Vesperkirche Ulm (Foto: SWR)

Interview mit dem Hauptorganisator der Vesperkirche

Peter Heiter: "Sind unglaublich glücklich, dass sich so viele in Ulm bereiterklärt haben"

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Zunächst war die Situation dramatisch für die Vesperkirche Ulm: Den Organisatoren um Pfarrer Peter Heiter ging das Personal aus. Doch ein Artikel in der "Südwest Presse" brachte die Wende.

Pfarrer Peter Heiter schaut lächelnd in die Kamera (Foto: privat)
Peter Heiter ist Pfarrer für die Pauluskirche in Ulm und Hauptorganisator der Vesperkirche. privat

SWR aktuell: Herr Heiter, wie hat sich denn inzwischen die Personalsituation für Sie entwickelt?

Peter Heiter: Wir waren selber unglaublich überrascht, wie viele Menschen sich gemeldet haben. Wir haben jetzt über 200 zusätzliche neue Mitarbeiter gewonnen, viele am Anfang des Ruhestands. Und das heißt, wir haben ein gemischtes Team aus insgesamt 300 Mitarbeitenden. Da sind Erfahrene dabei, die ein großes Know-how haben, und viele neue Mitarbeitende, die wir auch dringend brauchen für die Vesperkirche 2023. Denn in dieser Vesperkirche unter Corona-Bedingungen stellen wir auf Bedienservice um. Aber wir sind unglaublich glücklich, dass sich so viele Menschen in Ulm und um Ulm bereiterklärt haben, der Vesperkirche helfend unter die Arme zu greifen.

SWR aktuell: Hätten Sie das erwartet?

Heiter: Nein, das hätte ich so nicht erwartet, weil wir immer wieder Mitarbeitende suchen und oft sehr viel Energie brauchen, bis sich ein paar Menschen bewegen, in der Kirche mitzuarbeiten. Aber die Vesperkirche ist offenbar so stark verwurzelt in der Ulmer Gesellschaft, dass sich sofort so viele Menschen gemeldet haben. Wir können die Menschen auch gut brauchen. Ab jetzt müssen wir sogar Anfragen absagen und die, die sich jetzt noch melden, in Listen aufnehmen. Falls coronabedingt viele Helfer und Helferinnen ausfallen, wird man da anrufen.

SWR aktuell: Die Energiepreise gehen in diesen Wochen durch die Decke. Inwiefern erwarten Sie da auch mehr Andrang in der Vesperkirche Anfang des nächsten Jahres?

Heiter: Ich gehe davon aus, dass die Krisen, die wir im Moment haben, einen enormen Bedarf für die Vesperkirche entwickeln werden. Da sind die Energiekrise und der Krieg, der mit vielen psychischen Folgen bei den Menschen durchschlägt. Auch die zunehmende Vereinsamung, die auch unter der Corona-Krise einfach entstanden ist. Ich rechne damit, dass sehr viel mehr Menschen in die Vesperkirche kommen werden. Und wir merken, dass bei den Tafelläden die Zahl der Menschen, die einen Tafelausweis haben, sich mehr als verdoppelt hat, innerhalb kürzester Zeit. Und deswegen verwende ich gerade sehr viel Energie darauf, Menschen zu finden, die uns unterstützen. Und was das Heizen in der Pauluskirche anbelangt: Wir erwarten das Drei- bis Vierfache der Energiekosten. Wir sprechen von 30.000, vielleicht sogar 40.000 Euro, die wir in die Hand nehmen müssen, damit die Menschen im Warmen sein können.

SWR aktuell: In Sachen Corona können wir natürlich noch nicht wissen, was im Januar, Februar so der Stand sein wird. Aber wie wird denn die kommende Vesperkirche ablaufen?

Heiter: Die letzten zwei Jahre haben wir ja Vespertüten ausgegeben. Weil wir gesagt haben, wir können es nicht verantworten, Menschen in die Begegnung zu bringen, so lange die Begegnung kritisch ist. Jetzt rechnen wir damit, dass wir mit FFP2-Masken im Raum unterwegs sein können. Die Gäste gehen also mit Maske an den Platz und bleiben dann nach Möglichkeit auch dort. Und deshalb wollen wir einen Bedienservice machen, damit die Menschen nicht alle in der Kirche unterwegs sind. Es wird dann keine langen Schlangen in der Kirche geben. Und der Bedienservice ist ja auch was Schönes: Die Menschen spüren ihre Würde auch dadurch, dass sie bedient werden. Es passt sehr gut zum Vesperkirchenkonzept.

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