Future Food - das Festmahl der Zukunft mit Getreideblöcken, die mit Mehlwürmern und Insekten garniert werden (Foto: SWR, Rainer Schlenz)

Nahrungsblöcke und In-Vitro-Fleisch

Future Food - Museum Brot und Kunst Ulm zeigt Essen für die Welt von morgen

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Was wird im Jahr 2050 auf unseren Tellern liegen? Insekten-Snacks oder Nahrhaftes aus der Tube? Diesen Fragen geht ab Donnerstag die Ausstellung "Future Food" im Museum für Brot und Kunst nach.

Eines vorweg: Die Ausstellung "Future Food" macht Appetit auf das Thema Essen der Zukunft. Obwohl viele Ernährungsideen für die kommenden Jahrzehnte aus heutiger Sicht erstmal schwer verdaulich sind: In-Vitro-Fleisch zum Beispiel.

Future Food (Foto: SWR)
Synthetisches Fleisch aus dem Labor, genau genommen aus einem Versuchsreaktor: Noch kein ausgereiftes Verfahren, aber so könnte in Zukunft Fleisch produziert werden.

Für das In-Vitro-Fleisch werden aus Zellen Kulturen gezüchtet, und daraus wiederum werden in einem "Reaktor" Fleischbrocken produziert. Das "Fleisch", sofern es den Namen verdient, ist vollkommen synthetisch herstellt, zudem nachhaltig und günstig. Solch ein Versuchsaufbau mit Fläschchen, Schläuchen und dem Reaktorkasten ist im Museum für Brot und Kunst zu sehen. Die Fleischrohmasse ist zunächst grau und wird dann eingefärbt. Von einem Rib-Eye-Steak indessen ist das Produktionsergebnis noch weit entfernt:

"Im Moment ist es tatsächlich noch ein recht unförmiger Klumpen".

Das mit dem In-Vitro-Steak kann ja noch werden. Aber eines macht die Ausstellung unmissverständlich klar: So wie heutzutage unsere Ernährung organisiert ist, kann es nicht weitergehen. Nach wie vor gibt es Hunger, Massentierhaltung und eine große Umwelt- und Klimabelastung durch Ernährungsproduktion. Das "große Fest" ist vorbei, sagt die Kuratorin Viktoria Krason, der Tisch bald leer gegessen. Dies symbolisiert auch eine Installation im Eingangsbereich des Museums: Zu sehen ist ein Büffettisch mit kargen Resten. Nur noch ein paar verwelkte Salatreste sind übrig und ein paar Scheiben Braten.

Future Food (Foto: SWR)
"Wir befinden uns an einem Punkt mit unserem Ernährungssystem, an dem es so nicht weitergehen kann", sagt die Ausstellungsmacherin von "Future Food", Viktoria Krason.

Wie aber geht es weiter? Und welche Rolle spiele ich als einzelner Konsumierender? Die Ausstellung liefert unglaublich viele Hinweise, wissenschaftliche Ansätze, politisch-wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie zeigt aber auch Utopien der Kunst.

Future Food (Foto: SWR, Felix Budde)
So könnte das "Festmahl der Zukunft" aussehen: Eine "spekulativ-utopische Installation" der Ulmer Künstlerin Cora Schönemann. Felix Budde

Die Ulmer Künstlerin Cora Schönemann hat den Tisch mit einem "Festmahl der Zukunft" gedeckt: Vor allem mit beigen, mundgerechten "Versorgungsblöcken" für die gesamte Weltbevölkerung aus gepresstem Getreide und Öl.

"Die Utopie ist natürlich auch, dass wir es geschafft haben werden, das Problem der Nahrungsmittelknappheit zu lösen. Alle sind versorgt."

Future Food - das Festmahl der Zukunft mit Getreideblöcken, die mit Mehlwürmern und Insekten garniert werden (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Future Food - das Festmahl der Zukunft mit Getreideblöcken, die mit Mehlwürmern und Insekten garniert werden Rainer Schlenz

Solche Nahrungsblöcke, wie Schönemann sie für ihre Installation benutzt, gibt es übrigens tatsächlich schon: Sie werden bereits heute als Notrationen zur Erstversorgung in Krisengebieten eingesetzt. Individuelles Kochen, wie wir es kennen, spielt nicht mehr eine so große Rolle in Schönemanns Utopie. Aber immerhin: Die Nahrungsblöcke werden garniert mit Kirschen oder Heuschrecken. Dieses Festmahl der Zukunft sieht zwar gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem einladend aus. Und will die Angst nehmen vor dem Neuen.

Ausstellung Future Food im Museum Brot und Kunst will Angst nehmen

Auch das zeigt die Ausstellung: Das Thema Ernährung ist entsetzlich angstbesetzt – erkennbar an reißerischen Buchtiteln wie "Der süße Tod". Derlei Überschriften, meint die Ausstellungsmacherin Viktoria Krason, spielen mit den Ängsten der Verbraucherinnen und Verbraucher.

"Und indem wir darauf hinweisen, zeigen wir, dass das eine Verkaufsstrategie ist. Und damit wollen wir den Menschen auch ein bisschen die Angst nehmen vor dieser überdramatisierten Informationsflut."

Die Ausstellung Future Food versachlicht das Thema Ernährung – ohne nüchtern rüberzukommen. Es gibt Witziges, es gibt Mitmachstationen und vieles zum Staunen. Robotergestütztes Smart-Farming, Landwirtschaft im Hochhaus-Format und vieles mehr.

Eine Mitmachstation mit vielen Knöpfen in der Ausstellung Future Food (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Eine Mitmachstation in der Ausstellung Future Food: Über Knopfdruck können Besucherinnen und Besucher ihre Essgewohnheiten oder Kaufkriterien für Nahrungsmittel eingeben. Die eigenen Gewohnheiten werden mit dem Gesamtergebnis der übrigen Besucher verglichen. Rainer Schlenz

Erstaunlich auch: Die Zukunft hat längst begonnen. Beispiel: Die Bowls, also Schüsseln mit frischem Gemüse und Reisnudeln, gehören zum Gastroalltag der Gegenwart. Dieser Trend ist schon da, sagt Viktoria Krason. Aber er könnte sich weiter verstärken.

"Die Bowl ist eben etwas, wo wir frische, unverarbeitete Produkte transparent nebeneinander sehen, die uns auf einen Blick zeigt, was drin ist, und dass es sehr gesund ist."

Konkrete Kochrezepte für Future Food gibt es zwar keine. Aber sicher ist: Nach dem Ausstellungsbesuch beißt man mit einem anderen Bewusstsein in sein Schnitzel – egal ob vegan oder fleischlich.

Die Leiterin des Museums Brot und Kunst - Forum Welternährung, Isabel Greschat (li.) und die Kuratorin der Future Food-Ausstellung, Viktoria Krason. (Foto: SWR, Felix Budde)
Die Leiterin des Museums Brot und Kunst - Forum Welternährung, Isabel Greschat (li.) und die Kuratorin der Future Food-Ausstellung, Viktoria Krason. Felix Budde

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