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Am Mittwoch ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Dazu findet im Ostalbkreis eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt - mit dabei sind mehrere Bundestagsabgeordnete.

Leni Breymaier von der SPD wird neben Roderich Kiesewetter von der CDU und Margit Stumpp von den Grünen dabei sein, drei Abgeordnete also aus Ostwürttemberg. Daneben werden Vertreter der FDP, von Human Rights Defenders, vom Kreisfrauenrat des Ostalbkreises und die Gleichstellungsbeauftragten aus Aalen und Ellwangen an der Diskussion im Internet teilnehmen.

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Die SPD-Abgeordnete Leni Breymaier hat uns im Interview geschildert, warum es schwierig ist, den Frauen Hilfe anzubieten und was sie als Bundestagsabgeordnete gegen Gewalt an Frauen tun kann.

SWR: Ist Gewalt gegen Frauen ein Thema, das sich mit der Corona-Krise verschärft hat?

Leni Breymaier: Das Problem ist, dass wir noch keine belastbaren Zahlen haben. Aber wenn man einfach den gesunden Menschenverstand einschaltet, dann weiß man, dass sich bei Leuten, die sonst auch zu Gewalt neigen, Emotionen und Aggressionen zu Hause entladen - wenn man noch öfter aufeinanderhockt und man keine Ausweichmöglichkeit hat. Und deshalb gehen wir alle davon aus, dass sich in Corona-Zeiten die Gewalt an Frauen im privaten Umfeld verstärkt hat.

Ist das Hilfeanbieten in Corona-Zeiten auch schwieriger geworden?

Ich bin überzeugt davon, dass ein Punkt, der dafür sorgt, dass man keine Hilfe geben kann, die Scham der Frauen ist. Dass wir den Frauen klarmachen: Das ist nicht dein persönliches Lebensversagen und nicht dein persönliches nicht gelungenes oder gelingendes Leben. Sondern es passiert ganz, ganz vielen. Ich glaube einfach, dass auch das Schweigen der Frauen ein Stück der Macht der Männer ist. Und deshalb ist es gut, wenn wir darüber reden. Dies ist der erste Schritt - der zweite ist, dass sich die Frauen Hilfe holen. "Schweigenbrechen" ist die ganz große Überschrift.

Können Sie als Bundestagsabgeordnete noch andere Dinge konkret tun, zum Beispiel neue Gesetze in dieser Hinsicht auf den Weg bringen?

Wir sind da mit beiden Beinen im Föderalismus. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir im Haushalt des Deutschen Bundestages für dieses Jahr und für die nächsten Jahre eine deutliche Erhöhung der Gelder für die Frauenhäuser gegeben haben. Wir können nicht den laufenden Betrieb der Frauenhäuser finanzieren, das ist Ländersache. Aber wenn ich mir manche Häuser anschaue - die sind nicht zeitgemäß. Wenn zwei Frauen mit ihren Kindern in einem Zimmer leben, das geht einfach überhaupt nicht mehr. Aber ein ganz wichtiger Punkt ist, dass Gewalt gegen Frauen erst gar nicht vorkommt. Das heißt, wir müssen auch "Täterarbeit" angehen und schauen, woher haben die Täter ihre Aggressionen und wo sie die lassen können. Und wie man ihnen einen Ausweg zeigen kann. Mir ist in diesen Tagen ganz präsent geworden, dass die ersten drei Monate nach einer Trennung für die Frauen die gefährlichsten Monate sind. Da kommen Morde vor, weil "er" sagt: Wenn ich Dich nicht kriege, dann soll Dich kein anderer haben. Ganz wichtig ist es, den Frauen, den Betroffenen, die Hand zu reichen.

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