STAND

Seit fast 50 Jahren ist das Grundwasser im unteren Illertal verseucht. Schuld daran sind laut Landratsamt eine ehemalige Großwäscherei in Bellenberg und eine einstige Uhrenfabrik.

Fließendes Wasser aus dem Wasserhahn (Foto: Bayerischer Rundfunk, Joseph Weidl)
Im unteren Illertal sollten Bürgerinnen und Bürger kein Brunnenwasser zum Gießen verwenden. Bayerischer Rundfunk, Joseph Weidl

Gundula und Friedrich Fischer haben seit gut 30 Jahren einen großen Gemüsegarten vor ihrem Haus mitten in Senden. Das Wasser nehmen sie häufig aus einem Gartenbrunnen, der von Grundwasser gespeist wird. Dabei wussten sie lange nicht, dass sie außer dem normalen Wasser noch etwas Unsichtbares über Tomaten, Zucchini und Salat gießen.

"Da ist man schon ein bisschen erschrocken", erzählt Gundula Fischer. Sie und ihr Mann bemühten sich zwar immer, Regenwasser aufzufangen und damit zu gießen. "Aber bei diesem heißen Sommer ist es einfach so, dass die Regenwassertonnen nicht immer voll sind", sagt sie.

Alte Uhrenfabrik sorgte für Verunreinigung

Das Grundwasser, das auch den Brunnen von Familie Fischer füllt, ist in Teilen der Stadt Senden, immer noch mit Lösungsmittelrückstände belastet. Es handelt sich um leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe - kurz LHKW. Sie sind vor allem in den 1960er und 1970er Jahren durch eine alte Uhrenfabrik ins Grundwasser gelangt.

Die Fabrik gibt es heute nicht mehr. Einige Gebäude stehen aber noch. Gerhard Wieser ist beim Landratsamt Neu-Ulm für Wasserrecht und Bodenschutz zuständig und weiß, wie die LHKW ins Wasser gelangten. Und zwar durch Entfettungsbäder, in denen die Uhrenteile entfettet wurden, um sie anschließend galvanisieren zu können. "Sie waren in offenen Becken mit einer Ringkühlung drin. Und wenn diese Ringkühlung ausgefallen ist, dann sind die Lösungmitteldämpfe ausgetreten", erläutert Wieser.


Seit 1990 , als der Schaden im Grundwasser aufkam und öffentlich wurde, beschäftigt sich das Landratsamt mit dem Problem. Durch das Auspumpen und Reinigen von Grundwasser sind die Werte schon niedriger geworden. Trotzdem wird das noch eine Weile dauern, sagt auch Wieser: "Ich werde bis zu meiner Pensionierung die Sache vermutlich nicht mehr abschließen."

Denn es sei überhaupt nicht absehbar, wie lange die Lösungsmittelrückstände noch im Grundwasser sein werden. Jedes Jahr rät das Landratsamt den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern deshalb Obst und Gemüse nicht mit Brunnenwasser zu gießen oder waschen. Auch Planschbecken sollen nicht damit befüllt werden. Das Trinkwasser aus der Leitung ist nicht betroffen. Das Brunnenwasser kann aufgrund der Rückstände aus der Uhrenfabrik krebserregend sein.

Gundula Fischer und ihr Mann Friedrich werden aber trotzdem ihren Garten weiter damit gießen. Vor dem Essen waschen Sie Ihr Gemüse aber mit sauberem Wasser ab. Seit 30 Jahrne tun sie das schon."Wir haben es bisher überlebt", sagt Gundula Fischer.

UIm

Trotz des sinkenden Grundwasserspiegels Trinkwasserversorgung in der Region steht gut da

Der Klimawandel und trockene Sommer hinterlassen ihre Spuren. In manchen Regionen Deutschlands wird das Wasser knapp. Bei uns in der Region muss man sich erstmal keine Sorgen machen.  mehr...

Pestizide im Wasser Wasserwerk Langenau reinigt Trinkwasser

Eines der größten Wasserwerke Baden-Württembergs steht in Langenau bei Ulm. Seine Aufgabe besteht darin, das zukünftige Trinkwasser von Schadstoffen zu reinigen - auch von Pestiziden.  mehr...

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

Drastischer Appell der Trinkwasserversorger Irreparable Schäden für das Grundwasser befürchtet

Ein Zusammenschluss westeuropäischer Trinkwasserversorger, die auch den Südwesten versorgen, fordert die EU zum Umsteuern in der Agrarpolitik auf. Sie warnen vor irreparablen Schäden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN