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Auf dem Gelände der Firma Liebherr-Hydraulikbagger in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) soll es beim Zerlegen von Fahrzeugen zu Umweltverschmutzungen gekommen sein. Außerdem sei der Arbeitsschutz missachtet worden. Die Polizei ermittelt.

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Die Firma Liebherr-Hydraulikbagger hatte eine Fläche im Logistik-Park-Ehingen gemietet. Dort sollen sogenannte Muldenkipper von Zeitarbeitnehmern unsachgemäß zerlegt worden sein. Öle und Bremsflüssigkeit konnten dabei ungehindert im Erdreich versickern und auch in den Kanal gelangen, das berichten Mitarbeiter gegenüber dem SWR.

Der Fall wurde bekannt, weil zwei Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma dem SWR von den Zuständen auf dem Gelände berichtet haben. Demnach sollen die Muldenkipper auf einem Hof abgestellt worden sein, bis sie in der angrenzenden Halle demontiert wurden. Bis zu 70 Alt-Fahrzeuge sollen zwischenzeitlich dort gestanden haben.

Aufgrund ihres schlechten Zustandes sollen die Fahrzeuge immer wieder Betriebsflüssigkeit verloren haben, zum Beispiel Öl, Brems- und Hydraulikflüssigkeit. Auffangbehälter dafür habe es nicht in ausreichender Zahl und Größe gegeben. Die umweltschädlichen Flüssigkeiten seien deshalb auf den Asphalt gelaufen und bei Regen in die Kanalisation gespült worden.

Um das Austreten zu verhindern, hätte das Unternehmen die Betriebsflüssigkeiten - insgesamt mehrere hundert Liter pro Fahrzeug - vor dem Abstellen ablassen und entsorgen können. Ein Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma berichtet jedoch, der Projektleiter habe das abgelehnt, um Zeit zu sparen.

Landratsamt bestätigt Verunreinigungen

Im Juli hat das zuständige Landratsamt eine unangekündigte Kontrolle auf dem Gelände in Ehingen durchgeführt. Auf SWR-Anfrage bestätigte das Landratsamt die Vorwürfe gegenüber der Firma. Auf dem Hof des Logistik-Parks habe man 38 Muldenkipper in desolatem Zustand vorgefunden: "Bei einigen wurde festgestellt, dass ausgelaufene Betriebsflüssigkeiten nur unzureichend aufgefangen wurden, wodurch es bereits zu Verunreinigungen der Asphaltfläche gekommen war."

Unternehmen fehlte Genehmigung für Demontage

Auch eine besondere Genehmigung, die für die Demontage der Muldenkipper notwendig gewesen wäre, habe bei der Firma nicht vorgelegen, so das Landratsamt. Zu einer Verunreinigung des nahegelegenen Flusses sei es nach derzeitigem Erkenntnisstand wohl nicht gekommen. Man werde das Geschehen aber weiter beobachten, die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen.

In einer Stellungnahme bestätigt die Firmengruppe Liebherr die Vorwürfe gegen Liebherr-Hydraulikbagger. Auf dem Gelände in Ehingen seien Geräte entgegen der internen Vorschriften von Liebherr "nicht sachgemäß" zurückgebaut worden. "Auch eine möglicherweise erforderliche Genehmigung für die Aktivitäten auf der Fläche lag nicht vor", so das Unternehmen.

Nach der Kontrolle durch das Landratsamt habe man das Gelände gereinigt, die verbleibenden Alt-Fahrzeuge gesichert und wolle diese nun zur Entsorgung zu einem Fachbetrieb bringen. Das weitere Vorgehen werde man mit den zuständigen Behörden abstimmen, so Liebherr.

Fehlender Arbeitsschutz?

Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma berichteten, dass die Fahrzeuge stets mit Öl verschmiert gewesen seien. Es habe deshalb mehrere Unfälle gegeben, weil Kollegen bei der Arbeit ausgerutscht seien. In einem anderen Fall musste ein Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma im Krankenhaus behandelt werden, nachdem er bei der Demontage der Klimaanlage Kältemittel eingeatmet hatte. Das Gas aus der Klimaanlage hätte zuvor eigentlich abgesaugt werden müssen, zuständig war eine andere beauftragte Firma. Liebherr bestätigte den Vorfall.

DGB: Mangelnder Schutz für Zeitarbeiter ist keine Seltenheit

Für Martin Kunzmann, Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Baden-Württemberg, ist es kein Einzelfall, dass Unternehmen Richtlinien zum Arbeits- und Umweltschutz gerade dann missachten, wenn Zeitarbeiter eingesetzt werden. Häufig würden auch Stammbelegschaft und Zeitarbeiter gegeneinander ausgespielt, sodass die Zeitarbeiter sich nicht trauen würden, auf Missstände hinzuweisen.

Gerade ein Konzern wie Liebherr habe aber besondere Verantwortung, wenn er Fremdfirmen und externe Mitarbeiter einsetze: "Was Liebherr dort gemacht hat, das ist ein großer Imageschaden für so eine Weltfirma", so Kunzmann.

Um den Arbeits- und Umweltschutz in der Industrie zu verbessern, sieht der DGB auch die Politik in der Verantwortung: Mit der derzeitigen Personaldecke der Gewerbeaufsichtsämter in Baden-Württemberg sei im Schnitt nur eine Regelkontrolle in 26 Jahren möglich. Hier sollten dringend mehr Stellen geschaffen werden, so Kunzmann.

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