Warnsystem für Großveranstaltungen

Ulmer Forschende wollen Vorzeichen von Massenpanik erkennen

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An der Universität Ulm entwickeln Forschende ein Vorwarnsystem, das eine Massenpanik verhindern soll. Dabei werden gefährliche Bewegungen in dichten Ansammlungen untersucht.

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An dem Forschungsprojekt "CrowdDNA" sind Forschende aus Frankreich, Deutschland, Spanien und dem Vereinigten Königreich beteiligt. Sie arbeiten laut Mitteilung der Universität Ulm an einem sogenannten Crowd-Management-Instrument. Dieses Instrument basiert auf Künstlicher Intelligenz und soll gefährliche Bewegungen in sehr dichten Menschenansammlungen in einem sehr frühen Stadium erkennen können.

Ein Proband beim Stoßexperiment am Forschungszentrum Jülich.  (Foto: Prof. Marc Ernst/Universität Ulm)
Solche Stoßexperimente sollen in Kürze auch an der Uni Ulm durchgeführt werden. Prof. Marc Ernst/Universität Ulm

Nach Angaben der Universität Ulm sterben jedes Jahr weltweit unzählige Menschen bei sportlichen, kulturellen und religiösen Großveranstaltungen. Das Instrument könne solche Massen-Events sicherer machen.

Es gebe leider keine einheitlichen Schwellenwerte, die festlegen, ab welcher Menschendichte mit Panik zu rechnen sei. "Das ist nicht nur von kulturellen Kontexten, sondern auch von sozialen Faktoren und örtlichen Gegebenheiten abhängig", erläutert der Leiter der Abteilung für Angewandte Kognitionspsychologie, Marc Ernst. Er koordiniert ein Teilprojekt von "CrowdDNA".

Mit sogenannten Stolperexperimenten wird untersucht, wie Menschen in dichten Gruppen reagieren. (Foto: Prof. Marc Ernst/Universität Ulm)
Mit sogenannten Stolperexperimenten wird untersucht, wie Menschen in dichten Gruppen reagieren. Prof. Marc Ernst/Universität Ulm

Um herauszufinden, wann die physischen Kontakte zwischen Menschen ein kritisches Maß übersteigen, kombinieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler biomechanische und verhaltenswissenschaftliche Ansätze. Dafür führen sie "Schubs- und Stolperstudien" durch. So wird zum Beispiel untersucht, welche Kräfte Menschen dazu bringen, das Gleichgewicht zu verlieren. Außerdem schauen Forschende, wie Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer auf Schubsen reagieren.

"Wir suchen nicht nach der Nadel im Heuhaufen, sondern wir betrachten sozusagen den Heuhaufen dabei, wie er sich verändert, wenn die Nadel hineinfällt."

Am israelischen Berg Meron führte eine Massenpanik Ende April zu 45 Toten. Die Ulmer Forscher gehen deshalb nicht von ebenem Gelände aus, sondern auch von Laufhindernissen. Mit dieser Laufplattform können sie auch Anstiege oder unebenes Gelände simulieren.

"Ich kann zum Beispiel plötzlich den Boden absenken oder mich plötzlich zur Seite bewegen, und damit mich aus der Balance bringen. Absichtlich. Und das ist eines der Ziele, die wir hier mit der Plattform haben, dass wir Störungen einbauen und dann drauf schauen, wie der Mensch darauf reagiert, wenn die erwartbar sind und wenn die nicht erwartbar sind."

Diese Datengrundlage sowie Computer-Simulationsmodelle sollen zur Entwicklung eines Software-Tools zur Analyse von Massenbewegung führen. Das Instrument könnte dann relevante Risikofaktoren bestimmen. Die EU fördert das Forschungsprogramm für dreieinhalb Jahre mit drei Millionen Euro. Das Projekt wird vom französischen Institut National De Recherche en Informatique et en Automatique geleitet.

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