Fahnen vor dem Ostalbklinikum in Aalen. Es geht um die Nachfolge in Arztpraxen und den Hausarztmangel: Der Ostalbkreis wirbt mit einem Stipendium um Medizinstudierende, die als Ärzte im Landkreis bleiben. (Foto: SWR)

Ärztemangel auf dem Dorf

Ostalbkreis: Mit Stipendium als Ärztin aufs Land

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Kristina Priebe
Kristina Priebe (Foto: SWR)
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Carola Kührig
Carola Kührig (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Die Nachfolge in Arztpraxen ist in ländlichen Gegenden oft schwierig. Mit einem Stipendium wirbt der Ostalbkreis um Studierende, die künftig als Hausärzte im Landkreis bleiben.

Praktikum in Aalen - bald Ärztin im Ostalbkreis
Hausärztin im Ostalbkreis: Land statt Großstadt
Auch auf der Ostalb: Hausarzt-Beruf im Wandel
Wunsch nach Teamarbeit und Teilzeit

Ein Plakat an der Straße in Aalen-Fachsenfeld deutet auf den Ärztemangel hin (Foto: SWR, Frank Polifke)
Aktion gegen Ärztemangel im Ostalbkreis: Auch in Aalen-Fachsenfeld wurde dieses Jahr schon geworben. Frank Polifke

In manchen Gegenden des Ostalbkreises gibt es zu wenige Hausärzte und -ärztinnen. Das will der Landkreis ändern und hat in diesem Jahr nicht nur eine Plakataktion gestartet, sondern auch ein Förderprogramm. Eine Stipendiatin gibt es bereits.

Praktikum in Aalen - bald Ärztin im Ostalbkreis

Milena Schurr ist Medizinstudentin und die erste Stipendiatin im Ostalbkreis. Momentan hat sie Semesterferien und nutzt diese für ein Praktikum am Ostalbklinikum in Aalen. Davor hat sie bereits im Rettungsdienst gearbeitet.

Ärztemangel auf dem Land: Eine Medizinstudentin und ein Arzt betrachten eine Röntgenaufnahme. Der Ostalbkreis wirbt mit einem Stipendium um Medizinstudierende, die als Ärzte im Landkreis bleiben. (Foto: SWR)
Die Medizinstudentin Milena Schurr hat sich erfolgreich um ein Stipendium beim Ostalbkreis beworben. Sie will als Fachärztin im Landkreis bleiben.

Sie arbeite gern mit Patientinnen und Patienten, sagt sie. Ihr gefalle der enge Kontakt zu den Menschen. Außerdem finde sie den Gedanken schön, Menschen über einen langen Zeitraum zu begleiten. Das ist mit ein Grund, warum sie sich in diesem Jahr für ein Stipendium des Ostalbkreises beworben hat, mit Erfolg.

450 Euro bekommt sie monatlich vom Ostalbkreis, maximal sieben Semester lang. Im Gegenzug hat sie sich verpflichtet, ihren Facharzt für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin zu machen und anschließend im Ostalbkreis für drei Jahre in einer Hausarztpraxis zu arbeiten.

Hausärztin im Ostalbkreis: Land statt Großstadt

Das Angebot passt gut für die angehende Ärztin; die ländliche Region sagt Milena Schurr zu. In die Großstadt habe sie nicht wollen, erklärt Schurr. Auch ihre Familie wohne in der Gegend.

Die hausärztliche Versorgung im Ostalbkreis sei je nach Region unterschiedlich, erklärt Diana Kiemel von der Gesundheitsförderung des Landkreises. Während beispielsweise Schwäbisch Gmünd zu 100 Prozent versorgt sei, liege der Schwäbische Wald bei 60 Prozent und damit an der Versorgungsuntergrenze.

Auch auf der Ostalb: Hausarzt-Beruf im Wandel

Dass es immer weniger Landärzte und -ärztinnen gibt, liegt vermutlich auch am Berufsbild. Studentin Milena Schurr ist sich sicher, dass es den klassischen Hausarzt, der bei Wind und Wetter rausfahre, so bald nicht mehr geben werde. Die Entwicklung gehe vielmehr in Richtung medizinische Versorgungszentren.

Im Ostalbkreis gebe es noch viele Einzelpraxen, wo Ärzte und Ärztinnen selbständig arbeiten, erklärt Diana Kiemel von der Gesundheitsförderung des Landkreises. Nach ihrer Erfahrung müssten Strukturen geschaffen werden, die attraktiver seien für junge Medizinstudierende.

Wunsch nach Teamarbeit und Teilzeit

Mit einem Stipendium zu locken, reiche nicht aus, um genügend ärztlichen Nachwuchs aufs Land zu bekommen. Der Wunsch der jungen Nachwuchsmediziner sei Teamarbeit, eine feste Anstellung oder auch in Teilzeit zu arbeiten. Das bestätigt auch Stipendiatin Milena Schurr. Die angehende Ärztin will künftig jedenfalls nicht allein eine Praxis führen. Sie sieht sich eher in einer Gemeinschaftspraxis.

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