Ein historisches Porträtbild von König Rudolf Duala Manga Bell aus Kamerun, der von 1891 bis 96 in Aalen lebte. (Foto: Stadtarchiv Aalen)

Späte Würdigung

Deswegen benennt Aalen Platz nach afrikanischem Prinzen Manga Bell

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Frank Polifke
Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Fünf Jahre hat der afrikanische Prinz Rudolf Duala Manga Bell in Aalen gelebt. Sein gutes Verhältnis zu den deutschen Kolonialherren bezahlt er mit dem Leben. Jetzt wird er posthum gewürdigt.

Für Oberbürgermeister Frederick Brütting (SPD) gibt es zwei Gründe, warum gerade die Aalener Rudolf Duala Manga Bell würdigen, der dort von 1891 bis 1896 lebte. "Er war das Opfer des deutschen Kolonialismus und der Untaten, die in Kamerun in deutschem Namen passiert sind. Und daran wollen wir erinnern. Dass wir zu diesen Taten stehen, daraus lernen und erinnern, welche schrecklichen Auswirkungen dieser Kolonialismus und Nationalismus in der Welt hatte."

Der zweite Grund: Manga Bell hat in Aalen wichtige Jahre seines Lebens verbracht und war Teil der Aalener Stadtgesellschaft. 1891 kommt der Enkel des Königs des Duala-Volks nach Aalen. In Begleitung des Aalener Kolonialbeamten Gustav Pahl.

Der Platz vor der ehemaligen Ritter-Schule in Aalen, der jetzt Rudolf-Duala-Manga-Bell-Platz heißt. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Der Platz vor der ehemaligen Ritterschule in Aalen heißt jetzt Rudolf-Duala-Manga-Bell-Platz. Frank Polifke

Beliebt, begehrt und humorvoll

Pahl will 1891 in seiner Heimatstadt Aalen heiraten. Er hat gute Kontakte zum Königshaus des Duala-Volks. Und so entsteht eine für damalige Zeiten ungewöhnliche Idee: Er nimmt den 16-jährigen Enkel mit. Der spätere Thronerbe soll die deutsche Sprache und Sitten erlernen. Um in Kamerun so etwas wie ein "Brückenbauer" zu werden.

Es wird eine spannende Zeit. Für den afrikanischen Prinzen, der in Aalen die Rittervolksschule besucht, und mit seinen 16 Jahren seine Mitschüler um zwei Köpfe überragt. Aber auch für die Aalenerinnen und Aalener, von denen so gut wie keiner zuvor einen Afrikaner gesehen hat.

Manga Bell genießt die Aufmerksamkeit - und spielt sogar mit seiner Exotik. Gern auch in Gesellschaft seines Gastgebers, des Lehrers Gottlob Österle, erzählt Aalens Stadtarchivar Geord Wendt. Besuche im Hirschbach-Freibad bieten sich dafür an. "Da hat sich Rudolf Duala Manga Bell angeblich einen Spaß daraus gemacht, unterzutauchen, um dann plötzlich aufzutauchen und die Freibadbesucher mit mit Ruf 'Huch, hier bin ich!' zu erschrecken."

Fünf Jahre hat der afrikanische Prinz Rudolf Duala Manga Bell in Aalen gelebt. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Fünf Jahre hat der afrikanische Prinz Rudolf Duala Manga Bell in Aalen gelebt. Frank Polifke

Hinrichtung von Manga Bell unter hanebüchenen Umständen

Später wird Manga Bell diese sechs Jahre in Aalen und Ulm, wo er sein Abitur macht, als die schönsten seines Lebens bezeichnen. Nach Kamerun kehrt er eher unfreiwillig zurück, nachdem sein Vater ihn zur Unterstützung braucht. Durch seine Kenntnis der deutschen Sprache und Gesellschaft baut er gute Kontakte zur Kolonialverwaltung auf. Doch die werden sein Verhängnis, als er sich gegen einen rassistischen und gewalttätigen Gouverneur zur Wehr setzt.

Rudolf Duala Manga Bell wird 1914 wegen Hochverrats angeklagt und in einem selbst für damalige Zeiten unfairen Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt. Er, der sich stets selbst als Deutscher bezeichnet und als treu gegenüber den deutschen Kolonialherren. "Das große Missverständnis und die große Tragik ist, dass er nicht verstanden hat, dass in dieser zutiefst rassistischen Zeit der deutsche Rechtsstaat für Menschen mit anderer Hautfarbe nur bedingt galt", erklärt Stadtarchivar Wendt.

Manga Bell soll rehabilitiert werden

Der Königssohn wird hingerichtet und zur Abschreckung drei Tage am Galgen hängen gelassen. In Aalen nimmt damals niemand Notiz davon, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs überschattet alles. Rudolf Duala Manga Bell ist bis heute nicht rehabilitiert. Doch aktuell gibt es eine Petition an den Deutschen Bundestag, gestartet von Nachfahren Manga Bells, die sich für die Anerkennung seines Schicksals einsetzen. Vor kurzem wurde sie dem Auswärtigen Ausschuss übergeben.

Der Aalener Gemeinderat würdigt Manga Bell nicht nur durch die Benennung des kleinen Platzes vor der ehemaligen Ritterschule nach ihm. Er unterstützt auch die Petition. Einstimmig ist die Entscheidung gefallen. Wenigstens ein bisschen nachträgliche Gerechtigkeit, hofft Oberbürgermeister Brütting. "Auch um ein Zeichen zu setzen, dass die Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern bis heute nachwirkt."

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