"Ankommen": Interview mit dem Ausstellungsmacher Lokman Sensoy

Fotos erzählen Geschichte türkischer Zuwanderer in Heidenheim

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Hendrik Zorn
Das Bild zeigt Hendrik Zorn (Foto: SWR, Alexander Kluge)

"Ankommen.60 Jahre Anwerbeabkommen" heißt eine Ausstellung, die von Mittwoch bis Ende September im Heidenheimer Rathaus zu sehen ist. Es sind ganz private Bilder vom Leben türkischer "Gastarbeiter".

Döner neben Currywurst, Shishabar neben italienischer Eisdiele – das ist seit mehreren Jahrzehnten bei uns Alltag. Die früheren "Gastarbeiter" sind zu Mitbürgern geworden. Lokman Sensoy wohnt und arbeitet in Heidenheim. Sein Vater kam schon 1961, im Jahr des Anwerbeabkommens mit der Türkei, als "Gastarbeiter" nach Heidenheim. Der Sohn hat mehrere Jahre lang Fotos gesammelt, die die Geschichte türkischer Mitbürger in Heidenheim erzählen. Ein Interview mit dem Ausstellungsmacher.

SWR aktuell: Herr Sensoy – haben Sie ein Lieblingsbild?

Lokman Sensoy: Die paar Leute sitzen auf einer Bank mit Schutzhüllen, Arbeitsjacke und sowas. Das gefällt mir, weil ich bin hier auch Arbeiter. Deshalb kenne ich Leute, das ist auch meine Geschichte, meine Lebensgeschichte, deswegen gefällt mir dieses Bild. Und ich sehe die alte Wohnung, die Papiertapeten, Tische und die Kleidung. Das war bei meiner Mutter und meinem Vater auch so. Deswegen gefällt es mir.

Vom Gastarbeiter zum Mitbürger, Fotografie-Ausstellung im Rathaus Heidenheim (Foto: Sensoy Lokman)
Die Ausstellung "Ankommen" im Foyer des Heidenheimer Rathauses ist bis Ende September zu sehen. Sensoy Lokman

SWR aktuell: Ist das auch der Grund, warum Sie angefangen haben, Fotos und Bilder auch von anderen Familien zu sammeln, die auch diese Geschichte erzählen?

Sensoy: Diese Geschichte gehört zu unserer Lebenszeit. Das war schon eine harte Zeit. Das Leben war nicht so einfach nach dem Krieg. Und ich wollte was machen. Für die erste Generation. Ich wollte deren Lebensgeschichte ein bisschen zeigen. Wir dürfen das nicht vergessen. Deswegen hab ich so viele Bilder gesammelt und mache jetzt diese Ausstellung.

Vom Gastarbeiter zum Mitbürger, Fotografie-Ausstellung im Rathaus Heidenheim (Foto: Sensoy Lokman)
Private Fotos erzählen die Geschichte der "Gastarbeiter" in Heidenheim. Sensoy Lokman

SWR aktuell: Also Sie wollen Ihren Kindern und aber auch den anderen Kindern, die türkische Abstammung haben, aber in Deutschland leben und aufgewachsen sind, zeigen, was Ihren Eltern und Großeltern passiert ist, wie die es hier erlebt haben und in der Türkei, so verstehe ich Sie. Warum sollten denn jetzt auch Menschen wie ich, die keine türkischen Vorfahren haben, diese Bilder anschauen?

Sensoy: Wir leben hier alle zusammen, das sind alles gleiche Geschichten. Sie sind meine Nachbarn und Arbeitskollegen und deswegen denk ich mal, ist das auch für sie interessant.

Vom Gastarbeiter zum Mitbürger, Fotografie-Ausstellung im Rathaus Heidenheim (Foto: Sensoy Lokman)
Familiengeschichten der "Gastarbeiter" in Heidenheim. Sensoy Lokman

SWR aktuell: Es sind sehr persönliche Bilder, die Ihnen da gegeben wurden von anderen Familien oder auch von Ihrer eigenen Familie. War das einfach, diese Bilder zu bekommen?

Sensoy: Erst war ich bei meinen Bekannten und den Nachbarn. Und dann hat jemand gesagt: Du kannst auch zu anderen Leuten gehen. So bekam ich weitere Namen und Telefonnummern. Dann habe ich da eben angerufen und viele Familien besucht. So habe ich die Bilder gesammelt und jede Familie hatte eigene Geschichten dazu. Die Leute haben mir auch ein bisschen was erklärt zur Arbeitszeit oder Urlaubszeit.

SWR aktuell: Werden Sie noch weiter sammeln? Suchen Sie noch weiter nach Fotos, vielleicht auch aus dem größeren Umkreis, nicht nur aus Heidenheim?

Sensoy: Es war schon jemand im Ausstellungsraum. Wir haben da noch vorbereitet. Und der kam und hat gesagt, da habe ich auch noch Bilder, die kann ich euch geben. Wir haben das notiert. Und wenn jetzt noch jemand zu mir kommt, dann werden wir auch das sammeln.

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Hendrik Zorn
Das Bild zeigt Hendrik Zorn (Foto: SWR, Alexander Kluge)