Das etwas andere Jugendberufshilfe-Projekt für "hoffnungslose Fälle"

"Andere Baustelle" in Ulm kommt ins Schwabenalter

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Christine Janke
SWR Aktuell Autorin Christine Janke (Foto: SWR)
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Hendrik Zorn
Das Bild zeigt Hendrik Zorn (Foto: SWR, Alexander Kluge)

Die Idee ist einfach: Jeder kann etwas tun und jede kann etwas lernen. Vielleicht braucht es nur andere Wege. Die geht die "Andere Baustelle" in Ulm mit Jugendlichen seit 40 Jahren.

Gegründet worden ist das Projekt 1982 eigentlich als Selbsthilfeprojekt. Arbeiter hatten sich zusammengetan, um in der Arbeitslosigkeit zwischen zwei Jobs etwas zu tun zu haben. Mit der Zeit ist daraus der Verein für die Jugendberufshilfe entstanden. Der Verein Andere Baustelle hilft Jugendlichen dabei, so auf die Beine zu kommen, dass sie am Arbeitsmarkt eine Chance haben - und er begleitet sie auch ein Wegstück in den Firmen. Willkommen sind alle Jugendlichen, die Schwierigkeiten in der Schule oder am Übergang von der Schule zum Beruf haben. Alles was sie tun müssen, ist: während der Öffnungszeiten hingehen. Dann wird geschaut, welche Hilfe sie brauchen.

40 Jahre "Andere Baustelle": Verein kümmert sich um gescheiterte Jugendliche (Foto: Christine Brackmeyer)
40 Jahre "Andere Baustelle": Der Verein kümmert sich um gescheiterte Jugendliche Christine Brackmeyer

Derzeit betreut der Verein rund 40 Jugendliche. Individuelle Förderung steht dabei im Vordergrund. Und klare Strukturen. Wer die im Alltag für sich umsetzt, der kann auch den Hauptschulabschluss oder die Berufsausbildung schaffen.

Neue Wege bieten Perspektive und Hoffnung

Die "Andere Baustelle" hat dafür eine eigene Schreinerei mit zwei Ausbildungsplätzen. Die reichen natürlich nicht, vor allem vermittelt der Verein Praktika oder Stellen und schöpft dabei aus einem Netzwerk von rund 100 Firmen in der Nähe. Auch dort werden die Jugendlichen begleitet. In einem anderen Zweig können Jugendliche ihren Hauptschulabschluss nachholen, zwei Klassen haben sechs bis sieben Schüler, eine elf. Die individuelle Betreuung steht im Vordergrund, denn für viele Schüler ist schon der regelmäßige Schulbesuch eine Herausforderung.

In den 40 Jahren seines Bestehens hatte auch der Verein selbst so manche Krise - insbesondere finanzielle. Wer am Tropf von Zuschüssen hängt, den treffen Wirtschaftskrisen besonders. Das ging bis hin zu betriebsbedingten Kündigungen. Heute habe der Verein keine Schwierigkeiten, sich zu behaupten, so Geschäftsführerin Marion Kalokerinos.

Am Samstag wird gefeiert

Untergebracht ist der Jugendberufshilfe-Verein mit seiner Schreinerei in den Gemäuern der Oberen Donaubastion in der Ulmer Schillerstraße. Am Samstag (17.9.2022) wird dort ab 16 Uhr das Jubiläum gefeiert und ein neuer Pavillon eingeweiht.

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