Fronten zwischen Anwohnerschaft und Gemeinderat verhärtet

Hüttlingen: Niederalfinger fordern endlich Schutz vor Hochwasser

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Seit Jahren kämpfen die Hüttlinger (Ostalbkreis) um Hochwasserschutz. Letzte Woche hatte der Schlierbach im Ortsteil Niederalfingen erneut Hochwasser. Eine Lösung scheint in Sicht.

Den 26. Mai 2016 vergisst Frank Dollansky wahrscheinlich nie mehr: "Mir hat's sämtliche Kellertüren ausgehängt, die sind überall rumgeschwommen. Die Metalltür zum Ölraum hat ausgesehen wie ein Fragezeichen, so hat's die eingedrückt. Der Öltank ist umgekippt, das Öl ist im ganzen Keller geschwommen. Die Heizungsrohre waren gerade noch frei, so hoch stand das Wasser." Rund 90.000 Euro Schaden verursacht das Hochwasser allein bei Franz Dollansky. Gut 80 Keller laufen in Niederalfingen damals voll. Seitdem ringen Betroffene und Gemeindeverwaltung um wirksamen Hochwasserschutz.

Das Bett des Schlierbachs am Ortsrand von Hüttlingen-Niederalfingen im Ostalbkreis ist randvoll. (Foto: Privat)
Der Schlierbach in Hüttlingen-Niederalfingen war in der Nacht auf Freitag kurz vor dem Überlaufen. Privat

Schutzmauern stoßen auf Kritik

Erster Lösungsvorschlag: Eine vier Meter hohe Staumauer, Kosten: rund drei Millionen Euro. Die Landesregierung verweigert den Zuschuss. Die Mauer käme teurer als der Gesamtschaden des Hochwassers, der lag bei rund zwei Millionen Euro. Eine niedrigere Mauer wird vom Hüttlinger Gemeinderat abgesegnet. Maximal 1,40 Meter hoch, dafür 70 Meter lang. Doch gegen die sträuben sich viele der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner. Ihre Untersuchung hat gezeigt: Das "Mäuerchen" würde zwar einige Straßen schützen, dafür würde der Hochwasserpegel in anderen sogar steigen.

Niederalfinger fordern ökologischen Hochwasserschutz

Ungefähr 35 hochwassergefährdete Anwohner haben sich mittlerweile organisiert. Sie fordern eine Lösung, die Hochwasser- und Naturschutz verbindet. Anton Hügler, einer der Sprecher der Betroffenen, arbeitet mit einigen Mitstreitern bereits an einem Alternativkonzept: "Wir wollen das Bett des Schlierbachs so verbreitern, dass es ökologisch gut ausgebaut ist. Aber eine klassische Betonmauer wird nicht benötigt, und wir schaffen gleichzeitig mit dieser Verbreiterung ein Biotop und geben damit dem Wasser eine naturnahe Möglichkeit, sich auszudehnen."

Der Schlierbach im Hüttlinger Ortsteil Niederalfingen  (Foto: SWR, Frank Polifke)
So harmlos plätschert der Schlierbach in Hüttlingen-Niederalfingen normalerweise vor sich hin. Frank Polifke

Zusätzlich sollen Wiesen im hinteren Teil des Tals zu Überflutungsflächen werden. Die Überschwemmung sorgt dafür, dass das Wasser deutlich langsamer in Richtung Niederalfingen fließt und sich dabei wieder absetzt, erklärt Anton Hügler. Strömt das Wasser dagegen in kanalartiger Geschwindigkeit, wie bisher, kann man die Menge im Ort kaum bewältigen.

Abgeordnete befürworten ökologische Lösung

Die Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Aalen-Heidenheim, Martin Grath (Grüne) und Winfried Mack (CDU) unterstützen die Niederalfinger auf der Suche nach einer ökologischen Lösung. Für Martin Grath ist das grundsätzlich die bessere Wahl: "Die Natur hat für Hochwasserschutz gesorgt. Wenn wir der Natur das zurückgeben, was wir ihr früher genommen haben, dann haben wir den Vorteil, dass wir erstens ein Naherholungsgebiet haben, was ja jeder von uns in Corona-Zeiten immer mehr genießt, und wir haben sowohl Hochwasser- als auch Naturschutz. Besser kann es kaum sein, da gibt es fast nur Gewinner." Natürlich müssen Experten zuvor klären, ob die Bachverbreiterung samt Überflutungsgebiet in diesem Fall tatsächlich die richtige Lösung ist.

Das Landratsamt des Ostalbkreises prüft unterdessen insgesamt 26 Einwendungen zum Bau der kleinen Mauer, das Verfahren sei im Gang, teilt die Behörde dem SWR mit, daher äußere sie sich derzeit nicht.

Hüttlinger Gemeinderat entscheidet über neue Studie

Unabhängig davon entscheidet der Hüttlinger Gemeinderat am Donnerstag, dem 15. Juli, über eine erneute umfassende Untersuchung, von der Quelle des Schlierbachs bei Neuler bis zur Mündung in den Kocher. Ein Stuttgarter Ingenieurbüro soll nochmals alle denkbaren Hochwasserschutzmaßnahmen prüfen, nicht zuletzt unter ökologischen Gesichtspunkten.

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