Bislang sind noch keine Verwundeten des aktuellen Krieges in der Ukraine im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm eingetroffen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

Bislang noch keine Verwundeten eingetroffen

Kriegsopfer aus der Ukraine: So ist das Ulmer Bundeswehrkrankenhaus vorbereitet

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Das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm (BWK) ist spezialisiert auf Kriegsverletzungen und wartet auf Opfer aus der Ukraine. Ein Arzt erklärt, welche Herausforderungen das mit sich bringt.

Bei Kriegsverletzten benötigen Ärztinnen und Ärzte andere Fähigkeiten, als beispielsweise bei Opfern von Verkehrsunfällen. Das ist die Einschätzung von Benedikt Friemert von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm. Bei Verkehrsunfällen oder Stürzen, wie sie im medizinischen Alltag in Deutschland häufig vorkommen, handele es sich um "stumpfe Verletzungen". Betroffen sei die Wirbelsäule sowie der Kopf, es gebe oft auch Blutungen in Zusammenhang mit Verletzungen der inneren Organe.

Oberstarzt Prof. Dr. Benedikt Friemert von Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm erklärt, welche Herausforderungen es für die Mediziner bei Kriegsverletzungen gibt (Foto: Sanitätsdienst der Bundeswehr)
Oberstarzt Prof. Dr. Benedikt Friemert von Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm erklärt, welche Herausforderungen es für die Mediziner bei Kriegsverletzungen gibt. Sanitätsdienst der Bundeswehr

"Unterm Strich sind Schuss- oder Explosionsverletzungen sehr komplex. Es sind Verletzungen, die ein hohes Maß an medizinischer Versorgung bedürfen."

Bei einer typischen Kriegsverletzung "fliegt das Projektil durch den Körper durch", so Friemert. Dabei würden Organe und Gewebe zerstört, es komme zu einer Blutung nach außen. Opfer müssten schnell behandelt werden, denn die Erfahrung zeige, "dass ungefähr nach 45 Minuten die Hälfte der Verletzten verbluteten". Dieser Teil der Behandlung müsse in der Ukraine erfolgen. "Nur Patienten, bei denen die Erstmaßnahmen erfolgreich waren, werden wir vielleicht in Deutschland zu behandeln haben", so Friemert.

In einem nächsten Schritt müssten die Ärztinnen und Ärzte in vielen Fällen Teile des Körpers wiederherstellen. "Wenn ein Knochenstück am Unterschenkel fehlt, dann müssen wir diesen Knochen wieder rekonstruieren, um das Bein zu erhalten." Dazu sei eine plastische Operation notwendig, erklärt Friemert.

Bislang keine Kriegsverletzten aus der Ukraine

Obwohl das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm (BWK) Kriegsverletzte aus der Ukraine aufnehmen könnte, sind bislang noch keine Opfer des aktuellen Konflikts eingetroffen. Man sei erstaunt, dass diese Hilfe bislang nicht angefragt wurde, sagte ein Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Derzeit sei auch kein solcher Einsatz in Sicht. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine seien die Bundeswehrkrankenhäuser bereit für die Aufnahme von Patienten mit Schuss- oder Explosionsverletzungen.

Möglicherweise könnten die im Krieg Verwundeten nicht ins ukrainische Grenzgebiet gebracht werden. Nur von dort aus wäre ein Weitertransport nach Ulm möglich.

Im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus sei inzwischen eine Station für die Aufnahme von Kriegsverletzten und auch Krankenhauspatienten aus der Ukraine frei, die zuletzt für Covid-Patienten zur Verfügung stand, so ein Sprecher des Krankenhauses. Das BWK hatte zuletzt im Juli vergangenen Jahres Soldaten aus der Ukraine aufgenommen.

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