"Goldmarie und Fürstenkrone - Die Kartoffel in der Gegenwartskunst"

Museum Brot und Kunst Ulm: Skurrile Sonderausstellung über die Kartoffel

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Rainer Schlenz
Rainer Schlenz (Foto: Spiesz-Design/Sabine Weinert-Spieß)

Wir lieben die Kartoffel und dennoch erscheint sie uns als schrullig und banal. Das Museum Brot und Kunst widmet ihr jetzt eine Ausstellung: "Goldmarie und Fürstenkrone".

Ein kleines Mädchen im Jeanskleid steckt kopfüber in einer überdimensionalen Kartoffel: Kopf und Hände sind vollständig in der dicken Knolle verschwunden. Richtet man den Blick auf die dicke Kartoffel, die in etwa genau so groß ist wie das Mädchen selbst, kann man sich fragen: Wer frisst hier wen? Das Mädchen die Kartoffel oder eher umgekehrt?

Ausstellung "Goldmarie und Fürstenkrone" (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Kopfüber in die Kartoffel - dieses Werk des niederländischen Künstlers Hans van Meeuwen kehrt die Größenverhältnisse um: Der Mensch wird klein und die Kartoffel groß. Rainer Schlenz

Die skurrile Skulptur des niederländischen Künstlers Hans van Meeuwen stellt die Größenverhältnisse auf den Kopf, sagt Isabel Greschat, die Leiterin des Museums Brot und Kunst: Die Kartoffel wird groß, der Mensch hingegen klein. Denn eigentlich hat sich der Mensch in dieser Welt ja viel zu groß gemacht: "Das wächst uns ja über den Kopf", sagt Greschat. Die Idee, sich ein wenig zurückzunehmen, den Dingen mit etwas mehr Respekt zu begegnen, sei wichtig und reizvoll.

Ausstellung "Goldmarie und Fürstenkrone" (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Die Legende sagt, dass der "Alte Fritz", der Preußenkönig, für die massenhafte Verbreitung der Kartoffel in Deutschen Land gesorgt habe. Er war gewissermaßen der "Influencer" seiner Zeit, findet der Berliner Künstler Daniel Theiler. Theiler hat sich vorgestellt, wie der Preußenkönig sich heutzutage inszeniert hätte. Heraus kam die großformatige Fotografie "Der neue Fritz". Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Der Preußenkönig hätte sich heutzutage sicher prächtig über Plattformen wie TikTok verkauft, meint der Berliner Künster Daniel Theiler. Seine Kunstfigur, der "Neue Fritz", veröffentlicht ein Do-it-yourself-Video darüber, wie man eine schmucke Kette aus Kartoffelstärke herstellt. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Kopfüber in die Kartoffel - dieses Werk des niederländischen Künstlers Hans van Meeuwen kehrt die Größenverhältnisse um: Der Mensch wird klein und die Kartoffel groß. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Unendliche Mengen von Chipstüten: Am Ende der Ausstellung sollen sie verschenkt werden. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Eine Anlehnung an Schwärme kleiner Fische, die sich gemeinsam zu einem großen Fisch formieren. Der Künstler Uli Westphal hat die Vielfalt der verschiedenen Kartoffelsorten in einer Fotografie dokumentiert. Die vielen kleinen Kartoffeln vereinen sich zur Form einer Riesenkartoffel. Bleibt die Frage: Wie viele dieser Sorten landen bei uns im Supermarkt? Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Die Knolle ist schrumpelig, hat das Beste wohl hinter sich: Aber welche Kraft geht von den neuen, leuchtend roten Trieben aus. Eine Fotoserie von Mona Schäfer zum Thema "Vergänglichkeit". Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen
Die Künstlerin Janine Mackenroth hat einen neuartigen Lack mit einer biobasierten Grundlage verwendet: Kartoffellack. Das Material ist vom Fraunhofer Institut in Potsdam verwendet worden und soll lösungsmittelhaltige, synthetische Industrielacke ablösen. Mackenroth hat damit drei Werke mit lava-ähnlichen Strukturen von großer Leuchtkraft erschaffen. Rainer Schlenz Bild in Detailansicht öffnen

Museum Brot und Kunst: 1.632 Chipstüten als Symbol für Massenkonsum

Die Ausstellung im Museum Brot und Kunst spielt mit dem Witzigen und Skurrilen. Man muss einfach lächeln, wenn man durch das Museum geht. Und das wiederum öffnet die Besucherinnen und Besucher auch für die ernsten Themen: Etwa unsere unbändige Fresslust, die Müllberge, die durch Chipstüten entstehen. Thomas Rentmeister hat 1.632 leuchtend rote, volle Chipstüten gestapelt – als Symbol für den Massenkonsum.

Ausstellung "Goldmarie und Fürstenkrone" (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Unendliche Mengen von Chipstüten: Am Ende der Ausstellung sollen sie verschenkt werden. Rainer Schlenz

Wenn alles vorbei ist, werden die Chipstüten übrigens verschenkt. Das ist das Schöne der Ausstellung: Die Macherinnen präsentieren Kunst der Gegenwart, aber Berührungsängste können da gar nicht aufkommen. Das liegt vielleicht auch am Image der Kartoffel selbst.

"Die Kartoffel ist ein Kellerkind, hat kein tolles Renommee. Das macht es aber möglich, dass man sie anders anguckt."

Wer durch die von der jungen Kuratorin Ella Platschka zusammengetragenen Ausstellung geht, wird hinterher anders in die Kartoffel beißen. Und das gehört übrigens auch zum Begleitprogramm: Anfang August gibt es einen Kunstschmaus im Museum, Ende August ein Kartoffelfeuer in der Wilhelmsburg. Außerdem haben die Museumsleute in der Ulmer Olgastraße einen kleinen Kartoffelacker mit seltenen Sorten angelegt. Im September soll gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern geerntet werden.

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