Long-Covid (Foto: Imago, Imago / Westend61)

Forschungen an der Klinik für Innere Medizin

Uniklinik Ulm: Rund 20 Prozent der Corona-Patienten leiden an Long-Covid

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Ein Forschungsprojekt an der Uniklinik Ulm befasst sich mit den Langzeitfolgen von Corona. Denn vielen Patienten, die eigentlich genesen sind, geht es auch Wochen und Monate nach der Erkrankung nicht gut.

Oberarzt Dr. Dominik Buckert aus der Klinik für Innere Medizin betreut dieses Projekt. Im Interview klärt er, ob die Schäden oft irreparabel sind.

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SWR: Herr Buckert, bei wie vielen Patienten hinterlässt Corona denn bleibende Schäden?

Dominik Buckert: Das ist gar nicht einfach zu beantworten. Fast alle, die sich im Moment wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen, haben Patienten gezielt angesprochen, die Symptome haben. So haben wir das auch gemacht. Da liegt die Quote so ungefähr bei 20 Prozent, bei denen man entsprechende Organveränderungen findet. Um einen Querschnitt zu bekommen, wie häufig Langzeitverläufe bei asymptomatisch verlaufenden Erstinfektionen sind, braucht man größer angelegte Studien. Das kommt jetzt immer mehr. Da müssen wir noch ein bisschen warten, bis Ergebnisse verfügbar sind.

Welches sind denn die typischen Symptome von Long-Covid?

Hauptsymptome sind vor allem Luftnot und fortbestehende Unfähigkeit, sich adäquat zu belasten. Und der andere große Block, mit dem Patienten sich bei uns vorstellen, sind eher aus dem neuropsychiatrischen Bereich: Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Wortfindungsstörungen - so eine allgemeine, nicht ganz gut greifbare neurologische Problematik.

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Treten die Langzeitschäden sofort nach der Erkrankung auf oder tauchen die irgendwann urplötzlich wieder auf?

Häufig bemerken die Patienten unmittelbar nach ihrer Genesung erstmal eine deutliche Besserung. So wie es bei einer schweren Grippe auch ist, man hat es quasi hinter sich. Und dann in einem Zeitraum von vier, manchmal acht, manchmal sogar zwölf Wochen stellen die Patienten fest, dass sie noch nicht auf dem Damm sind, dass da irgendwas nicht stimmt.

Long-Covid (Foto: Imago, Imago / YAY Images)
Auch das Schlafverhalten kann nach einer Covid-19 -Erkrankung verändert sein. Imago Imago / YAY Images

Sind das irreparable Schäden oder ist es für diese Erkenntnis noch zu früh?

Ein kleines bisschen zu früh ist es. Wir sprechen zwar von Long-Covid, aber wir überblicken ja ehrlicherweise nur einen Zeitraum von 16 Monaten. Weil vorher gab es das nicht. Das heißt, echte Langzeitverläufe sind noch gar nicht vorhanden. Es wird so sein, wie in der Medizin praktisch immer: Es wird einzelne Patienten geben, die Organschäden haben, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können, die irreparabel sind, wenn Sie so wollen. Man kann aber getrost davon ausgehen, dass der Großteil der Patienten vollständig genesen wird. Zumindest gibt es im Moment keine Anhaltspunkte, das Gegenteil anzunehmen.

Wenn Sie auf die Zukunft blicken, was sind die wichtigen Fragen, auf die Sie noch Antworten suchen?

Woran wir jetzt verstärkt arbeiten, ist, dass man den vielen Hausärzten jetzt "Werkzeuge" an die Hand gibt, wie sie mit Post-Covid-Patienten umgehen sollen. Wir haben schon feststellen müssen, dass sehr viele der niedergelassenen Kollegen unter einem gewissen Mythos "Post-Covid" erstmal gar nicht so genau wussten, was sie mit dem Patienten anfangen sollen. Weil das für sie alles überfordernd war, was völlig klar ist. Und wir arbeiten daran, mit den Kollegen zusammen, sehr schnell sehr gute Leitlinien auf den Weg zu bringen, dass die niedergelassenen Ärzte wissen, was muss ich denn bei einem mutmaßlichen Post-Covid-Patienten machen? Wo muss ich den hinschicken? Wo hören auch die Aufgaben auf, die ich für den Patienten zu erfüllen habe? Sodass ein Großteil der Versorgung in den ambulanten Sektor zurückgetragen wird.

Rund 20 Prozent der Patienten mit Corona-Symptomen leiden an Long-Covid. Das haben Forschungen der Universitätsklinik Ulm ergeben, sagt Dr. Dominik Buckert von der Klinik für Innere Medizin (Foto: Universitätsklinik Ulm)
Rund 20 Prozent der Patienten mit Corona-Symptomen leiden an Long-Covid. Das haben Forschungen der Universitätsklinik Ulm ergeben, sagt Dr. Dominik Buckert von der Klinik für Innere Medizin Universitätsklinik Ulm
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