Neurochirurg war zu Hilfsprojekt nach Afrika unterwegs

Flugzeug hebt ab, Rollstuhl am Boden: Ulmer Arzt erlebt Albtraum

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Verena Hussong
Verena Hussong (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)
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Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Ein Flug nach Afrika ist für einen Arzt im Rollstuhl aus Ulm zum Albtraum geworden. Denn die Lufthansa nahm zwar ihn als Passagier mit, ließ aber seinen Rollstuhl zurück.

"Der Moment, als mir die Stewardess gesagt hat, der Rollstuhl ist nicht an Bord, war es eigentlich blankes Entsetzen", erinnert sich Thomas Kapapa. "Ich wusste eigentlich gar nicht, was ich sagen sollte."

Kapapa ist Neurochirurg am Universitätsklinikum Ulm. Er operiert Menschen am Gehirn und an der Wirbelsäule. Seine Familie stammt aus Malawi, dort hat er ein Hilfsprojekt aufgebaut. Dorthin wollte er nun fliegen - mit dabei: Intensivpflegerinnen der Universitätsklinik Ulm.

Die Lufthansa hat den Rollstuhl eines Ulmer Arztes zurückgelassen, ohne dem Arzt Bescheid zu geben (Foto: SWR)
Thomas Kapapa und sein Reisebüro hatten die Spezialräder am Rollstuhl nicht extra angemeldet.

Akkus an den Rollstuhlrädern waren das Problem

Beim Check-in gab es laut Kapapa keine Anmerkungen zu den Akkus an den Rollstuhlrädern. Im Flugzeug, vor dem Abflug, wurde klar: Die Crew hat Sicherheitsbedenken.

Die Lufthansa will kein Interview vor der Kamera geben, sie äußert sich schriftlich: "Es besteht die Gefahr, dass Batterien sich entzünden können, daher müssen sie bei einem Transport im Frachtraum speziell gesichert oder in der Kabine befördert werden."

"Wenn der Rollstuhl nicht mitfliegen kann, möchte ich das Flugzeug verlassen."

Thomas Kapapa und sein Reisebüro hatten die Spezialräder am Rollstuhl nicht extra angemeldet. Ein Fehler, sagt der Arzt. Er habe die Sicherheitsbedenken der Crew verstanden und deshalb vorgeschlagen, die Räder mit den Akkus abzunehmen und im Flugmodus in der Kabine zu transportieren. Dann, so erzählt Thomas Kapapa, habe er zu einer Flugbegleiterin und auch zum Piloten noch gesagt: "Wenn der Rollstuhl nicht mitfliegen kann, möchte ich das Flugzeug verlassen."

Die Lufthansa hat den Rollstuhl eines Ulmer Arztes zurückgelassen, obwohl er das Flugzeug verlassen wollte, wenn sein Rollstuhl nicht mitgenommen wird  (Foto: SWR)
Beim Check-in gab es laut Kapapa keine Anmerkungen zu den Akkus an den Rollstuhlrädern. Im Flugzeug, vor dem Abflug, wurde klar: Die Crew hat Sicherheitsbedenken.

Das bestätigt eine mitreisende Kollegin vom Universitätsklinikum Ulm. Sie teilt dem SWR mit: "Professor Kapapa wies daraufhin, dass er das Flugzeug wieder verlassen möchte, wenn sein Rollstuhl nicht mit im Frachtraum ist."

Die Lufthansa schreibt: "Aufgrund der unklaren Situation hat der verantwortliche Pilot des Fluges entschieden, den Rollstuhl aus Sicherheitsgründen nicht zu befördern. Sowohl der Pilot als auch weitere Crew Mitglieder haben nicht wahrgenommen, dass Prof. Dr. Kapapa ohne Mitnahme seines Rollstuhls vom Flug zurücktreten wollte."

Die Lufthansa hat den Rollstuhl eines Ulmer Arztes zurückgelassen, ohne dem Arzt Bescheid zu geben (Foto: SWR)
In Malawi leiht nach der Ankunft der Flughafen in Blantyre einen alten Rollstuhl. Der ist allerdings zu schwer, als dass er ihn selbst bewegen kann.

Vier Tage, bis Rollstuhl nachgeliefert wird

In Malawi leiht nach der Ankunft der Flughafen in Blantyre einen alten Rollstuhl. Der ist allerdings zu schwer, als dass er ihn selbst bewegen kann. Der Arzt muss geschoben werden - zur Toilette, zum Essen. Er bleibt vier Tage lang auf seinem Hotelzimmer. Geplante Operationen müssen verschoben werden. Nach vier Tagen kommt schließlich sein eigener Rollstuhl in Malawi an.

"Die Lufthansa soll verstehen, dass es einen Unterschied zwischen einem Koffer und einem Rollstuhl gibt."

Was ihm als Rollstuhlfahrer geschehen ist, soll niemand mehr erleben. Dafür will der Neurochirurg jetzt auch mit juristischen Mitteln kämpfen: "Mir geht es darum, dass die Lufthansa eine Wahrnehmung dafür kriegt. Die Lufthansa soll verstehen, dass es einen Unterschied zwischen einem Koffer und einem Rollstuhl gibt."

Immer wieder haben Passagiere Probleme mit Rollstühlen beim Fliegen, das bestätigte der Sozialverband VdK Deutschland dem SWR. Der Verband fordert deswegen mehr Schulungen für Mitarbeitende, um in Fällen wie diesen individuelle Lösungen zu finden, so ein Sprecher.

Thomas Kapapa und sein Team wollen dennoch weiterhin Menschen in Malawi unterstützen. Trotz der schlechten Erfahrungen auf der letzten Reise: sie planen schon den nächsten Flug nach Afrika.

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