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Noch immer ist unklar, wann Kinos in der Region öffnen können. Der Neu-Ulmer Kinobetreiber Roman Sailer fordert eine bundesweit einheitliche Öffnungsstrategie.

Roman Sailer sitzt allein in einem Kinosaal, in dem eigentlich mehr als 300 Menschen Platz finden können. Seit Anfang November läuft in seinem Neu-Ulmer Kino kein Film mehr. Und noch immer ist kein Ende des zweiten Lockdowns in Sicht. "Es ist frustrierend", sagt der Junior-Chef. Doch nach dem vergangenen Jahr sei man diese gravierende Einschnitte schon gewohnt.

Roman Sailer, Junior-Chef des Neu-Ulmer Kinos (Foto: SWR, Sarah Umla)
Roman Sailer vermutet, dass es noch etwas dauern wird, bis die Kinos wieder öffnen. Sarah Umla

Um wieder den Betrieb aufzunehmen, bräuchten Kinobesitzer mindestens ein bis zwei Wochen Vorlauf, sagt Roman Sailer. Bundesweit müsse es einheitliche Regeln zur Maskenpflicht und zu den Abständen im Kino geben. Das wäre vor allem in einem Grenzgebiet wie Ulm und Neu-Ulm wichtig. Bereits nach dem ersten Lockdown haben laut Sailer die Verordnungen bei den Besuchern für Verwirrung gesorgt.

Erster Corona-Fall in der Region

Im vergangenen Jahr konnten Kinobetreiber mehr als sechs Monate nicht öffnen. Der erste Lockdown sorgte ab Mitte März für Stille. Der Kundenstrom riss bei Roman Sailer in Neu-Ulm aber bereits drei Wochen früher ab. Der Grund: einer der ersten Corona-Fälle in der Region. Ein Besucher erkrankte wenig später an Covid-19. "Die Leute haben genau dieses Kino gemieden", sagt Sailer.

Kino in Neu-Ulm (Foto: SWR, Sarah Umla)
Gähnende Leere - noch ist unklar, wann Kinos wieder öffnen können. Sarah Umla

Der Infizierte steckte keine weiteren Besucher an. Und das zeigt laut Junior-Chef Sailer, wie gut das Lüftungssystem schon vor dem Lockdown in seinem Kino war. Kinos sehe er daher nicht als Virenherde und Ansteckungsorte.  

Warten auf Öffnungsstrategie

Wie Sailer hängen viele Kinobetreiber aus der Region in der Luft. Die Geduld ist oft am Ende. So auch bei Ralf-Christian Schweizer. Er betreibt Kinos in Aalen und Heidenheim und ist das Warten leid. 

Es ist einfach Warten aufs Christkind.

Ralf-Christian Schweizer, Kinobetreiber aus Aalen

Kinos könnten nicht einfach von heute auf morgen wieder öffnen, sagt Schweizer. Auch er fordert eine Vorlaufzeit von ein paar Wochen.

Deutschlandweit brach die Zahl der Kinobesucher im vergangenen Jahr um zwei Drittel ein. Das macht sich auch finanziell bemerkbar. Walter Deininger betreibt ein kleines Programmkino in Schwäbisch Gmünd. Im vergangenen Jahr habe er über 70 Prozent der Umsätze eingebüßt. "Wir halten das schon noch ein, zwei Monate durch, aber dann wird es schon eng", sagt Deininger.

Große Verluste wegen Schließung

Ein großer Batzen Geld sei zum Beispiel die Miete des Kinos: Die müsse auch, wenn alles geschlossen sei, monatlich pünktlich gezahlt werden. Aktuell weiche er auf Rücklagen aus. Ähnlich geht es auch Marius Lochmann. Er betreibt insgesamt acht Kinos deutschlandweit – zwei davon in Schwäbisch Gmünd und Biberach.  "Die Verluste sind im Millionbereich", sagt er.

Wann Geld wieder in die Kassen gespült wird, ist aber noch nicht absehbar. Die Kinobetreiber Walter Deininger und Ralf-Christian Schweizer hoffen auf Ostern. Roman Sailer ist da pessimistischer. Er rechnet mit Ende April.

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