Hensoldt investiert 100 Millionen Euro in neuen Firmenstandort in Oberkochen  (Foto: Pressestelle, Hensoldt )

Rüstungsunternehmen in Oberkochen

Hensoldt stellt Pläne für 100 Millionen teuren Neubau vor

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Das Rüstungsunternehmen Hensoldt hat am Mittwoch die Pläne für das neue Produktions- und Verwaltungsgebäude in Oberkochen (Ostalbkreis) vorgestellt. Und das wird imposant.

Einer der Gründe für den Neubau: Der Mietvertrag mit der Firma Zeiss in Oberkochen, bei der Hensoldt am dortigen Standort bislang Mieter war, läuft demnächst aus. Und so wurde ein Fellbacher Architektenbüro beauftragt, das bereits das neue Labor von Biontech in Mainz geplant hat, auch den Neubau für das Rüstungsunternehmen bei Aalen zu entwickeln.

Beauftragtes Architekturbüro hat auch Biontech-Labor in Mainz gebaut

Die Pläne zeigen: Es wird ein imposanter Neubau. Vielleicht fällt er am Ende aber auch gar nicht richtig auf. Denn die Idee des Architekten Helge Claus war, dass sich das Gebäude ganz natürlich mit der Landschaft verwebt. "Die Herausforderung war, dass wir uns ja hier im ländlichen Raum befinden und so eine große Baumasse in die Landschaft integriert werden sollte, dass diese Fläche relativ unauffällig drin steht." Das Gebäude wird rund 350 Meter lang und zwanzig Meter hoch. Es wird terrassenförmig gebaut sein und zu großen Teilen begrünt.

Hensoldt investiert 100 Millionen Euro in neuen Firmenstandort (Foto: Pressestelle, Hensoldt)
So soll das Gebäude innen aussehen. Pressestelle Hensoldt

Geschwungener Neubau soll sich organisch in die Natur fügen

Geplant sind auch drei Stege, auf denen die Mitarbeiter für eine Pause direkt in den Wald gelangen können. In dem rund 100 Millionen Euro teuren Neubau mit rund 50.000 Quadratmetern Nutzfläche wird auch die große Produktionshalle untergebracht sein, in der Hensoldt Optronics wie bisher optische und optronische Geräte für zivile, paramilitärische und militärische Anwendungen herstellt. Doch diese Halle wird kaschiert durch vorgelagerte, geschwungene Gebäudeteile.

Möglichst unabhängig von fremder Energie produzieren

Auf dem Dach gibt es außerdem eine 8.000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage. Möglichst energieautark, also unabhängig von fremder Energie, soll das Gebäude laut Architekt Helge Claus funktionieren. "Die Autarkie wird langfristig erreicht durch regenerative Energiegewinnung am Standort - vor allem Photovoltaik. Aber auch Brunnenbohrungen werden wir hier für Geothermie vornehmen, die voraussichtlich das Grundwasser nutzen. Ansonsten werden es Erdsonden sein, die über Wärmepumpen Energie erzeugen." Erstmal werde das Unternehmen zu 72 Prozent energieautark sein, nach und nach soll die eigene Energieerzeugung gesteigert werden bis zu 100 Prozent.

"Was wir feststellen ist, dass die Wahrnehmung der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie positiver ist."

Wenn alles glatt läuft, wird Anfang nächsten Jahres mit dem Bau begonnen. Ende 2024 soll das Gebäude fertig sein. Bisher arbeiten am Standort rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - Geschäftsführer Andreas Hülle plant dann 100 weitere einzustellen. Die Zeichen stünden seit Jahren auf Wachstum - und seit des Ukrainekriegs seien Verteidigungsunternehmen in der Bevölkerung weniger verpönt. Andreas Hülle: "Was wir feststellen ist, dass die Wahrnehmung der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie positiver ist."

Das von der Regierung kürzlich angekündigte Sondervermögen für militärische Ausrüstung der Bundeswehr sei noch lange nicht freigegeben, davon profitiere Hensoldt also noch nicht. Und mit einem Auftragsboom wegen des Ukrainekonflikts rechnet Hülle auch nicht. "Die Aufträge sind langfristiger Art."

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