Eine Frau hält eine Corona-Impfspritze vor ihr Auge (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Ulmer Ärzte über falsche Informationen im Netz

Wieso kaum eine Krankheit gegen eine Corona-Impfung spricht

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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

Wer einen Blick in die Sozialen Medien wirft, hat den Eindruck, es gibt viele Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen dürfen. Doch das stimmt nicht, sagen Ärzte aus Ulm.

In hunderten Tweets berichten Nutzerinnen und Nutzer auf Twitter darüber, dass sie sich nicht impfen lassen dürfen. Mal wird Krebs, mal eine Autoimmunerkrankung oder die erhöhte Thrombose-Gefahr als Grund genannt. Dabei handelt es sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) um "falsche Kontraindikationen". Das heißt, es wird fälschlicherweise angenommen, dass eine bestimmte Gruppe von Erkrankten nicht geimpft werden darf.

Das ist bei der Corona-Impfung aber nicht der Fall, sagt der Sprecher des Zentrums Seltene Erkrankungen an der Uniklinik Ulm, Professor Klaus-Michael Debatin.

"Es gibt keine Situation bei der man sagt: Du darfst dich nicht impfen lassen, weil das Risiko zu hoch ist."

Da die Impfstoffe weltweit schon mehrere Milliarden mal verimpft wurden, wisse man über die Nebenwirkungen sehr gut Bescheid. So könnten sie sogar noch bewusster eingesetzt werden. Etwa seien durch die so häufige Anwendung seltene Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen nach der Impfung mit Astrazeneca und die Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung, nach der Biontech-Impfung entdeckt worden. "Da nimmt man dann einen anderen Impfstoff", sagt Debatin.

Wieso sich Krebskranke impfen lassen sollten

Auch der Leiter des Comprehensive Cancer Centers an der Uniklinik Ulm (CCCU), Professor Stephan Stilgenbauer, hört immer wieder, dass Krebskranke sich nicht impfen lassen sollten. "Diese Gerüchte rühren eventuell daher, dass in den ganz frühen Studien Patienten mit Krebserkrankungen und anderen Erkrankungen ausgeschlossen wurden." Mittlerweile gebe es aber Daten von tausenden krebskranken Studienteilnehmern, die erhöhte Nebenwirkungen ausschließen.

"Da die Erkrankungswahrscheinlichkeit und die Erkrankungsschwere bei Krebspatienten viel höher ist als bei Gesunden, ist die Impfung dringend zu empfehlen."

Deshalb sollten sich Patientinnen und Patienten aller Krebsarten impfen lassen. Es gebe jedoch eine Ausnahmen bei der Therapiephase. In seltenen Phasen sei der Impferfolg geringer - etwa nach einer Knochenmarktransplantation. "Deswegen empfiehlt man nach manchen Behandlungen auch eine Pause von drei bis sechs Monaten, bis die Impfung durchgeführt werden sollte", erläutert Stilgenbauer. Das bedeute jedoch nicht, dass es im Falle einer Corona-Impfung zu stärkeren Nebenwirkungen kommen würde, es gehe lediglich um die Wirksamkeit.

Wichtig: Individuelle Impfberatung beim Hausarzt

Auch der Neu-Ulmer Hausarzt Dr. Stefan Thamasett spürt in der Bevölkerung eine Verunsicherung wegen der Corona-Impfung. Gerade deshalb sei eine individuelle Beratung so wichtig.

"Für den Patienten ist jetzt wichtig, dass man auf seine Situation eingeht. Was hat er für Erkrankungen? Was nimmt er für Medikamente? Was hat er für Erwartungen? Und ihn dann berät, was diese Impfung für ihn persönlich bedeutet und was vielleicht das Risiko für ihn sein könnte."

Thamasett sieht nur bei Allergikern ein gewisses Risiko. "Es gibt Menschen, die sind auf alles allergisch. Die reagieren dann auch richtig heftig", sagt er. Diesen rate er zumindest zurückhaltend zu sein oder eine geeignete Örtlichkeit zu finden, wo sie geschützt geimpft werden können.

Impfstoffe Biontech und Moderna für Allergiker geeignet

Doch im Fall der Corona-Impfung sei eine allergische Reaktion so gut wie gar nicht möglich, sagt Debatin. Häufig seien Menschen gegen Hühnereiweiße im Impfstoff allergisch. "Bei den aktuellen Impfstoffen Moderna und Biontech gibt es eigentlich gar kein Risiko. Das ist eine mRNA, die ist umhüllt von einer Lipid-Hülle, da sind keine fremden Eiweißstoffe drin", erläutert Debatin. Allergische Reaktionen seien daher sehr selten.

Stiko-Vorsitzender Mertens: Allergien gegen Impfstoff sehr selten

Das sagt auch der Ulmer Stiko-Vorsitzende Professor Thomas Mertens. Zum Beispiel könnten Patientinnen und Patienten gegen Polyethylenglykol allergisch sein. Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes seien jedoch sehr selten. Es gebe also nur sehr selten Menschen, die deshalb nicht geimpft werden könnten.

RKI: Bei akuten Infekten mit der Impfung warten

Auch ein Aufschieben einer Impfung kommt laut Robert-Koch-Institut (RKI) nur selten vor. Wer akut an einer Erkältung oder an einem Magendarminfekt leidet, sollte ein paar Wochen warten, bis er oder sie sich die Spritze geben lässt.  

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