Der Rotmilan wurde in Zöschingen mit Carbofuran vergiftet, einem Insektizid, das seit 2008 in Europa verboten ist. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa | Maurizio Gambarini)

Interview mit dem Vogelexperten Andreas von Lindeiner

Vergifteter Greifvogel in Zöschingen: Welches Motiv steckt dahinter?

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In Bayern wurden zuletzt immer wieder Greifvögel von Unbekannten vergiftet, im Juli auch in Zöschingen im Landkreis Dillingen. Stellt sich die Frage: Wer macht so etwas und warum?

In der Gemeinde an der Grenze zu Baden-Württemberg hatte ein Landwirt den toten Rotmilan entdeckt. Der Vogel wurde mit Carbofuran vergiftet, einem Insektizid, das seit 2008 in Europa verboten ist. Es war nicht der erste Fall dieser Art in Bayern, auch aus Baden-Württemberg wurden schon vergiftete Greifvögel gemeldet.

Welche Motive dahinterstecken könnten und wie die Chancen stehen, den Verantwortlichen zu finden, darüber haben wir mit Andreas von Lindeiner gesprochen. Er ist Artenschutzreferent beim bayerischen Landesbund für Vogelschutz und Präsident des deutschen Rats für Vogelschutz.

SWR: Waren das gezielte Angriffe auf die Greifvögel oder haben die einfach etwas gefressen, was sie nicht fressen sollten?

Andreas von Lindeiner: Häufig werden Köder ausgelegt, die für viele Tiere interessant sind. Greifvögel haben den "Vorteil", dass sie Köder sehr schnell entdecken.

In Zöschingen hatte ein Landwirt einen vergifteten Rotmilan entdeckt - nicht der erste Fall in Bayern. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert)
In Zöschingen hatte ein Landwirt einen vergifteten Rotmilan entdeckt - nicht der erste Fall in Bayern. (Symbolbild) picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Gehen Sie davon aus, dass jemand versucht, gezielt Vögel zu töten?

Wir haben dieses Jahr auch einen Wanderfalken gefunden, der mit Carbofuran vergiftet worden ist. Das ist ein bläuliches oder violettes Granulat. Ein ganz markantes Merkmal bei den gefundenen Vögeln sind die wie zur Faust geballten Krallen. Und die Tiere liegen neben dem Köder, weil sie umgehend an diesem als Nervengift wirksamen Stoff gestorben sind. Carbofuran wird von den Vögeln wahrscheinlich über lebende "Ködertauben" aufgenommen, die von Taubenzüchtern präpariert worden sind. Die Taube trägt möglicherweise das Gift auf dem Rücken, der Wanderfalke erbeutet sie und verendet dann an.

Aber wer bringt denn Vögel um?

Zum einen Geflügelzüchter, die sich scheinbar nicht anders zu helfen wissen als mit diesen drakonischen Maßnahmen. Es gibt aber durchaus auch Jäger, die hier wohl in einem falsch verstandenen ökologischen Verständnis meinen, sie müssten einen "Konkurrenten" beseitigen, der Hasen, Fasane und Rebhühner erbeutet.

Gibt es eine Chance, dass Menschen, die so etwas tun, auch ermittelt und gefasst werden?

Wir müssen feststellen, dass nur selten im Umfeld der Tatorte gesucht wird. Spuren wie Reifen oder von Schuhen könnten Hinweise geben. Es lohnt sich in manchen Fällen auch, das Umfeld zu untersuchen. Denn wenn man mehrere Kadaver in einem Feldstück findet oder im Bereich einer Teichwirtschaft, dann kann man davon ausgehen, dass hier der Besitzer zumindest nicht ganz unbeteiligt ist und ihn wenigstens mal befragen.

"Wenn das im Umfeld von Wohnbebauung passiert, können das auch Kinder finden. Das kann ernsthafte Gesundheitsfolgen haben."

Gibt es denn etwas, dass sie als Vogelschutzbund tun können?

Nur durch soziale Kontrolle wird man dieses Problem auch eindämmen können. Wir können einfach nur darauf setzen, dass jemand mal beobachtet wird, der hier solche Giftköder auslegt, damit wir hier auch abschreckende Beispiele bekommen, die auch wirklich strafrechtlich verfolgt werden. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass es nicht nur um die Gefährdung von Vögeln oder anderen Tieren geht, sondern auch um die Gefährdung von Kindern. Wir hatten einen ganz perfiden Fall: Kurz vor Ostern wurde ein rosa gefärbtes Ei gefunden, das mit Carbofuran vergiftet war. Wenn das im Umfeld von Wohnbebauung passiert, können das auch Kinder finden. Das kann ernsthafte Gesundheitsfolgen haben. Insofern ist das niemals ein Kavaliersdelikt, sondern eine echte Straftat, die unbedingt verfolgt werden muss.

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