Interview mit Friedensaktivistin Leonie Wanner

Konferenz gegen Atomwaffen in Wien: Das fordern Aktivisten aus Mutlangen

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Seit dem Krieg in der Ukraine stehen die Zeichen auf Aufrüstung. In Wien treffen sich derzeit Staaten, die Atomwaffen abschaffen wollen. Mit dabei sind auch Aktivisten aus Mutlangen.

Neun junge Mitglieder des Vereins Friedenswerkstatt Mutlangen (Ostalbkreis) sind nach Wien zur Konferenz gegen Atomwaffen gefahren, darunter Leonie Wanner. Welche Ziele sie verfolgen und was ihre Hoffnungen sind, hat sie uns im Interview geschildert.

Friedensaktivistin Leonie Wanner lächelt in die Kamera (Foto: privat)
Friedensaktivistin Leonie Wanner privat

SWR: Der Inspekteur der Luftwaffe, der deutsche General Ingo Gerhartz, hat laut Medienberichten gefordert, dass die NATO im Ernstfall auch Atomwaffen einsetzen soll. Das sei für die nukleare Abschreckung nötig. Was meinen Sie?

Leonie Wanner: Der Einsatz von Atomwaffen wäre selbstzerstörerisch, ich weiß nicht, woher diese Annahme kommt. Wenn wir Atomwaffen einsetzen, hat das unfassbare humanitäre und ökologische Konsequenzen für alle Menschen auf dieser Welt. Aber schon diese Abschreckungslogik an sich basiert auf Misstrauen und Angst. Und die Frage ist: Wollen wir in dieser Sicherheitsarchitektur leben, die auf Angst basiert? Wollen wir in Angst leben oder eben nicht? Und deswegen setzen wir uns gegen Atomwaffen ein. Nicht nur gegen den Einsatz, sondern auch, dass Atomwaffen in der Sicherheitsarchitektur der NATO-Staaten verankert sind.

Sie sind auf der Konferenz. Haben Sie das Gefühl, Ihre Stimme wird gehört?

Ja, ich glaube schon, denn es geht ja um den Atomwaffenverbotsvertrag. Hier sind normalerweise Staaten und Zivilgesellschaft, die sich auch gegen Atomwaffen einsetzen.

Schon in den Achtzigerjahren wurden die Friedensaktivisten aus Mutlangen bundesweit bekannt (Foto: IMAGO, IMAGO / Sommer)
Schon in den Achtzigerjahren wurden die Friedensaktivisten aus Mutlangen bundesweit bekannt, weil sie gegen die dort stationierten Mittelstreckenraketen der US-Armee und für Abrüstung in Ost und West demonstrierten. IMAGO / Sommer

"Die einzige Garantie, dass Nuklearwaffen nicht mehr eingesetzt werden, ist, sie komplett zu eliminieren."

Diesen Vertrag gegen Atomwaffen, dass Atomwaffen komplett abgeschafft werden sollen, hat Deutschland bisher noch nicht unterzeichnet. Warum wäre es denn wichtig, dass Deutschland da auch mitmacht? Wir haben ja schließlich gar keine Atomwaffen.

Genau. Wir haben an sich keine Atomwaffen. Aber es gibt ja die nukleare Teilhabe. Das heißt, es sind 20 US-Atomwaffen in Deutschland stationiert, was unserer Meinung nach ein Sicherheitsrisiko darstellt. Und die einzige Garantie, dass Nuklearwaffen nicht mehr eingesetzt werden, ist, sie komplett zu eliminieren. Denn wir sehen jetzt nach der russischen Invasion in die Ukraine, dass Putin mit Atomwaffen droht. Wenn es aber keine Atomwaffen gäbe, wären wir nicht gelähmt.

Sie sind jetzt neun junge Leute Mitte 20. Sie sind von Mutlangen aus nach Wien gefahren. Welche Hoffnungen haben Sie damit verknüpft?

Wir wollen viel erreichen. Deswegen ist es schwierig, dass diese Ziele erreicht werden. Wir wollen langfristig, dass Deutschland den Atomwaffenverbotsvertrag unterschreibt und ratifiziert und dass andere NATO-Staaten auch mitziehen. Und dass es irgendwann eine Welt ohne Atomwaffen gibt. Wir haben es schon geschafft, die Stimmen junger Menschen in die Politik zu tragen.

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