Dietmar Walter hat noch viel zu tun, um den Wohnwagen in Schuss zu bekommen. (Foto: SWR, Isabella Hafner)

Hilfsaktion nach Vulkanausbruch

Langenauer bringt gespendeten Wohnwagen nach La Palma

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Dietmar Walter aus Langenau-Göttingen (Alb-Donau-Kreis) will einen Wohnwagen nach La Palma bringen. Als Notunterkunft für eine Familie, die beim Vulkanausbruch alles verloren hat.

Dietmar Walter streicht die Wand eines Wohnwagens aus den 1980er-Jahren. Das Fahrzeug ist ziemlich entkernt: "Gestern Abend waren noch Freunde da und haben angefangen, Zeug rauszureißen. Hier war die Küche - die war einfach nicht mehr so, als dass man sie irgendwelchen Leuten hätte anbieten können", erzählt er.

Dietmar Walter streicht den alten Wohnwagen. (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Dietmar Walter streicht den alten Wohnwagen. Isabella Hafner

Auch die 40 Jahre alten Polster werden ersetzt. Und, und, und... es ist noch einiges zu tun. Dabei geht es jetzt, nach dem Vulkanausbruch auf La Palma, um jede Minute.

Die 40 Jahre alten Matratzen hat Dietmar Walter ausgetauscht. (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Die 40 Jahre alten Matratzen hat Dietmar Walter ausgetauscht. Isabella Hafner

Im Moment steht der Wohnwagen noch auf seinem Hof, in der Kälte von Langenau-Göttingen. Doch am Freitag soll er seine Reise nach La Palma antreten. Dort, wo der Vulkan Cumbre Vieja zum ersten Mal nach 50 Jahren ausgebrochen ist und seit dem 19. September glutheiße Lava über Landschaften und Häuser spuckt.

"Luftlinie 2,5 Kilometer von meiner Finca - ich war wie gelähmt, weil ich nicht wusste, was ich jetzt machen kann."

Der Langenauer lebt seit fast drei Jahrzehnten zeitweise auf La Palma. Der Vulkanausbruch - ein Schock, vor allem, weil er seither ständig an die Menschen denkt, die er dort kennt. Er sei völlig durcheinander gewesen: "Ich bin Tag und Nacht vor dem iPad und dem Fernseher gesessen, habe mir irgendwelche Informationen reingezogen, habe dann gesagt: Ok, ich brauche einen Camper und hintendran einen Wohnwagen, um Menschen vielleicht ein Tröpfchen auf den heißen Vulkan mitzubringen."

Die Fahrzeuge werden zum neuen Zuhause umgestaltet. (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Die Fahrzeuge werden zum neuen Zuhause umgestaltet. Isabella Hafner


Zum Beispiel einer befreundeten Familie. "Denen geht es momentan nicht gut. Es gibt Druckwellen, Luftverschmutzung, Ascheregen. Steinchen fallen vom Himmel - nicht nur Steinchen, sondern richtige Brocken. Das ist gefährlich und die sind alle in einem traumatisierten Zustand." Vor allem aber: Weil der Vulkan Cumbre Vieja deren Haus komplett unter Lava begraben hat.

Geld sammeln für Hilfsaktion nach Vulkanausbruch

Deshalb soll ihnen nun schon bald der Wohnwagen einen Unterschlupf bieten. Auch einen gebrauchten Camper hat Dietmar Walter aufgetrieben. Der zieht den Wohnwagen nach Cadiz, bis zur Fähre und bietet ihm selbst fürs Erste eine Notunterkunft. Er kann vorerst nicht in sein Haus, es liegt in der Evakuierungszone, zu nah am Ausbruchsfeld. Für Fahrzeuge und Reise sammelt Dietmar Walter noch immer Geld auf dem Internetportal "GoFundMe". 8.000 Euro sollten zusammenkommen - knapp über 2.400 Euro sind es derzeit.

Dietmar Walter hat als Grafiker das Logo für die Hilfsaktion selbst entworfen. (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Dietmar Walter hat als Grafiker das Logo für die Hilfsaktion selbst entworfen. Isabella Hafner

Doch Dietmar Walter ist voller Enthusiasmus vor der Reise, auf die ihn ein Freund begleitet. Am Freitag geht's los, bereits am kommenden Dienstag starte die Fähre im spanischen Cadiz. "Da müssen wir dort sein - 2.500 Kilometer mit dem Gespann, 800 Kilometer am Tag, bei 80 Stundenkilometern." 30 Stunden haben sie dafür eingerechnet.

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