Hannelore Hornig heute, 30 Jahre nach der Hundeattacke (Foto: SWR)

So geht es Hannelore Hornig heute

Ulm: Gesicht entstellt vom eigenen Hund

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Hannelore Hornig aus Ulm sind vom eigenen Hund Teile des Gesichts weggebissen worden - vor 30 Jahren. Es folgen schwere Jahre und 15 Operationen. So geht es ihr heute.

Was macht das mit einem, wenn der eigene Hund Teile des Gesichts wegbeißt? Und wie sieht das Leben danach, viele Jahre danach, aus? Hannelore Hornig aus Ulm, mittlerweile 76 Jahre alt, ist genau das passiert. Ihren Lebensmut hat sie dadurch nicht verloren, doch die Zeit ist hart gewesen.

Rauhaardackel beißt während einer Ohnmacht zu

Im Dezember vor 30 Jahren, genau einen Tag vor Silvester, ist es passiert: Hannelore Hornig stürzt wohl in ihrer Wohnung und ist ohnmächtig. Was genau passiert ist, das weiß sie nicht mehr. Klar ist nur: Während ihrer Ohnmacht attackiert sie ihr Rauhaardackel. Er beißt Teile ihres Gesichts weg, vor allem den Mund und die Nasenspitze. Es folgt ein langer Leidensweg, unter anderem mit mit 15 Operationen.

Hannelore Hornig als junge Frau vor der Hundeattacke (Foto: SWR)
Hannelore Hornig als junge Frau vor der Hundeattacke

Mehrfach Operationen mit Hauttransplantationen

In einer ersten Operation wird aus Haut von der Stirn ein neuer Mund geformt. Dann wurde das Kinn rekonstruiert. Hannelore Hornig wurde ein großes Stück Haut aus dem Unterarm entnommen zusammen mit einem Blutgefäß und ans Kinn transplantiert. "Das wurde dann hier unten eingepflanzt und an der Halsschlagader praktisch angeschlossen, damit es durchblutet wird." Als letztes war die Nasenspitze dran. Dafür wurden Teile vom Ohr entnommen. Doch mit den Operationen ist jetzt Schluss, das hat die Rentnerin aus Ulm für sich entschieden. Sie sei eben so, wie sie sei. Wie viel Kraft sie dieser ganze Weg gekostet haben muss, lässt sich nur erahnen.

"Ich hab' keine Geschwister, bin allein aufgewachsen. Da musste ich auch immer allein entscheiden. Und ich hab' mich fürs Leben entschieden."

Die Tierliebe ist trotz Attacke geblieben

Nach dem Vorfall musste die Rauhaardackelhündin von Hannelore Hornig eingeschläfert werden - warum die Hündin sie Angriff, ist ein Rätsel geblieben. Ihr Frauchen hat ihr jedenfalls verziehen. Kontakt zu Tieren hat sie weiter. Sie und der Hund der Nachbarin sind beste Freunde und auch auf Menschen geht sie offen zu. Zu schaffen machen ihr nur Begegnungen beispielsweise in der Straßenbahn, wenn Menschen heimlich gucken und nicht dazu stehen oder Mütter ihre Kinder vom Starren wegreißen mit einem "Da guckt man nicht". Da ist ihr ein offener Umgang lieber. Solche Begegnungen geben ihr dann auch Kraft. Und ihr eigener offener Umgang hat ihr auch Positives gebracht.

Hannelore Hornig begrüßt freudig den Hund der Nachbarin (Foto: SWR)
Die Tierliebe ist geblieben: Hannelore Hornig und der Nachbarshund begrüßen sich freudig

"Ich gebe ja der Susi keine Schuld. Ich lieb' halt einfach Tiere. Meine Mutter hat in einer Gärtnerei gearbeitet. Und da war ein Schäferhund. Und das war auch mein großer Freund."

Die Ulmerin engagiert sich bis heute für Gesichtsversehrte

Heute steht Hannelore Hornig Mitten im Leben - und hilft anderen, denn allein ist sie mit ihrem Schicksal nicht. Sie ist im Vorstand eines Selbsthilfevereins und tauscht sich regelmäßig mit der Vorsitzenden aus. Auf das Engagement kam sie während eines Aufenthalts in der Rehaklinik in Aulendorf. Dort fand sie einen Aushang eines Vereins für gesichtsversehrte Menschen, T.U.L.P.E, eine Abkürzung für: Tumor oder Unfall. Ein Leben mit Perspektive und Epithese. Sie erkundigte sich und beschloss, dass das für sie eine Möglichkeit ist, sich einzubringen - und das tut sie nun seit vielen Jahren, bis heute.

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