Frauen in Not können sich in Ulm an die Beratungsstelle "Frauen helfen Frauen" wenden. (Foto: SWR, Peter Schmid)

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauenhaus in Ulm ist voll belegt

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Peter Schmid
SWR Aktuell Redakteur Peter Schmid (Foto: SWR)

Aus Anlass des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am Freitag beklagt der Paritätische Wohlfahrtsverband in Baden-Württemberg volle Frauenhäuser. In Ulm sind die Plätze schon lange belegt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg weist anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen auf volle Frauenhäuser hin. Viele der Unterkünfte im Land seien komplett belegt.

In Ulm bespielsweise gibt es 16 Plätze. Die seien schon länger belegt, sagt Anja Schlumpberger vom Verein "Frauen helfen Frauen". Meist fliehen Frauen dorthin, die zu Hause Gewalt erfahren. "Ich habe von einer Kollegin gehört, dass eine Frau aus Ulm ins Frauenhaus nach Ulm möchte und die sagt: Sie hält so lange durch, bis der nächste Platz frei wird."

Es könne aber gut sein, dass die Aufnahme erst im Januar sein wird, so Schlumpberger weiter. Drei Prozent aller Frauen im Land haben in den vergangenen zwölf Monaten zu Hause Gewalt erfahren, sagt Katrin Lehmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Das gehe von einer einmaligen Ohrfeige hin bis zu regelmäßigen Misshandlungen mit zum Teil schweren Verletzungen und der völligen Zerstörung der psychischen Integrität der Frau, so Lehmann.

Kritik: Es fehlt im Land eine Strategie für den Schutz von Frauen

Für diese Frauen brauche es Hilfe in Form von Beratung oder eben einen Platz in einem Frauenhaus. Aber diesen Platz gebe es nicht immer. Es fehle eine Strategie in Baden-Württemberg, wie Frauen flächendeckend geschützt werden können, beklagt Lehmann.

Kommunen finanzieren Schutzhäuser für Frauen, das Land fördert

Der Betrieb von Frauenhäusern wird von den Kommunen finanziert, sagt Ute Leidig, Staatssekretärin im Sozialministerium. "Das können wir uns als Land nicht leisten das alles durchgehend zu fördern." Das Land fördere zwar zu Beginn neue Projekte zum Schutz von Frauen, steige dann aber meist wieder aus der Finanzierung aus.

Das führt dazu, dass ein Flickenteppich aus Hilfsangeboten und Zuständigkeiten entsteht. Jede Kommune entscheidet für sich, wie viel Geld sie zum Beispiel für Frauenhäuser ausgibt. Das Land sieht die Verantwortung beim Bund ein Gesetz zu verabschieden.

Forderung: Das Land muss zum Schutz der Frauen aktiv werden

Für Katrin Lehmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband geht das zu langsam. "Einmal schimpft das Land auf die Kommunen, dann schimpfen die Kommunen auf das Land. Jetzt schimpfen sie unisono auf den Bund. Ob das Bundesgesetz kommt? Darauf will ich nicht warten. Ich will jetzt, dass Baden-Württemberg loslegt."

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