"Geboren in Blaubeuren. Entbunden in Blaubeuren"

Mit Schildern und Fotoapparat: So erinnert eine frühere Hebamme an die Geburtsstation Blaubeuren

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Verena Hussong
Verena Hussong (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Eine frühere Hebamme porträtiert Menschen, die auf der Geburtshilfe in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) geboren wurden oder dort ein Kind zur Welt gebracht haben. Die Station wird wohl geschlossen.

Der zehn Monate alte Anton grinst mit seinen vier Zähnen freundlich in die Kamera und greift dann beherzt nach dem Plakat, das seine Mutter vor seinen Bauch hält. "Geboren in Blaubeuren" steht darauf. Auch sein Vater Dennis Schmid hat dort das Licht der Welt erblickt und hält so ein Plakat in den Händen. Eigentlich wollte seine Frau Annalena künftige Kinder ebenfalls dort zur Welt bringen. Doch das wird wohl nicht mehr möglich sein. Denn die Geburtsstation des Krankenhauses wird voraussichtlich zum 30. September geschlossen.

AUS für die Geburtenstation in Blaubeuren: Keine neuen Belegärzte gefunden (Foto: SWR, Verena Hussong)
Familie Schmid bedauert sehr, dass Antons künftige Geschwister wohl nicht mehr in Blaubeuren auf die Welt kommen werden. Sie haben sich dort gut betreut gefühlt. Verena Hussong

"Sehr schön!" ruft Karin Bahr mit ihrer markanten tiefen Stimme zu der Familie hinüber und zeigt ihnen dann das Familienporträt in ihrer Kamera. Aus diesem und all den anderen Bildern wird ein Film und ein Album entstehen. Die ehemalige Hebamme hat 40 Jahre lang auf der Geburtsstation gearbeitet – meist nachts. Und hat in all den Jahren 1.705 Babys auf die Welt geholfen.

AUS für die Geburtenstation in Blaubeuren: Keine neuen Belegärzte gefunden (Foto: SWR, Verena Hussong)
Karin Bahr hatte die Idee für die Fotoaktion mit den Plakaten. Die frühere Hebamme will so die Geschichte der Geburtsstation feiern. Verena Hussong

"Das sind alles meine", lächelt sie etwas wehmütig und schaut die vielen Menschen an, die sich rund um ihre pinkfarbene Limousine versammelt haben. "Wenn ich zum Einkaufen gehe, heißt das, ich treffe Familie. An jeder Ecke steht eines dieser 1.705 Kinder. Die Geschichten, die man miterlebt hat mit denen allen – die sind hier drin“, erzählt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin und klopft auf ihr Herz.  

"Es wäre echt traumhaft, wenn meine Kinder ihre Kinder auch hier zur Welt bringen könnten."

Anke Madsack aus Blaubeuren hat zwei Kinder im Blaubeurer Krankenhauses zur Welt gebracht. Sie findet die Idee ihrer früheren Hebamme klasse, mit Fotos und einem Film die Geschichte der Geburtsstation zu würdigen. "Diese Ära Entbindungsstation darf nicht zu Ende gehen. Es wäre echt traumhaft, wenn meine Kinder ihre Kinder auch hier zur Welt bringen könnten."

AUS für die Geburtenstation in Blaubeuren: Keine neuen Belegärzte gefunden (Foto: SWR, Verena Hussong)
Diese Blaubeurer Mütter wurden kreativ und haben ihr eigenes Plakat gestaltet. Sie finden die Fotoaktion klasse. Verena Hussong

Geburtsstation in Blaubeuren schließt Ende September

Doch das wird wahrscheinlich nicht möglich sein. Am 30. September wird die Station schließen, wenn sich bis dahin keine Nachfolger für die bisherigen Ärzte gefunden haben. Damit gibt es wieder eine Geburtsstation weniger in der Region. So wurden etwa in Münsingen, Laichingen und Langenau die Stationen geschlossen.

AUS für die Geburtenstation in Blaubeuren: Keine neuen Belegärzte gefunden (Foto: SWR, Verena Hussong)
Familie Moumouris freut sich über das gelungene Familienporträt. Vater, Tochter und Sohn haben auf der Geburtsstation das Licht der Welt erblickt. Verena Hussong

Der elf Jahre alte Ben Moumouris ist noch ein waschechter Blaubeurer. Wie auch seine Schwester und sein Vater – die drei sind die nächsten, die in Karin Bahrs Kamera lächeln. Ben bedauert es, dass es wohl bald keine Geburtsstation in seinem Heimatort geben wird. "Ich finde halt, es ist was anderes, in Blaubeuren und nicht in einer Großstadt geboren zu werden. Es ist halt ein kleines Städtchen und da kann man leben."

Viele Blaubeurer lassen sich für das Fotoprojekt zur Geburtsstation fotografieren

Karin Bahr macht schon wieder ein Foto – dieses Mal vom kleinen Mika, seiner Mutter und seiner Schwester. "Ich bin aus meiner Mama geschlupft. In Blaubeuren", weiß die dreijährige Tamina stolz zu berichten. Karin Bahr blickt ganz gerührt auf die vielen Blaubeurerinnen und Blaubeurer, die geduldig warten, bis sie die Plakate in die Kamera halten dürfen. Sie macht jetzt drei Wochen Urlaub in Schleswig-Holstein – doch dann wird sie wieder auf dem Parkplatz stehen und "ihre" Kinder und Mütter fotografieren.  

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