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Neandertaler jagten auch Großwild: Der Archäologe Nicholas Conard von der Universität Tübingen hat am Hohle Fels in Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) einen Beleg gefunden: Die Spitze einer Lanze.

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Der am Donnerstag in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) präsentierte neue Fund war Teil einer Stoßlanze. Es ist eine exzellent erhaltene, blattförmig gearbeitete Hornsteinspitze, auch Blattspitze genannt. Der Fund belegt nach Angaben der Forscher, dass schon vor 65.000 Jahren, in der Mittleren Altsteinzeit, Neandertaler auf der Schwäbischen Alb mit Waffen Großwild wie Rentiere oder Wildpferde jagten.

Fund in Blaubeuren, Blattspitze, Lanzenspitze, wurde im Urmu präsentiert (Foto: SWR, Peter Köpple)
Im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ist eine 65.000 Jahre alte Lanzenspitze als "Fund des Jahres"präsentiert worden. Peter Köpple

"Es ist die erste Blattspitze, die auf der schwäbischen Alb mit modernen Methoden ausgegraben und mit modernsten Mitteln analysiert wurde."

Der Fund verrate viel Neues über die kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten der Neandertaler, hieß es weiter. Außerdem wurden Funde solcher Waffen bislang deutlich jünger eingeschätzt, etwa zwischen 45.000 und 55.000 Jahren. Auch daraus ergeben sich nun neue Fragen, so Conard am Donnerstag in Blaubeuren.

"Blattspitzen" wurden als Messer, für Wurfspeere und Stoßwaffen verwendet

Über die Verwendung von "Blattspitzen" in der Mittleren Altsteinzeit gebe es mehrere Hypothesen: Sie könnten als Messer, als Teil eines Wurfspeers oder einer Stoßwaffe benutzt worden sein. Analysen der Gebrauchsspuren des neuen Funds aus dem Hohle Fels ließen darauf schließen, dass es einen extra angefertigten Holzschaft für die Blattspitze gab. Auch die Abnutzung an der Spitze deute darauf hin, dass es sich bei dem Fund um den Teil einer Waffe handelte.

Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren neue Funde (Foto: SWR, Peter Köpple)
Die im Hohle Fels gefundene, 65.000 Jahre alte "Blattspitze" ist 7,6 Zentimeter lang, 4,1 Zentimeter breit, 0,9 Zentimeter dick und 28 Gramm schwer. Peter Köpple

Waffen unbrauchbar und im Hohle Fels zurückgelassen

Es seien auch Spuren gefunden worden, die darauf hindeuten, dass es erfolglose Versuche gab, die Spitze nachzuschärfen. Womöglich sei sie unbrauchbar gewesen und deswegen im Hohle Fels zurückgelassen worden.

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