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Alle Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff sind am Montag ausgesetzt worden. Davon betroffen sind auch die Impfzentren in der Region. Tausende Termine müssen jetzt abgesagt werden.

In Ulm habe man "sofort reagiert", berichtet Hagen Feucht, der das Zentrale Impfzentrum (ZIZ) in den Messehallen leitet. Nachdem am Montag um 15:41 Uhr die Nachricht aus Stuttgart gekommen sei, habe man alle Impfungen gestoppt. "Wir haben dann jeden, der zu dem Zeitpunkt in der Halle war, individuell informiert", sagt Feucht. Die Menschen hätten ruhig und gelassen reagiert, seien aber enttäuscht gewesen, weil viele lange "um die Termine kämpfen mussten".

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Zunächst hieß es, dass es keine Ersatztermine geben werde. Am Dienstagnachmittag teilte die baden-württembergische Landesregierung aber mit, dass die abgesagten Termine auf eine Warteliste kämen. Das gelte aus technischen Gründen aber nur für Menschen, die am Dienstag oder den darauffolgenden Tagen einen Termin hatten.

Wir haben die Meldung von gestern zum #Impfstopp mit #AstraZeneca in #BadenWürttemberg aktualisiert: Anmeldestopp bis 22. März. Ab heute abgesagte Termine kommen auf eine Warteliste:

"Wir wollen hier eigentlich nur eins - nämlich das Ding in Volllast fahren. Leider haben wir bisher noch nie die Möglichkeit gehabt."

Hagen Feucht, Leiter des Zentralen Impfzentrums Ulm

Auch Feucht selbst hört man an, dass er sich über den erneuten Rückschlag ärgert. Leider konnte man das Impfzentrum bislang nie "in Volllast fahren", weil der Impfstoff immer knapp gewesen sei. Die jetzt gestrichenen Impfungen mit Astrazeneca könne man nicht wieder aufholen.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoffs des Herstellers Astrazeneca (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa / Nicolas Armer)
Ampullen mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca picture alliance / dpa / Nicolas Armer

Kurz nach dem Impfstopp teilten schließlich mehrere Landratsämter mit, dass alle mit einem Astrazeneca-Impftermin bis auf Weiteres nicht die Impfzentren kommen sollen. Zuvor hatte die Bundesregierung entschieden, Astrazeneca-Impfungen auszusetzen.

Hunderte Impfungen in Ulm, Aalen und Heidenheim fallen aus

Zunächst müssten die Ergebnisse weiterer Untersuchungen zu Hirnvenen-Thrombosen im Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und anderen europäischen Ländern abgewartet werden, teilte das Landratsamt in Aalen (Ostalbkreis) mit.

Am Kreisimpfzentrum in Aalen fallen nun täglich bis zu 250 Impftermine aus. Dabei hatte der Landkreis vorige Woche noch 2.200 Astrazeneca-Impfdosen, die nicht angekommen waren, selbst aus Hessen abgeholt. Der Biontech-Impfstoff ist dagegen im Kreisimpfzentrum Aalen mit 74 Dosen pro Tag weiter knapp. Der Ostalbkreis bekommt noch bis in die Woche nach Ostern wöchentlich 1.170 Impfdosen vom Biontech/Pfizer Impfstoff geliefert. "Wie es danach weitergeht, ist noch nicht mitgeteilt", so die Auskunft einer Sprecherin des Ostalbkreises.

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Im Zentralen Impfzentrum Ulm fallen täglich 550 Impfungen weg. Das Landratsamt Heidenheim hat für diese Woche 1.468 Astrazeneca-Termine abgesagt. In den drei Impfzentren im Kreis Neu-Ulm waren 3.400 Termine diese Woche geplant, 1.400 wurden storniert.

Im Kreis Biberach sollten im Kreisimpfzentrum Ummendorf diese Woche rund 2.600 Menschen geimpft werden. Seit die Astrazeneca-Impfungen gestoppt wurden, sind es laut Landratsamt noch rund 1.100 und damit weniger als die Hälfte.

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Auch im Ulmer Impfzentrum bleibt es momentan bei den Impfungen mit dem Vakzin von Biontech. "Diese Termine können wir durchführen", sagt Leiter Hagen Feucht. Diese liefen auch weiterhin im Zwei-Schicht-Betrieb.

Impfzentrum in Ulm (Foto: SWR, Maren Haring)
Am Impfzentrum in Ulm lief der Betrieb am Dienstagvormittag ruhig weiter. Maren Haring

Aussetzung in Baden-Württemberg zunächst für eine Woche

Wie das Sozialministerium in Stuttgart mitteilte, gelte die Aussetzung der Astrazeneca-Impfung zunächst für eine Woche. Man warte auf neue Empfehlungen aus dem Paul-Ehrlich-Institut, heißt es. In Baden-Württemberg werden demnach ab sofort täglich rund 15.000 Impftermine mit Astrazeneca ersatzlos gestrichen. Außerdem empfiehlt das Ministerium allen, die vier Tage nach einer Astrazeneca-Impfung Unwohlsein verspüren, unverzüglich einen Arzt aufzusuchen.

Hagen Feucht hofft unterdessen, dass bis kommenden Montag Klarheit herrscht und feststeht, ob auch das Impfzentrum Ulm wieder das Astrazeneca-Vakzin verimpfen kann.

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