Frühsport extrem: Sebastian Hahn steht täglich um 3.10 Uhr auf

Lehrer aus Aalen läuft jeden Morgen Halbmarathon

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Der Mann scheint keinen inneren Schweinehund zu kennen: Lehrer Sebastian Hahn aus Aalen läuft jeden Morgen vor der Schule einen Halbmarathon - auch an Feiertagen, bei jedem Wetter.

Am Stadtrand von Aalen klingelt jeden Morgen bei Sebastian Hahn um 3.10 Uhr der Wecker. Zeit für seinen Frühsport. Der 46-Jährige wärmt sich auf, dehnt sich, schlüpft in die Joggingschuhe, setzt die Stirnlampe auf. Um 4 Uhr geht's zur Haustür raus.

Seine tägliche Runde führt ihn erst durch die noch schlafende Wohnstraße, dann durch den Wald und über Felder. 24 Kilometer bei knapp unter null Grad. Sogar etwas mehr als ein Halbmarathon. Er genießt die Einsamkeit in der Dunkelheit.

"Diese Ruhe, ohne dass man sich gleich auf andere Leute konzentrieren muss, ist sehr angenehm."

In der frischen Luft fühle er sich gut, sagt er. "Man hat einen Ausgleich, bevor es in den langen Tag an der Schule geht." Sebastian Hahn hört beim Laufen oft Hörbücher, manchmal Musik. Kein Mensch kommt ihm um diese Zeit entgegen. Manchmal sieht er Rehe, Hasen, Wildschweine und Dachse.

Halbmarathon-Strecke auch an Weihnachten und Neujahr

Der Frühsportler läuft immer, auch an Weihnachten und Neujahr, bei jedem Wetter. "Wenn es aus Kübeln gießt, ist die Überwindung etwas härter. Dann muss man mehr Sachen einpacken", erzählt Hahn. "Oder im letzten Winter hatten wir hier rund 20 Zentimeter Schnee. Da war jeder Schritt natürlich sehr hoch." Da sei es schon sehr anstrengend, 20 bis 25 Kilometer zu laufen. "Aber wenn man dann fertig ist, fühlt man sich wie der Held."

25 Kilo Übergewicht runter gerannt

Auf heldenhafte 6.962 Kilometer hat es Hahn im vergangenen Jahr gebracht, fünf Paar Joggingschuhe verbraucht. Und da waren fünf Wochen Zwangspause wegen eines Muskelfaserrisses dabei. Angefangen hat er vor zehn Jahren, als er noch Übergewicht hatte. Während er 25 Kilo runter rannte, wurden die Laufstrecken allmählich immer länger. Erst zehn Kilometer am Tag, dann zwölf, irgendwann 15, 17, 19, 20. "Dann hab ich gedacht, jetzt bin ich bei 20, dann kann ich den Halbmarathon auch voll machen." Inzwischen werden es aber oft 26 Kilometer.

Entsprechend ist sein Starttermin immer früher geworden. Abends verabschiedet er sich meist kurz nach Neun von seiner Familie, geht pünktlich ins Bett. "Meine Kinder halten mich alle für einen Spinner", lacht Sebastian Hahn, "zum Teil haben sie ja auch recht, denn eigentlich müsste das ja nicht sein." Er glaubt aber auch, dass seine Familie schätzt, dass er sehr gesund bleibt.

"Meine Schüler hassen es: Ich bin fast nie krank"

Jetzt im neuen Jahr hat er sich vorgenommen, nicht mehr unbedingt jeden Tag einen Halbmarathon zu laufen, um die Gelenke zu schonen. Dafür ab und zu mal Radfahren, aber auch morgens zwischen Vier und Sechs.

Dabei ist er nach seinem Frühsport noch nicht einmal ausgepowert. Wenn der Musik- und Informatiklehrer dann mit dem Rad zur Schule fährt, ist er topfit für den Tag. "Meine Schüler hassen es. Ich bin fast nie krank." Seinetwegen fällt jedenfalls kein Unterricht aus.

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