Ein Mann steht vor einem Fernseher und beobachtet ein Gerät zur Messung des Stromverbrauchs. Der Stromsparhelfer kontrolliert das Ergebnis eines faustgroßen Stromspar-Messgeräts, das in der Steckdose eines Fernsehers steckt. (Foto: SWR, Frank Polifke)

Hilfsangebot für einkommensschwache Familien

Kostenloser Energiespar-Check in Ostwürttemberg

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Frank Polifke
Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Teure Energiespar-Checks können sich einkommensschwache Menschen selten leisten. Die Caritas Ostwürttemberg bietet kostenlose Checks an. Und gibt Langzeitarbeitslosen so einen Job.

Thomas Strobl hat ein weißes faustgroßes Gerät in die Steckdose gesteckt und den Fernseher daran angeschlossen. Der Stromverbrauchs-Messer zeigt den Verbrauch im Stand-by-Betrieb und bei laufendem Gerät. Er hält sich in diesem Fall in Grenzen, das Gerät ist noch neu. Trotzdem packt der Stromsparhelfer eine abschaltbare Steckdose aus. Damit geht der Stand-by-Verbrauch auf null. Stromersparnis für den Wohnungsbesitzer: rund 20 Euro im Jahr. Der heißt Hassan al-Mustafa, kommt aus Syrien und ist mit Frau und sieben Töchtern erst kürzlich in die Wohnung im Heidenheimer Vorort Schnaitheim gezogen. Er ist froh über das kostenlose Stromcheck-Angebot der Caritas: Der Stromverbrauch belastet ihn stark, erzählt er und ist gespannt, wie die Stromspar-Checker ihm beim Sparen helfen werden.

Stromcheck-Angebot vom Bund gefördert

Vom Stromcheck-Angebot hat al-Mustafa im Job-Center erfahren. Wobei Thomas Strobl und sein Kollege Patrick Heller neben dem Stromverbrauch auch den Wasser- und Heizungsverbrauch unter die Lupe nehmen. Die beiden sind gelernte Metallfacharbeiter und Industriemechaniker und als Ein-Euro-Jobber zum Projekt gestoßen. Inzwischen sind sie bei der Caritas angestellt, bezahlt vom Bundesprojekt "soziale Teilhabe". Als fast schon geniales Win-win-Projekt hilft es einkommensschwachen Familien beim Energie sparen, der Regierung beim Erreichen der Klimaziele – und qualifiziert Langzeitarbeitslose.

Beratung auf Augenhöhe

Florian Heusel von der Caritas Ostwürttemberg sieht es als unschätzbaren Vorteil, dass gerade Menschen wie Thomas Strobl zu den betroffenen Familien gehen. "Stromsparhelfer und Kunden begegnen sich auf Augenhöhe", erklärt der Leiter des Bereichs "berufliche Integration".

Zwei Koffer mit vielen technischen Geräten. Die Stromsparhelfer der Caritas rücken mit technischen Hilfsmitteln an. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Ein Koffer voller Hilfsmittel: Das benötigen die Stromsparhelfer alles für den Check bei ihren Kunden. Für bis zu 70 Euro bauen sie Stromspar-Geräte ein, zum Beispiel eine abschaltbare Steckdose. Frank Polifke

"Da kommt keiner und sagt Ihnen von oben herab, das und das musst du tun."

Vielen sitzt der Energielieferant im Nacken mit der Drohung, demnächst den Strom abzustellen. Ob, beziehungsweise wann das tatsächlich geschieht, steht auf einem anderen Blatt. Die ersetzten Teile sind im Übrigen auch kostenlos. Energiesparlampen, Zeitschaltuhren, schaltbare Steckdosenleisten oder Wasserspar-Duschköpfe werden von den Stromsparhelfern installiert - im Wert von bis zu 70 Euro pro Haushalt.

Ein Stromsparhelfer hat einen durchsichtigen, mit Wasser gefüllten Plastikbeutel in der Hand. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Caritas-Stromsparhelfer Patrick Heller überprüft mit einem Messbeutel die Wassermenge aus dem Küchen-Wasserhahn Frank Polifke

Auch der richtige Wasserhahn hilft beim Sparen

Nachdem die Stromsparhelfer noch bei einer Wohnzimmerlampe eine herkömmliche Birne gegen ein LED-Licht ausgetauscht haben, ist die Küche dran - genau gesagt: die Spüle. Patrick Heller hält einen durchsichtigen Messbeutel unter den Wasserhahn, dreht auf und zählt bis zehn. Ergebnis: Etwas mehr als fünf Liter Wasser sind im Beutel. "Einen sehr guten Perlator hat er hier drin", kommentiert Heller das Resultat. Bei einem schlechteren Perlator - auch Strahlregler genannt - fließen im gleichen Zeitraum schon mal zwölf Liter in den Beutel. Auch die summieren sich übers Jahr betrachtet.

Stromsparhelfer packen auch kleine Energiefresser an

Bei Hassan al-Mustafa finden die Stromsparhelfer nur Kleinigkeiten. Doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, fasst Caritas-Mann Florian Heusel das Ergebnis zusammen. "Es ist eigentlich vorbildlich. Wenn man noch ein paar Dinge austauscht, spart Hassan al Mustapha im Jahr künftig um die 200 Euro." Die kann er bei sieben Töchtern mit Sicherheit anderweitig gut gebrauchen.

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