Kind wird geimpft (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Impfen oder nicht Impfen?

Stiko empfiehlt Corona-Impfungen nur für vorerkrankte Kinder

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Die Ständige Impfkommission hat keine Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Was das bedeutet, erläutert der Ulmer Stiko-Vorsitzende Professor Mertens.

Jetzt ist es offiziell: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat in der Corona-Pandemie keine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen gegen das Coronavirus aber für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen, wie aus dem jüngsten Bulletin des Robert Koch-Instituts am Donnerstag hervorging.

Stiko-Vorsitzender Mertens: Coron-Impfung bei Vorerkrankungen

Auch der Stiko-Vorsitzende und Ulmer Virologe, Professor Thomas Mertens, macht klar: Eine generelle Empfehlung von der Stiko gibt es nicht. Kinder ab 12 Jahren sollen geimpft werden, wenn sie Vorerkrankungen haben. Dazu zählen Kinder und Jugendliche mit schweren Herz- und Lungenproblemen oder andere chronische Erkrankungen.

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Eltern können sich individuell nach Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin für eine Impfung ihres Kindes entscheiden. Eine generelle Empfehlung komme nicht in Frage, da Covid-19 "kein relatives Risiko für die Kinder dieser Altersgruppe darstellt", sagt Mertens. Die Impfung sei zwar auch bei Kindern "sehr gut wirksam". Jedoch sei die Anzahl der geimpften Kinder klein und auch die Nachbeobachtungszeit noch zu kurz, "dass es nicht noch Nebenwirkungen geben kann", so Mertens.

Land hält sich an Stiko-Impf-Empfehlung

Für den Ablauf in den Impfzentren sowie bei den Kinder- und Jugendärzten im Land ändert sich durch die Stiko-Entscheidung wenig. Darauf verweist auch das Land in einer Mitteilung. Die Impfungen von Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren wurden in den vergangenen Tagen nur bei Vorerkrankungen oder gefährdeten Kontaktpersonen durchgeführt. Hinzukommen nun Jugendliche, die etwa in der Ausbildung berufsbedingt ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.

Auch Kinder und Jugendliche, für die keine der beschriebenen Voraussetzungen gelten, könnten geimpft werden - dies entscheide letztlich aber der Arzt nach eigenem Ermessen. "Die Impf-Ärzte, etwa in den Impfzentren, sind dabei nicht an Weisungen gebunden, denn sie tragen die medizinische Verantwortung für die Impfung", stellt das Ministerium klar. Die Kinder- und Jugendärzte wüssten darüber hinaus besonders gut, ob eine Impfung durchgeführt werden sollte, weil sie ihre Patienten gut kennen würden.

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Termin im Impfzentrum nur am Telefon

Wie das Ministerium in Stuttgart am Donnerstagabend erklärte, sind Terminvereinbarungen für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren in den Impfzentren vorerst nur unter der Nummer 116 117 möglich. Das Land setze sich aber dafür ein, dass auch die Online-Terminbuchung unter www.impfterminservice.de schon bald für diese Altersgruppe angepasst werde. Da die Plattform auch von anderen Bundesländern genutzt werde, müsse dies gemeinsam entschieden werden. Daneben seien Impfungen bei Kinder- und Jugendärzten möglich.

Direktor der Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin rät Eltern, abzuwarten

Auch der Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Professor Dr. Klaus-Michael Debatin, unterstützt die aktuelle Stiko-Empfehlung. Er spüre die Verunsicherung bei Eltern, was die Impfung ihrer Kinder betrifft. "Es gibt keinen zwingenden Grund, Kinder und Jugendliche zu impfen", sagt Debatin. Es gebe Eltern, die Angst haben, aber auch Eltern, die unbedingt wollten, dass ihr Kind geimpft werde. Grundsätzlich sei die Impfung gut verträglich. Aktuell gehe Debatin auch davon aus, dass das bei Kindern und Jugendlichen so ist. Dennoch fehlen derzeit Daten. "Ich rate zu: Besonnenheit und noch zwei Monate warten", sagt Debatin.

Eltern, die ihre Kinder gegen die Stiko-Empfehlung impfen wollen, werden es schwer haben, willige Ärzte zu finden. Auch bei dem Direktor selbst: "Wenn Eltern unbedingt ihr Kind impfen lassen wollen, würde ich es nicht tun. Das ist meine Verantwortung."

Was in Baden-Württemberg möglich ist

Kinder ab 12 Jahren dürfen in Impfzentren Baden-Württemberg aktuell nur geimpft werden, wenn sie Vorerkrankungen haben, oder wenn sie Kontakt zu besonders schutzbedürftigen Personen haben, die nicht selbst gegen das Coronavirus geimpft werden können. 

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