen für eine Schuldnerberatung bei der Diakonie Ulm seien 2021 um etwa 17 Prozent gestiegen. Vor allem Mittelständler müssten vermehrt Privatinsolvenz anmelden, so Frey weiter. Armut anhand konkreter Zahlen sei erst dann greifbar, wenn weitere Monate vergingen.

Der finanzielle Druck gerade auf ärmere Menschen steige wegen der erhöhten Energiepreise zusehends, sagt auch die stellvertretende Geschäftsführerin der Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Alb-Donau-Kreis, Claudia Steinhauer. Sie ist mit ihrem Team unter anderem für sechs Tafelläden verantwortlich und sorgt dafür, dass Lebensmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs zu niedrigen Preisen zu haben sind. Noch, so Steinhauer, sei das gestiegene Armutsrisiko nicht an Zahlen ablesbar. Sie schätzt, dass jeder zehnte Ulmer armutsbedroht ist.

Dennoch: Gerade Menschen mit geringen Einkommen, wie zum Beispiel Hartz-IV-Empfänger, müssten mit dem Budget höhere Mieten, gestiegene Strompreise und die Inflation stemmen.

Tafelausgabe an Bedürftigte (Foto: dpa Bildfunk, Stefan Schaubitzer)
Stefan Schaubitzer

"Wenn die Preise für Strom und Wasser steigen, bleibt Menschen mit niedrigem Einkommen immer weniger Geld für Lebensmittel."

Die Corona-Pandemie habe den Alltag für die Tafelläden verändert. "Die Tafel in Ulm" reagierte mit längeren Öffnungszeiten und erlaubte, ähnlich wie in anderen Läden, weniger Menschen in den Verkaufsräumen. Dies habe längere Wartezeiten für die Tafel-Kunden zur Folge gehabt. Die Zahl der Menschen, die in einem DRK-Laden einkaufen, ist in der Pandemie gesunken.

"Die Hemmschwelle in einen Tafelladen ist für die Menschen sehr groß."

Vor Corona sind laut Steinhauer bis zu 200 Frauen und Männer gekommen. Aktuell seien es noch etwa 140. Den Menschen dauere es zu lange, weshalb sie für ihren Einkauf in einen "normalen Supermarkt" gingen. Trotz einer offiziellen Berechtigung nehmen die Menschen mit wenig Geld lange die Angebote der Tafel nicht war. Gründe sind Steinhauer zufolge Scham, Ehrgefühl und Angst.

Hilfe in der Ulmer Vesperkirche

In Ulm soll, wie schon 2021, bis 13. Februar 2022 die Vespertütenaktion helfen. Dabei werden an jeweils vier Tagen Vespertüten an Bedürftige ausgegeben, verbunden mit "Mut-Worten" als Beilage und dem Angebot eines Seelsorgetelefons.

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