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Die Grünen sind im Höhenflug - das belegt auch das aktuelle ZDF-"Politbarometer". Demnach liegen sie knapp vor der Union. Was sagt die Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Neu-Ulm, Ekin Deligöz, dazu?

Im Interview spricht Ekin Deligöz über ihre Wunschkoalition, ihre Sympathie für die grüne Kanzlerkandidatin und ein mögliches Ministeramt für sich selbst.

SWR: Mit welchem Ministeramt rechnen Sie?

Ekin Deligöz: Ich rechne erst mal mit einem guten Ergebnis für die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl. Und ich hoffe, dass wir damit an die Regierung kommen und einige Ministerien stellen.

"Ich kann sehr, sehr gut mit Annalena Baerbock."

Sie schließen das so aus mit dem Ministeramt. Warum? Sie haben in diversen Ausschüssen die Politik schon maßgeblich mitbestimmt - von Familien bis Finanzen. Wäre doch alles denkbar, oder können Sie nicht so gut mit Annalena Baerbock?

Ich kann sehr, sehr gut mit Annalena Baerbock. Ich freue mich sehr darüber, dass die das Thema soziale Gerechtigkeit, Kinder und Familienpolitik mit zu einem ihrer Schwerpunkte macht. Das ist genau das Gebiet, an dem ich arbeite und ihr auch zuarbeite. Ich freue mich auf den Wahlkampf. Ich hoffe, dass wir ganz viele Menschen von unserer Politik und Programmatik überzeugen können. Im Augenblick geht es aber nicht darum, Ministerinnen- oder Ministerämter zu verteilen, sondern die Menschen von unserer Politik zu überzeugen.

Vielen macht der Erfolg der Grünen ja auch Angst. Was kommt da auf uns zu, wenn Annalena Baerbock Kanzlerin wird? Die Energiepreise werden explodieren, Autofahren wird sündhaft teuer, Straßenbauprojekte auf Eis gelegt und der Veggie Day wird Pflicht - ist das die grüne Zukunft?

Ehrlich gesagt haben die Menschen bei uns in der Region inzwischen sehr gute Erfahrungen gemacht mit der Grünenregierung in Baden-Württemberg. Das steht schon für Zuverlässigkeit und Kontinuität. Wir sind eigentlich vernünftiger, als manche über uns sagen. Es wird Modernisierungen geben. Es wird Erneuerungen geben. Es wird aber auch dazu führen, dass dieses Land in Zukunft stark ist und auch das erhält, was uns erhält: unser Klima, unsere Natur und Landschaft. Aber eben auch unsere Wirtschaft, die einen Motor der Erneuerung braucht, in Richtung Klimaschutz. Das sollte in Zukunft Deutschland prägen.

Gibt es denn eine Parteirichtlinie, radikale Forderungen jetzt erst mal in der Schublade zu lassen vor der Bundestagswahl?

Wir sind eine demokratische Partei. Von daher gibt es solche Richtlinien nicht. Aber es gibt einen gemeinsamen Konsens darüber, dass wir eine Politik machen wollen, die sich umsetzen lässt und die realistisch ist.

"Wenn Grün dominiert, bin ich schon zufrieden."

Bei solchen Umfrageergebnissen wie heute wird ja schon fleißig gerechnet. Welche Koalition möglich ist, neben Grün-Schwarz: Grüne, SPD und FDP oder Grüne, Rot, Rot - was wäre denn Ihnen am liebsten?

Es ist ja kein Geheimnis, dass uns die SPD-Kolleginnen und Kollegen näher in der Politik sind als die Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU-Fraktion. Aber am Ende wird es darum gehen, dass politisch demokratische Parteien miteinander das beste rausverhandeln, und zwar das, was gut ist für dieses Land. Und wenn Grün dann dominiert, bin ich schon zufrieden damit.

Und über das Ministeramt unterhalten wir uns dann nochmal.

Wir haben ja noch ein bisschen Zeit.

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