SWR Aktuell hat über die Gaskrise mit Klaus Eder gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Stadtwerke UlmNeu-Ulm. (Foto: SWR)

Chef der Stadtwerke Ulm zur Gaskrise

"Die Lage ist ernst, aber noch kein Grund zur Panik"

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INTERVIEW
Georg Bruder
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Carola Kührig
Carola Kührig (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Gas ist ein knappes Gut. Schon jetzt müssen Energieversorger wie die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) fehlendes Gas zu teuren Konditionen nachkaufen. Aber wie ernst ist die Lage wirklich?

Die Energiekrise zieht an, vor allem der kommende Winter beschäftigt die Branche. Die Gasversorger im Land bereiten sich vor und bauen vorsichtshalber sogar Ölreserven auf. SWR Aktuell hat über die Gaskrise mit Klaus Eder gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm und zugleich Chef der Landesgruppe der Kommunalen Versorgungsunternehmen in Baden-Württemberg.

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SWR Aktuell: Viele fragen sich derzeit, ist das eigentlich gerade eine ernsthafte Bedrohung mit dem Gasmangel? Oder ist das alles Hysterie und wir müssen eigentlich erst mal abwarten, wie der Winter wird?

SWU-Chef Klaus Eder: Die Lage ist ernst, es gibt aber noch keinen Grund zur Panik. Nord Stream I geht planmäßig zur Kontrolle am 11. Juli außer Betrieb . Und wenn diese Leitung nach zwei Wochen wieder in Betrieb genommen wird, dann wird es funktionieren im nächsten Winter. Sollte das nicht passieren, dann haben wir tatsächlich eine bedrohliche Gasmangellage und müssen uns über verschiedene Szenarien Gedanken machen. 

Die Politik trifft schon Vorkehrungen: Der Bundesrat hat jetzt das Energiesicherungsgesetz gebilligt, das der Bundestag verabschiedet hat. Es ist so eine Art Rettungsschirm für Gasversorger. Sie als Versorgungsunternehmen sind ja diejenigen, die gerade richtig drauflegen, oder?

Ja, wir müssen nicht geliefertes Gas zu viel teureren Konditionen nachkaufen. Die Verträge mit den Kunden sind aber fixiert. Wir sind in einer Sandwich-Position: Teuer einkaufen und zu günstigeren Preisen weitergeben, das bedeutet hohe Verluste für Stadtwerke, auch für Vorlieferanten. Und deshalb sind wir sehr, sehr froh, dass die Bundesregierung mit dem Bundesrat dieses Gesetz verabschiedet hat. 

Das SWU-Gebäude in Ulm - Auch die Stadtwerke UlmNeu-Ulm (SWU) müssen wegen det Gaskrise Gas derzeit teurer einkaufen, als zunächst vereinbart. (Foto: SWR, Carola Kührig)
Gaskrise: Auch die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) müssen Gas derzeit teurer einkaufen, als zunächst vereinbart. Carola Kührig

Der Städtetag macht erste Vorschläge, wie wir Energie sparen können, zum Beispiel Wassertemperatur absenken, Spaßbäder schließen. Bringt das wirklich den gewünschten Effekt?

Sollten wir im nächsten Winter kein russisches Erdgas mehr bekommen und es uns nicht gelingen, bis dahin die Gasspeicher wie geplant mit 90 Prozent zu füllen, dann werden wir mit solchen Maßnahmen versuchen müssen, über den nächsten Winter zu kommen. Sollte die Nord Stream I wie geplant wieder ans Netz gehen und wir die Speicher voll bekommen, dann können wir auch im nächsten Winter wieder warm baden.

Nun reden wir darüber, wie wir Gas einsparen können. Aber zeigen dieser Krieg und die Folgen nicht eigentlich, dass wir weg müssen vom russischen Gas oder generell vom Gas? 

Wir müssen weg von den fossilen Energieträgern. Die einzige unabhängige Energiequelle, die wir haben in Deutschland, sind die erneuerbaren Energien. Und deshalb wurden ja zum Glück auch noch weitere Gesetze beschlossen, die den Ausbau beschleunigen sollen. Wir müssen ganz dringend Windkraft ausbauen. Wir müssen Fotovoltaik ausbauen. Und wir müssen Wasserkraft sichern, sodass wir dauerhaft unabhängig werden von Energie-Importen.

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