Ansichten des geplanten Fußgängerstegs zur Landesgartenschau Ellwangen über die Bahnlinie (Foto: architekturbüro jean-jaques zimmermann)

Tagungshotel und teurer Steg sorgen für Unmut

Kritik an Plänen für Ellwanger Landesgartenschau

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Frank Polifke
Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Im Vorfeld der Landesgartenschau Ellwangen 2026 knirscht es im Gebälk: Pläne der Stadt für ein Tagungshotel treiben Hoteliers auf die Barrikaden. Und ein geplanter Fußgängersteg die Anwohner.

Eine Indiskretion aus dem Ellwanger Gemeinderat hatte es an die Öffentlichkeit gebracht: ein internes Papier der Stadtverwaltung. Thema: Der Bau eines Tagungsforums auf dem Schießwasen. Samt Hotel mit 45 Zimmern. Geplante Fertigstellung: März 2026, pünktlich zur Eröffnung der Landesgartenschau.

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Hoteliers fürchten um ihre Existenz

Vor allem das geplante Hotel treibt den Gastronomen der Stadt die Zornesröte ins Gesicht. "In Ellwangen gibt es keinen Bedarf für ein weiteres Hotel", sagt Karsten Mühleck vom ApartHotel Rose in Ellwangen-Schrezheim im Gespräch mit dem SWR. Er spricht für 15 Wirte und Hoteliers, die die Pläne der Stadt ablehnen.

Seine Aussage untermauert er mit Zahlen: In Ellwangen waren im vergangenen Jahr die Gästebetten gerade mal zu 17 Prozent ausgelastet. Zum Vergleich: In Aalen waren es 26 Prozent. Ellwangen ist die Stadt mit den geringsten Übernachtungszahlen im Ostalbkreis. Sollte das zusätzliche Hotel kommen, fürchten die Hoteliers um ihre Existenz. "Es sind in der Regel inhabergeführte Betriebe", sagt Karsten Mühleck. "Fast alle haben in ihre Häuser investiert. Wenn das Tagungshotel kommt, werden das einige nicht überleben."

So soll ein neuer Spielplatz für die Landesgartenschau in Ellwangen 2026 aussehen (Foto: realis landschaftsarchitekten)
So soll ein neuer Spielplatz zur Landesgartenschau 2026 aussehen.

Tagungsforum kein Ersatz für Stadthalle

Und auch den von der Stadt genannten Zweck des Tagungsforums können die Hoteliers nicht nachvollziehen: Es soll die alte Ellwanger Stadthalle ersetzen. "Eine Stadthalle ist ein Haus für kulturelle Veranstaltungen, ein Tagungsforum für Konferenzen, das ist etwas völlig anderes", meint Mühleck.

Die Stadtverwaltung äußert sich nicht zu der Kritik der Gastronomen. Das interne Papier sei durch eine Indiskretion aus dem Gemeinderat öffentlich geworden, daher nehme man keine Stellung, kommentiert ein Sprecher der Ellwanger Stadtverwaltung die Verweigerungshaltung. Nicht-öffentliche Beratungen müssten möglich sein.

Ansichten des geplanten Fußgängerstegs zur Landesgartenschau Ellwangen über die Bahnlinie (Foto: architekturbüro jean-jaques zimmermann)
Dieser neue Fußgängersteg soll das Landesgartenschaugelände mit der Ellwanger Innenstadt verbinden.

Auch Fußgängersteg für Landesgartenschau sorgt für Kritik

Für Kritik sorgt auch der geplante Fußgänger über die Bahnlinie. Er soll auf komfortable Weise Landesgartenschaugelände und Ellwanger Innenstadt verbinden, ein "Eingangstor", das die Besucherinnen und Besucher zum Besuch der Stadt animiert.

Wie beim Sobek-Steg in Aalen - und bei vielen anderen Bauprojekten - laufen aber auch den Ellwangern die Kosten davon: Statt dreieinhalb Millionen, wie ursprünglich vorgesehen, sind es bereits jetzt sieben. Und da sind künftige Kostensteigerungen noch nicht mitgerechnet.

Ansichten des geplanten Fußgängerstegs zur Landesgartenschau Ellwangen über die Bahnlinie (Foto: architekturbüro jean-jaques zimmermann)
Häßlich und unpraktisch? Der im Zuge der Landesgartenschau Ellwangen geplante Fußgängersteg sorgt für Unmut.

Zu massiv - und außerdem unpraktisch

Der Entwurf des Darmstadter Architekten Jean-Jacques Zimmermann sorgt aber auch aus ästhetischen und praktischen Gründen für Kritik bei manchen Ellwangern. So verlaufe der Steg zu nah an den Fenstern einiger Anwohner vorbei, hat Hermann Kling festgestellt. Er ist zwar selbst kein direkter Anwohner, sein Haus steht aber nicht weit vom Steg entfernt, trotzdem lehnt er den Steg in dieser Form ab. Aus ästhetischen und praktischen Gründen: Zu massiv - und außerdem müssten die Benutzer doppelt so viele Stufen bewältigen als bei der bisherigen Unterführung nahe der Staatsanwaltschaft. Auch für Radfahrer sei die Brücke unpraktisch: Bei gerade mal einem Aufzug seien Staus programmiert.

Stadt und Geschäftsführung der Landesgartenschau sehen das erwartungsgemäß anders. Natürlich dürfe man die Kosten nicht aus dem Blick verlieren, räumt Geschäftsführer Stefan Powolny ein. "Aber wenn das Ziel groß genug ist, darf das auch was kosten." Und er fügt an: Das Ziel, die Innenstadt mit dem Gartenschaugelände zu verbinden, funktioniere nur mit einem barrierefreien Steg, der gleichzeitig Bahntrasse und Mühlgraben beziehungsweise Mühlgrabenstraße überbrückt. Das sei nur mit einer Fußgängerbrücke möglich.

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