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Ab sofort ist die Impfpriorisierung in Baden-Württemberg und Bayern aufgehoben. In der Theorie heißt das, dass jeder sich beim Hausarzt gegen das Coronavirus impfen lassen kann. In der Praxis sieht das jedoch anders aus.

Impfen bei Hausarztpraxen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Ab sofort können sich Patientinnen und Patienten unabhängig von der Impfpriorisierung einen Impftermin geben lassen. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Das Telefon in der Gemeinschaftspraxis Wagner/Behr in Blaustein (Alb-Donau-Kreis) klingelt gefühlt noch öfter als üblich. Die Frage nach Impfterminen komme im Minutentakt. Aber die Hoffnung vieler, einen Termin möglichst schnell zu bekommen, kann Allgemein- und Sportmediziner Achim Behr nicht erfüllen. "Wir haben eine begrenzte Kapazität, was wir am Tag und in der Woche impfen können, denn wir haben auch noch andere Dinge zu tun", erläutert Behr. Der Arzt schafft nach eigenen im Schnitt 50 Impfungen pro Woche. Wenn man Erst- und Zweitimpfung zusammenzählt, kommt er vereinzelt 100 auf Impfungen in der Woche. "Das ist das absolute Maximum," sagt Behr.

Blausteiner Arzt lobt Aufhebung der Impfpriorisierung

Außerdem würden Hausärzten zu wenig Impfstoff zur Verfügung stehen. Die Aufhebung der Priorisierung sei schon lange überfällig gewesen. Jeder Hausarzt habe seine Sorgenkinder und wüsste, wen er als Erstes impfen würde.

"Für mich als Hausarzt war es noch nie nachvollziehbar, dass die Stiko uns Vorschriften gemacht hat. Reine Theoretiker, die sich in die Arbeit der Praktiker einmischen, das hat eigentlich noch nie funktioniert."

Die neue Regelung bringt Vorteile für Jüngere, die bislang zurückstehen mussten, meint Behr. Seither wurden 18- bis 60-Jährige nur geimpft, wenn sie die Vorgaben einer der Priorisierungsgruppe erfüllten. Auch wenn nicht alle gleich geimpft werden können, rechnet Behr schon aber mit einer gewissen Normalität bei der Vergabe von Impfterminen. "Ich denke schon, dass wir bis Sommer die meisten Menschen durchgeimpft haben." Momentan sei das Impftempo in Deutschland hoch. Dazu würden auch die Impfzentren viel beitragen.

Ungeduld und Aggression bei Patientinnen und Patienten

"Wir können auch nur so viel verimpfen, wie wir haben."

Der Arzt merkt, dass viele Menschen immer ungeduldiger werden. Zum Teil gebe es lange und unverschämte Diskussionen, andere würden aggressiv reagieren, wenn sie nicht unmittelbar einen Termin bekämen.

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