Kita "Haus Nazareth" in der Weststadt in Ulm soll schließen (Foto: privat)

Fachkräftemangel in Kitas

Zu wenig Personal: Kita "Haus Nazareth" in Ulm soll schließen

STAND
AUTOR/IN
Hannah Schulze
Hannah Schulze (Foto: SWR)
ONLINEFASSUNG
Christine Janke
SWR Aktuell Autorin Christine Janke (Foto: SWR)

Für die Eltern ein Schock: Eine Kindertagesstätte in der Ulmer Weststadt soll wegen Fachkräftemangels schließen. Ein Teil der Kinder soll in Wiblingen unterkommen.

Vergangene Woche hat das Katholische Verwaltungszentrum Ulm in einem Schreiben an die Eltern die Schließung der Kindertagesstätte "Haus Nazareth" in der Weststadt angekündigt. Grund dafür: Es sei nicht gelungen, weitere Fachkräfte zu finden, um den Betrieb der Einrichtung fortzuführen. Die Situation in der Ulmer Weststadt sei ein Einzelfall, so der katholische Träger auf SWR-Anfrage.

Eltern wehren sich gegen die Schließung

Die Eltern seien schockiert von der Nachricht gewesen, so eine betroffene Mutter. Man habe Kindergartenplätze in Wiblingen angeboten bekommen, mehr Informationen gebe es bislang nicht. Unter anderem sei auch unklar, wann die Einrichtung mit den aktuell 22 Kindern schließen soll. Klar ist, dass die Eltern die Schließung nicht hinnehmen möchten. Das machen sie in einem Brief an das katholische Verwaltungszentrum deutlich.

"Wir, die Elternschaft des Kindergartens, sind schockiert und möchten uns vehement gegen die Schließung stellen."

Die Eltern fordern eine Suche nach einer anderen Lösung für die jahrzehntealte Einrichtung. Schließlich handle es sich bei der fehlenden Kraft um eine Vertretung. Sie schlagen vor, Vertretungen aus anderen katholischen Einrichtungen in der Nähe zu organisieren - oder selbst als Eltern auszuhelfen.

Der katholische Träger spricht in seinem Schreiben an die Eltern, in dem er über die Schließung informiert, von einer schweren Entscheidung. Man sei nun bemüht, für alle Kinder Alternativen zu finden. Dazu ist am Donnerstag (21.9.) ein Informationsnachmittag für die Eltern in der Einrichtung anberaumt. Dort wolle man Lösungen finden.

Stadt Ulm arbeitet an einen Notfallplan

In den städtischen Einrichtungen in Ulm spüre man den Fachkräftemangel auch, so Doris Fuchs von der Abteilung Kindertagesbetreuung. Man sei ständig auf der Suche, auch nach Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern.

Auffällig sei vor allem eine hohe Fluktuation. Grund dafür: Das sofortige Beschäftigungsverbot für Schwangere sowie eine gegenseitige Konkurrenz zwischen Einrichtungen. Es sei nun öfter vorgekommen, dass Personal in neue Kindergärten in Nachbargemeinden wechselte, da die Einrichtungen näher am Wohnort lagen.

"Wir sind gerade dran, einen Springerpool mit Aushilfskräften aufzubauen."

Bevor jedoch eine ganze Einrichtung geschlossen werden muss, müsste viel passieren, so Fuchs. Um das zu verhindern, arbeitet die Stadt gerade an einem Notfallplan: Bei akutem Personalmangel sollen zum Beispiel Fortbildungen gestrichen, Öffnungszeiten angepasst und Gruppen zusammengelegt werden. Parallel baut die Stadt einen Springerpool auf, um mit Aushilfskräften flexibel reagieren zu können.

Mehr zum Thema Personalmangel in Kitas

Ulm

Landesregierung plant neuen Kita-Personalschlüssel Was Eltern und ver.di in Ulm zu geplanten größeren Kitagruppen sagen

Die Landesregierung in Baden-Württemberg will größere Kita-Gruppen ermöglichen. Die Gewerkschaft ver.di in Ulm übt scharfe Kritik, Eltern sehen sich im Dilemma.  mehr...

SWR4 BW aus dem Studio Ulm SWR4 BW aus dem Studio Ulm

Baden-Württemberg

Platz- und Fachkräftemangel in Kitas Verband schlägt Alarm: Kita-Personal in BW am Anschlag

In den Kitas in BW fehlt Personal. Das wird sich so schnell nicht ändern, warnt der Verband VBE und fordert: Die Kommunen müssen mehr Geld in die Betreuung investieren.  mehr...

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Problemlage hat sich "weiter zugespitzt" Studie: Viele Kitas in BW können Aufsichtspflicht nicht mehr erfüllen

Eine neue Studie belegt, wie dramatisch der Fachkräftemangel in Kitas in Baden-Württemberg ist. Viele Mitarbeitende können nicht mehr so auf die Kinder aufpassen wie vorgeschrieben.  mehr...