Catering im WM-Stadion

Lorenz Schmid aus Waldstetten kocht in Katar

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INTERVIEW
Jürgen Klotz
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Kristina Priebe
Kristina Priebe (Foto: SWR)

Bei der Fußball-WM in Katar kümmert sich Lorenz Schmid um das Essen in einem der Stadien. Im Interview erzählt er, wie er dazu kam, und was in Weilerstoffel besser ist als in Doha.

Lorenz Schmid ist als sogenannter "Head Chef" in einem von acht WM-Stadien im Einsatz. Er koordiniert dabei rund 100 Köche. Der 28-Jährige kommt aus Waldstetten-Weilerstoffel (Ostalbkreis), kochte aber vor der WM schon in Miami, als das Angebot für Katar kam. Im Interview erzählt er, wie er das Gastgeberland Katar erlebt, und wie er trotz Arbeit die Spiele verfolgen kann.

SWR Aktuell: Stadionwurst gibt es keine?

Lorenz Schmid: Leider nein. Ich hätte mal wieder Lust. Ich bin jetzt auch schon seit einem Jahr unterwegs, komme aus Miami und bin direkt nach Katar geflogen. Generell, eine deutsche Wurst vermisse ich sehr.

SWR Aktuell: Sie kochen im Stadion für die Prominenz, oder?

Schmid: Wir haben alles. Von ganz unten bis ganz oben. Wir haben aber nicht die VVIPs, die sind dann nochmal einen Tick weiter oben. Wir kümmern uns um die VIPs, um die Business-Class und um den Club-Bereich. Da geht es dann von Beef-Kebab bis Oktopus.

SWR Aktuell: Wie viele Köche haben Sie da unter sich?

Schmid: Wir haben im Stadion um die 100 Köche. Das schwankt immer mal wieder, es ist ein sehr hartes Pflaster. Wir hatten auch schon ein paar, die abgebrochen haben. Wir haben Leute aus der Türkei, aus Südafrika da... Katar selbst hat keine Leute, oder nicht genug, um eine Weltmeisterschaft zu bekochen. Die wurden alle eingeflogen.

SWR Aktuell: Diese WM ist umstritten, das liegt vor allem an der Diskussion um die Menschenrechte in Katar. Ist das bei Ihnen in der Küche ein Thema?

Schmid: Ich äußere mich ungern politisch. Die Entscheidung hätte schon 2010 getroffen werden sollen, als die Vergabe stattgefunden hat. Im Endeffekt kommen die Leute hier her, um Geld zu verdienen. Wenn sie kein Geld verdienen würden, wären sie auch nicht hier. Die Rahmenbedingungen passen eigentlich, es muss keiner in der Hitze arbeiten. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, was die Menschenrechte angeht.

SWR Aktuell: Was ist denn in Doha anders als in Waldstetten-Weilerstoffel?

Schmid: Die Dimension erst einmal, Doha ist eine Stadt mit 2,8 Millionen Einwohnern. Da haben wir in Weilerstoffel, glaube ich, so um die 300. Was mich hier sehr schmerzt, ist: Es ist zwar alles da und riesig, aber es ist nicht bevölkert. Die Stadt ist einfach leer, herzlos, lieblos, tot. Keine Kultur.

SWR Aktuell: Sie sind selbst Fußballfan. Wie bitter ist es, in der Küche zu stehen, und vom Spiel gar nichts mitzubekommen?

Schmid: Ich werde schon ab und zu mal auf das Spielfeld schauen. Ich bin oben in der VIP-Area, von den Skyboxen haben wir auch einen direkten Blick aufs Spielfeld, da wird zwar nicht gekocht, aber die Teller werden angerichtet. Ich versuche schon als Fußballfan und als Fußballer von klein auf ab und zu aufs Feld zu schauen. Aber das kann ich natürlich nicht immer machen. Ich habe ja Vorbildfunktion, und wenn am Ende jeder Koch aufs Feld schaut, gibt es kein Essen mehr.

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