Lehrer drücken die Berufsschulbank  (Foto: SWR, Christian Hammer)

Fräse statt weiße Kreide

Lehrkräfte aus dem Großraum Ulm schnuppern ins Handwerk

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Christian Michael Hammer

Um die freien Lehrstellen im Handwerk zu füllen, dazu braucht es mittlerweile kreative Ideen. Der Baden-Württembergische Handwerkstag hofft dabei auf die Hilfe von Lehrkräften.

Um ihren Schülerinnen und Schülern einen Eindruck vom Handwerk vermitteln zu können, haben in Ulm rund 15 Lehrerinnen und Lehrer einen Einblick in die Handwerksausbildung bekommen. Mit dabei war auch Realschullehrer Markus Taubert. Normalerweise unterrichtet er Deutsch und Sport an der Weihungstalschule in Staig im Alb-Donau-Kreis. Doch diesmal probiert er sich als Metallbauer aus und steht an der Drehmaschine. Es ist einer von bundesweit rund 300 Lehrberufen.

Oft haben Lehrer das Problem, dass sie selbst auch gar nicht wissen, was es an Ausbildungsberufen alles gibt. Da gibt es Nachbesserungsbedarf.

Realschullehrer Markus Taubert steht in einer Drehereiwerkstatt.  (Foto: SWR, Christian Hammer)
Markus Taubert ist an der Weihungstalschule für berufliche Bildung zuständig. Er weiß, wie wichtig Praxiserfahrung ist. Christian Hammer

Unter Anleitung graviert er selbst eine etwa 2-Euro-Stück große, silberne Aluminiumplatte und lernt die Facetten der Metallbearbeitung kennen. Außerdem lernt er in einem anderen Workshop, wie man selbst einen Stromkreis zusammenbaut.

Eine gravierte Metallplatte (Foto: SWR, Christian Hammer)
Oft kommt es nicht vor, dass Markus Taubert selbst Aluminium verarbeitet. Bei der Fortbilung musste er fräsen. Christian Hammer

Taubert will aus der Praxis wissen, was Handwerk bedeutet, wenn er mit seinen Schülern über die Berufswahl spricht. Für den Realschullehrer eine ganz neue Erfahrung. Beim Thema Handwerk, berichtet Taubert, haben Schülerinnen und Schüler immer noch Vorurteile.

"Schüler verbinden Handwerk immer noch mit viel Dreck und harter langer Arbeit. Manche wollen aber oft nur chillen und sagen das auch ganz offen."

Die Kammern und Lehrkräfte nutzen die Gelegenheit, um so wichtige Kontakte knüpfen, erklärt Martin Maier, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Ulm.  Er schätzt, dass aktuell 600 Lehrstellen zwischen Jagst und Bodensee unbesetzt sind. "Gerade im Sanitärbereich und bei den Heizungsbauern fehlen viele Fachkräfte", berichtet Maier.

Handwerk will seinen Ruf verbessern

Fortbildung, wie der Handwerkschnuppertag für Lehrer, haben in diesem Jahr auch die Handwerkskammern Stuttgart, Konstanz und Mannheim angeboten. Im kommenden Jahr sollen andere Kammern folgen. Das Handwerk habe sich gewandelt, betont Maier. "Es ist eben nicht ausschließlich körperliche Arbeit, sondern hat sich mit den technischen Innovationen zu einem attraktiven Berufsfeld entwickelt."

Lehrer Markus Taubert sieht es ähnlich: Von dem Tag in der Dreher-Werkstatt nimmt Realschullehrer Markus Taubert nicht nur seine selbstgravierte Aluminium-Scheibe mit nach Hause sondern auch Begeisterung für und Wissen über Handwerk.

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