Sieben-Tage-Inzidenzen über 2.000

So blicken Kliniken und Praxen im Raum Ulm und Heidenheim auf die steigenden Corona-Infektionen

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Isabella Hafner

Ulm ist mit einer Inzidenz über 2.000 landesweit an der Spitze. Auch in anderen Kreisgebieten nähern sich die Werte der 2.000er-Marke. Wie blicken Kliniken und Praxen auf die Entwicklung?

"Eine gewisse Grundspannung haben alle im Haus schon seit langer Zeit. Wir sind natürlich vorbereitet auf das, was vielleicht bald noch kommt", sagt Stefanie Wenta, Sprecherin am Klinikum Heidenheim. Obwohl die Inzidenzen in der Region gerade stark steigen, könne man dort keine solche Zunahme an Corona-Patienten feststellen. 13 Corona-Infizierte liegen derzeit auf der Covid-Station des Klinikum Heidenheim. Ein leichter Anstieg. Auf der Intensivstation muss niemand versorgt werden.

Ein Schild mit "Stop - Durchgang verboten" vor der Infektions-Station im Klinikum Heidenheim (Foto: SWR, Peter Köpple)
Die Infektions-Station im Klinikum Heidenheim. Auch hier ist die Lage angesichts steigender Inzidenzen derzeit stabil (Archivbild).

An der Universitätsklinik Ulm sind es derzeit 35 Patienten – hier ist jeder Fünfte auf der Intensivstation. Ungeimpfte und Geimpfte. Florian Gebhard ist stellvertretender Leiter der sogenannten Task Force Corona an der Uniklinik. Er sagt: Die Zahl Coronainfizierter sei konstant, ein leichter Abwärtstrend sogar erkennbar. "Je weniger Covid-Patienten auf der Intensivstation liegen, desto mehr Kapazität ist wieder für große operative Eingriffe verfügbar. So versuchen wir aufzuholen, was wir an Operationen durch die hohe Belastung auf der Intensivstation verschieben mussten."

"Eine gewisse Anspannung ist nötig, um das Krankenhaus betriebsfähig zu halten."

Was die Patientenversorgung anbelangt: Entspannung an der Uniklinik - trotz des von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorausgesagten Inzidenzen-Höhepunkts in zwei Wochen. Wenn Florian Gebhard aber an sein Personal denkt, dann ist er weniger ruhig. "Weil ja nicht nur die Normalbevölkerung krank wird, sondern auch Kranken- und Pflegepersonal und Ärzte. Trotz Impfung." Das führe dazu, dass Personal ausfalle. Deshalb sei weiter eine gewisse Anspannung nötig, um das Krankenhaus betriebsfähig zu halten.

Universitätsklinik Ulm: Derzeit ist die Auslastung wegen Corona trotz hoher Inzidenzen weiter stabil (Foto: Pressestelle, Außenansicht des neuen Chirurgie-Gebäudes in Ulm)
Die Universitätsklinik in Ulm: Hier sind 35 Corona-Patienten, die Zahl bleibt konstant(Archivbild).

Ansturm in der Hausarztpraxis bleibt aus

Auch in der Hausarztpraxis von Georg Babiak in Neu-Ulm schlagen sich die steigenden Inzidenzen in der Region nicht gleichermaßen nieder: kein Ansturm - trotz einer Inzidenz von mehr als 1.200 im Kreis Neu-Ulm. "Wir haben nicht das Gefühl, dass es jetzt in den letzten Tagen mehr geworden ist. Es ist eher konstant. Wir rechnen auch damit, dass es so bleibt. Dass es gerade arg nach oben geht mit den Zahlen, das spiegelt sich hier nicht wider."

Dr. Babiak glaubt: Viele Patienten verordnen sich selbst Quarantäne

Georg Babiak merkt aber, dass die PCR-Tests, von denen er weiterhin 40 bis 50 am Tag macht, öfter positiv aus dem Labor zurückkommen. Ansonsten geht er davon aus, dass mittlerweile nicht mehr jeder, der leichte Symptome hat, in die Praxis kommt. Sondern dass sich viele per Schnelltest selbst testen und - falls positiv - einfach daheim bleiben. Selbst Ungeimpfte, deren Krankheitsverläufe oft heftiger sind, hat er lange nicht mehr gesehen. Über die Gründe dafür rätselt der Arzt: Ob sie die Praxis meiden, weil sie sich keine Blöße geben wollen? Oder liegt es eher daran, dass sie keine Lohnfortzahlung bekämen, wenn er sie offiziell in Quarantäne schickte.

Neues Corona-Medikament spielt wegen milden Verläufen noch keine Rolle

Seit letztem Freitag gibt es ein neues Hilfsmittel in Zeiten hoher Inzidenzen. Das Corona-Medikament Paxlovid ist zugelassen. Es soll Infizierte vor schweren Verläufen bewahren. Hausarzt Babiak: "Die Nachfrage danach ist sehr gering und aufgrund der leichten Verläufe bei uns gerade nicht angezeigt. Klar, es gibt Risikopatienten, die beispielsweise in einer Krebstherapie sind. Die gehen dann aber meistens direkt in die Klinik."

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